Verschachtelte Klangwelt

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Di, 18. Juli 2017

Lahr

Das Philipp Brämswig-Trio.

LAHR. Mal wieder Jazz, mal wieder aus Köln, mal wieder junge, aufstrebende Musiker, die im Lahrer Stiftsschaffneikeller Station machten. Das Philipp Brämswig-Trio ist nach zwei großen Porträts im Deutschlandfunk und als einer von sechs Finalisten beim Neuen Deutschen Jazzpreis in Mannheim im April allerdings längst kein Geheimtipp mehr. Dennoch war der Publikumsandrang am Samstagabend mit rund 20 Besuchern sehr überschaubar. Dass der Kulturkreis dennoch unbeirrt seine Jazz-Reihe ambitioniert fortführt, ist aller Ehren wert und ein kulturpolitisches Statement für sich.

Die drei zwischen 1980 und 1990 geborenen Musiker Philipp Brämswig an der Gitarre, Florian Rynkowski am E-Bass und Fabian Arends am Schlagzeug spielten Stücke aus ihrer aktuellen CD "Molecular Soul", deren Titel vielleicht etwas in die Irre führt. Denn es geht nicht um den Soul als Stilrichtung des Jazz, sondern um die Seele, die Philipp Brämswig, der sich auch für Lebenswissenschaften interessiert, sogar den Molekülen zuschreibt. Molekular im Sinne von kleinteilig und nach einer oft undurchschaubaren, aber vorhandenen Ordnung zusammengestellt, wirken auch die Kompositionen, die allesamt von Brämswig selbst stammen. Immer, wenn man als Zuhörer glaubt, ein Muster, eine Melodie, einen Halt im Klangkosmos der insgesamt gar nicht so fremden Klänge gefunden zu haben, gibt es einen kleinen Bruch, eine winzige Verschiebung im Rhythmus, einen reizvollen Störfaktor im musikalischen Ablauf, der wohl am treffendsten mit dem literarischen Begriff "Bewusstseinsstrom" zu umschreiben ist.

Das Philipp Brämswig-Trio bietet dennoch keine "schwierige" Musik (zumindest nicht für die Zuhörer), keine bewusste Verstörung, sondern eine atmosphärische hochkomplex durchkomponierte und verschachtelte Klangwelt, die zuweilen an Rock-Traditionen anknüpft, zuweilen an psychedelische Sounds und Minimalmusik-Komponenten, und bei der durchaus auch mal klassische Themen aufscheinen.

Mit Hilfe von allerlei technischem Equipment wird – zurückhaltend – geloopt und der Sound von Gitarre und Bass verändert. Keine Routine, keine Versatzstücke, sondern bei allen drei Instrumenten virtuose, individuelle, aufmerksame und präzise Artikulation von Musik, in die sich die Zuhörer fallen lassen, von der sie sich wegtreiben lassen können.

Die Resonanz im Publikum war etwas geteilt. Zwei, drei waren in der Pause gegangen, weit mehr nahmen die CD zum Nachhören mit nach Hause.