Volksmusik neu entdeckt

Ulrike Le Bras

Von Ulrike Le Bras

Di, 27. Juni 2017

Lahr

Vetterliswirtschaft in Lahr.

LAHR. Den Weg in die Sommerpause hat der Kulturkreis Lahr am Samstagabend bereitet: In der Kühle des Stiftsschaffneikellers waren die Gruppe Vetterliswirtschaft zu Gast. Mit leichter Hand haben die fünf Musiker es geschafft, das Publikum zu begeistern, es mitzunehmen auf eine Reise in die so anders wirkende Rhythmik vergangener Epochen.

Als Lockvogel vorneweg geht dabei Andrea Frey-Melder: Mit unbändiger Energie und gewinnendem Lächeln lädt sie dazu ein, durch die Jahrhunderte zu hüpfen. "Jetzt mache mir mol schnell e Hopser ins Mittelalter", leitet sie ein, bevor sie ihre Stimme unglaublich leicht tirilieren, dann wieder melancholisch-zart von Herzeleid erzählen lässt. "Des isch nomol so e Liebeslied, wo nit so guet üsgange isch". Dann springt sie in die Rolle des frommen Mädchens, das doch letztlich die Freuden der Liebe einem Leben im Kloster vorzieht. Das alte Lied von der "Be(k)gehrten Gottesbraut" bekommt hier einen erotisch prickelnden Schluss, mit laszivem Seufzen, Hauchen und Miauen, dazu als i-Tüpfelchen noch ein toll swingendes, jazziges Nachspiel, das einen aus dem Mittelalter wieder herausführt.

Ihren Teil zum Gelingen beigetragen haben natürlich auch die anderen Bandmitglieder. So teilt sich Andrea Frey-Melder die Gesangsparts einerseits mit ihrer Bühnenkollegin Sybille Hassler, die nicht nur vokal, sondern auch an Flöten und Klarinette präzise Begleitung liefert. Andererseits mit Franz Schwörer, der anfangs hauptsächlich mit Instrumenten wie Drehleier, Nickelharpa, Maultrommel und verschiedenen Schlagwerkzeugen zu Gange ist. Doch auch mit seiner Stimme kommt er überzeugend rüber. Zum Beispiel in dem Lied aus der Schweiz, in dem er der Frage nachgeht: "Anneli, wo bisch geschtert gsi?" Und der Zuhörer erfährt, dass diese "hinterem Hüs im Gaarde" war – mit wem auch immer. Das hatte etwas ländlich-verdruckst Kesses. Stark ist Schwörer auch in seinem Sprechgesang: da vertont er vor einem Hintergrund aus tuffigem Kontrabass (Klaus Peter Maier) und perlendem Gitarren-Picking (Adelbert Hassler) auf sacht-eindringliche Weise einen alemannischen Haiku aus der Feder von Wendelinus Wurth oder übersetzt ein Stück Natur-Poesie von Joachim Ringelnatz in den vertrauten Zungenschlag.

Fazit: Volksmusik neu entdecken kann wirklich Spaß machen!