Trump verbietet demnächst auch noch arabische Ziffern

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Mo, 20. Februar 2017

Lahr

Zwischen philosophischen Wortspielen und gnadenlosem Kalauer findet Kabarettist Volkmar Staub eine das Publikum begeisternde Linie.

LAHR. Er stellt seine "Corpulent Identity" zur Schau, nennt Veganer "Salatisten" und hat "Altersgeilzeit" beantragt. Volkmar Staub wurde völlig zurecht am Freitagabend im fast ausverkauften Lahrer Stiftsschaffneikeller als "Wortspielphilosoph" angesagt. Der bei Lörrach aufgewachsene Wahlberliner kann und will seine Wurzeln in der linken Bewegtheit der 68er und Anti-Atomkraft-Szene nicht verleugnen, ist aber auch weit davon entfernt, sie zu verklären.

Aktuell ist er, obwohl er Teile seines Programms schon seit 20 Jahren macht. Der Auftritt als Winnetou nach der Pause – mit nacktem Oberkörper und sparsamem Federschmuck im Haar – ist legendär, der Text wird jeweils aktuell angepasst. In Lahr gratuliert Staub den "roten Brüdern vom Stamme der Sozialdemokraten" dazu, dass "Sitting Redbull Gabriel" auf Kanzlerkandidatur und Parteivorsitz verzichtet hat und schickt dem neuen Außenminister das vergiftete Lob hinterher, dass "manche Sterne erst beim Verglühen erstrahlen". Dem Zweigespann aus "Weißkopfadler Steinmeier" und dem "Kampfschwein aus Würselen" rät er, dem "Volk wieder Vertrauen zu geben, und money too". Manitu – money too, wir haben verstanden.

Im englischen nennt man solche Wortspiele "pun". Staub beherrscht sie meisterhaft, und bringt unzählige dieser puns fast beiläufig unter im Programm.

Schade, dass Staub zu Beginn inhaltlich eher den Holzhammer schwingt, als er gegen Donald Trump austeilt. Staub erstellt ein "Horrorskop" für die nächsten Monate und sagt voraus, dass es spätestens im Dezember Neuwahlen in den USA geben werde – nachdem das Finanzsystem zusammengebrochen sei, weil Trump die arabischen Ziffern verboten hat. Den bayerischen Ministerpräsidenten bezeichnet Staub als "grenzdebilen Borderliner" und der Blues von Liedermacher Stefan Stoppok, bei dem das Publikum "Dumpfbacke" und "Dünnbrettbohrer" mitsingen darf, gehört zu den schwachen Momenten im Programm.

Davon gab es aber nur ganz wenige, denn Staubs zuweilen auch unlustige, aber klare politische Analyse zum Beispiel der "multiplen Todesursachen der EU" zeigen, dass er Satire mit Scharfsinn verbinden kann. Europa sei an "Übergewicht durch adipöse Osterweiterung", an "Morbus Orban" und "Xenophoben Allergien" bereits gestorben, da habe auch die "Amputation des Appendix Britannica" nicht mehr geholfen.

Dass der fast 65-jährige Kabarettist dennoch zuversichtlich auf seine "Restlaufzeit" blickt, mag daran liegen, dass er mit seinem politischen Engagement gegen Kernkraftwerke und Rüstungsexporte zwar einsehen muss, dass "die Zeit uns mehr verändert hat als wir die Zeit", dass er aber immer noch "in den Spiegel schauen kann, ohne rot zu werden".

Großer Applaus für einen Kabarettabend, der überzeugen konnte.