Wie die Ruhe nach dem Sturm

Ulrike Le Bras

Von Ulrike Le Bras

Di, 23. Januar 2018

Lahr

Johannes Ludwig Group in Lahr.

LAHR. Das Konzert des Kulturkreises am Freitagabend war wie gemacht zum Abschluss der stürmischen Woche: Restausläufer des Tiefs Friederike haben die Johannes Ludwig Group von Köln her in den Gewölbekeller der Stiftsschaffnei am Urteilsplatz geweht. Zu hören bekamen die Besucher feinsten Jazz in einer Reife, die man diesen jungen Musikern auf den ersten Blick so gar nicht zugetraut hätte.

Rechts außen am Drumset Fabian Arends, der seine Trommelbatterie mit Lässigkeit und punktgenauer Präzision bedient. David Helm am Kontrabass tupft in den meisten Stücken eher dezent dunkle Akzente. Links agiert Andreas Feith am Flügel, vor Bewegungsdrang nur so strotzend, während seine Hände über die Tasten flitzen. Im Zentrum steht Saxofonist Johannes Ludwig. Was dabei akustisch rauskommt, hatte etwas Faszinierendes. Spontan einfallen konnte einem beim Zuhören das Bild einer flauschigen Daunendecke, die sich einem warm um die Ohren legte. Wie die Ruhe nach dem Sturm fühlte sich das an: Da kam kein spitzer Ton daher, der quälend die Gehörgänge aufgerieben hätte, sondern alles rund und weich und eingängig. Langeweile kam aber dennoch nicht auf, denn immer wieder wurden die warmen Federchen der Daunendecke aufgeschüttelt, durcheinandergewirbelt, bisweilen gar ein richtiges Tongestöber verursacht, das sich aber jedes Mal auch wieder legte.

Der Großteil der Stücke waren eigene Kompositionen von Johannes Ludwig, die von der Grundstimmung her zwar allesamt in die melancholische Richtung tendieren, doch auch jede Menge Rhythmus, Dynamik und Spannung besitzen.

Beispielhaft dafür möge das Stück "Snow Picture" stehen. In aller Seelenruhe zelebriert David Helm zunächst ein Intro am Kontrabass, Andreas Feith setzt vereinzelte Tastentöne, Fabian Arends lässt mit den Besen auf seinen Tomtoms einen zuerst schwachen, dann stärker werdenden Wind hereinfegen. Und dann dieses Saxophon: mit viel Luft und Spucke im Blättchen erzeugt Johannes Ludwig Geräusche wie die von Schellack unter der Grammophon-Nadel, flattert dann wie mit Flügelschlag die Tonleiter rauf und runter, geht über in ängstlich-aufgeregtes Schreien, als sei da ein Schwarm Wildgänse in der klirrenden Winterkälte aufgestoben. Klasse gemacht, dieses in Musik umgesetzte Naturgemälde, das so friedlich endet, wie es begonnen hat. Einfach nur schön anzuhören, diese jungen alten Jazzer!