Berufseinstieg

Wie im Zentrum zur beruflichen Integration von Flüchtlingen Berufspläne entwickelt werden

Sarah Beha

Von Sarah Beha

So, 19. März 2017 um 16:55 Uhr

Lahr

Bei der Suche nach Arbeit werden die Geflüchteten nicht alleine gelassen. Neben den vielen Ehrenamtlichen bemühen sich auch staatliche Stellen um eine gelungene Integration in den Arbeitsmarkt.

Der Weg in die Arbeitswelt ist für viele Flüchtlinge lang. Dafür gibt es laut Michael Becher, Sachgebietsleiter bei der Kommunale Arbeitsförderung Ortenaukreis (KOA) in Offenburg, zwei Gründe. "Die Integrationskurse sind ausgebucht, es gibt Wartelisten. Zwar hat sich die Situation schon deutlich gebessert, jetzt beginnen beispielsweise neue Kurse, aber es gibt eben noch Defizite." Das zweite Problem sei, dass einige Flüchtlinge nicht warten wollten oder könnten. "Sie nehmen lieber eine Arbeit als ungelernte Kraft an. Auf lange Sicht ist das aber nicht der richtige Weg."

Wie für alle Arbeitslose gilt das Prinzip "Fördern und Fordern"

Den richtigen Weg, den wollen Michael Becher und seine Kolleginnen gemeinsam mit den Flüchtlingen finden. Die KOA ist dabei die zentrale Stelle für Flüchtlinge, die bereits in Deutschland eine Aufenthaltserlaubnis haben. Von dort beziehen sie ihre Leistungen und werden wie andere Arbeitslose auch nach dem Prinzip "Fördern und Fordern" behandelt.

Vor der Aufenthaltserlaubnis kümmert sich die Agentur für Arbeit um Geflüchtete, die auf Arbeitssuche sind. Eine Verbindungsstelle zwischen diesen beiden Institutionen ist das Zentrum zur beruflichen Integration von Flüchtlingen (ZIF) in Offenburg. Es übernimmt auch Flüchtlinge aus Lahr, die aus Syrien, Iran, Irak, Eritrea und Somalia kommen. "Geflüchtete aus diesen fünf Ländern haben eine sehr hohe Anerkennungsquote, deshalb bekommen sie die Chance, hier betreut zu werden", erklärt Michael Becher. Im ZIF wird für jeden Geflüchteten ein Plan entwickelt, an dem am Ende eine Arbeitsstelle stehen soll.

"An erster Stelle steht natürlich die Sprache."ZIF-Betreuerin Marwa Mahmout
Auch Deyaa Alsayed aus Syrien hat gemeinsam mit seiner persönlichen Ansprechpartnerin vom ZIF, Marwa Mahmoud, so einen Plan entwickelt. "An erster Stelle steht natürlich die Sprache", sagt sie. Von den 114 Lahrer Flüchtlingen, die beim ZIF betreut werden, nehmen momentan 36 Personen an einem Integrationskurs teil, 25 warten auf einen Platz in einem dieser Kurse, der Rest nimmt an anderen Maßnahmen teil. "Bei den Maßnahmen gibt es fast nichts, was es nicht gibt", sagt Sachgebietsleiter Michael Becher. Eine davon ist eine berufliche Weiterbildung, an der auch Deyaa Alsayed teilgenommen hat. In der Weiterbildung "Integration Lager Logistik" vertiefte der 19 Jahre alte Syrer seine Sprachkenntnisse und eignete sich Qualifikation im Bereich Lagerlogistik an. Ebenso wäre eine Qualifikation in den Bereichen Hotel-und Gaststättengewerbe und Metall möglich gewesen. Alles Berufsfelder, in denen Arbeitskräfte händeringend gesucht werden.

Eine Ausbildung ist der beste Weg in den Arbeitsmarkt – aber das dauert

Deyaa Alsayed machte nach der beruflichen Weiterbildung ein dreiwöchiges Praktikum bei einem Lahrer Logistikunternehmen. Seit Dezember 2016 arbeitet er dort in Vollzeit und möchte zusätzlich dazu einen Integrationskurs machen, um sein Sprachniveau zu verbessern. Davor möchte er allerdings Geld ansparen, denn bezahlen muss er die Sprachkurse nun selbst.

"Für eine Ausbildung brauchen die Flüchtlinge schon ein recht hohes Sprachniveau, das ist mit einem Kurs meist nicht erreicht", erzählt Betreuerin Marwa Mahmoud, "aber für die Teilnahme an mehreren Kursen fehlt ihnen oft die Geduld." Eine Ausbildung, da ist man sich bei der KOA einig, sei aber das beste Mittel, um eine Person auf lange Sicht gut in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Doch die lange Qualifizierungszeit steht oft im Widerspruch zu dem großen Wunsch der Flüchtlinge, schnell Arbeit zu finden.

Davon kann auch Andrea Schneider berichten. Sie arbeitet für die Kommunale Arbeitsförderung in Lahr und betreut momentan 120 Flüchtlinge unter 25 Jahren. "Die jungen Männer sind hochmotiviert und wollen manchmal nicht warten. Sie suchen nach einer schnellen Anstellung statt einer Ausbildung. Das hat manchmal auch mit Dingen wie Familiennachzug zu tun, die Erwartungen von Zuhause, schnell Geld zu schicken, und natürlich wird es auch manche geben, die Schulden bei Schleusern haben."

Es gebe aber auch die andere Seite. Vor allem junge Männer aus Syrien, die bereits einen langen Bildungsweg hinter sich haben und nun versuchen, in Deutschland wieder in ihrem alten Beruf arbeiten zu können oder eine Anerkennung für ihr Studium zu bekommen. "Das Abitur oder ein Studium wird hier in Deutschland aber meist nicht anerkannt, das sorgt natürlich erst einmal für Enttäuschungen."

"Ungelernte Hilfskräfte landen immer wieder bei uns."KOA-Betreuerin Andrea Schneider
Andrea Schneider legt deshalb Wert darauf, den jungen Männern und ein paar wenigen Frauen das duale Ausbildungssystem in Deutschland und dessen Ansehen zu erklären. Als ein Paradebeispiel für jemanden, der sich trotz aller Hürden nicht unterkriegen lässt, nennt sie einen jungen Afghanen, der schnell Deutsch lernt, um eine Hochschulzugangsberechtigung zu bekommen. "Der junge Mann hat sich schon durch viele Behörden gekämpft. Wenn er eine Berechtigung bekommt, möchte er soziale Arbeit studieren, um anderen Flüchtlingen zu helfen. Dafür nimmt er eine lange Zeit ohne ein eigenes festes Einkommen in Kauf."

Dass den Flüchtlingen solche Chancen überhaupt gegeben werden und Wege in die Ausbildung gefördert werden, sehen die KOA-Angestellten als großen Fortschritt. "In anderen Jahrzehnten ging es oft darum, Migranten schnell als billige Arbeitskräfte zu gewinnen. Solche Leute brauchen aber bis heute noch in regelmäßigen Abständen staatliche Unterstützung. Landen dann also wieder bei uns."