Vier versierte Komponisten und Jazz-Interpreten

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Mo, 10. Dezember 2018

Lahr

Das South Quartet beeindruckt in Lahr mit hoher Qualität.

LAHR. Stell dir vor es ist Jazz, und keiner geht hin? Na, ganz so schlimm war es nicht beim Konzert des South Quartets im Lahrer Stiftsschaffneikeller, aber die Reihen waren mit knapp 20 Zuhörern doch spärlich besetzt. Woran es gelegen haben mag, dass Peer Baierlein (Trompete), Ull Möck (Piano), Matthias Daneck (Drums) und Arne Huber (Bass) als bekannte und hoch gelobte Jazzer nicht mehr Zugkraft entwickelten, ist völlig unklar.

Ein so überschaubares Publikum könnte auf die Stimmung schlagen bei Akteuren, Veranstaltern und auch bei den Zuhörern selbst. Doch schon beim ersten Stück, passender Weise "One" betitelt, machte Peer Baierlein klar, dass es keinen Grund gibt, Trübsal zu blasen, sondern ging gleich mit bester Laune voran, lockte mit ein bisschen Plunger-Wah-Wah, mit spitzen Stößen und Legato-Schwüngen hinein ins Klangspektrum des Abends. Ausschließlich Eigenkompositionen der Bandmitglieder waren zu hören, und zwar von allen! Das allein spricht für die Qualität eines Ensembles, das sich zwar schon lange kennt, aber erst seit 2014 als South Quartet unterwegs ist. Am Bass – als Krankheitsvertretung für Jan Dittmann – der aus Offenburg stammende Arne Huber, dessen Komposition "Pearls" ihn als unprätentiösen Melodiker ausweist. Überhaupt bleiben die musikalischen Themen, die die vier hier präsentieren, im Gedächtnis. Noch in der verschachtelten und immer wieder variierten Durchführung ist ihre klare, oft sangliche Qualität zu erkennen.

Matthias Daneck war schon häufiger Gast beim Kulturkreis, mit verschiedenen Formationen wie zuletzt dem Max Zentawer-Trio. Die von ihm komponierte "Hymn Of the Lost Reggae" verbindet Rhythmus mit Weichheit, klingt zuweilen wehmütig und endet in einem sehnsuchtsvollen Hauch. Aus Ull Möcks Feder stammt der Bossa-Nova "Thorntones", nicht der einzige Titel im Konzert, der das Zeug zum Klassiker hat. Es gibt keine echte Leitfigur in diesem Quartett, auch wenn Peer Baierlein mit Trompete und Flügelhorn oft im Mittelpunkt steht, aber nie die anderen an den Rand drängt. Sein gepflegter Stil, sein klassisch schöner Ton steht für einen menschenfreundlichen Jazz, der in Stücken wie "One More" (Komponist Matthias Daneck) oder "ZC" (Peer Baierlein) zu Höchstform aufläuft. Rundum gelungenes Konzert, großer Applaus.