Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

25. September 2013 13:37 Uhr

Lahrer Langenhard

Windrad bei Lahr brennt komplett ab - Feuerwehr machtlos

Ein Windrad in Flammen – dieses seltene Schauspiel haben die Menschen in Lahr von weitem beobachten können. Auf dem Langenhard hatte eine Windkraftanlage Feuer gefangen. Die Feuerwehr war vor Ort, konnte aber nichts mehr retten.

  1. Das brennende Windrad. Foto: Christoph Breithaupt

  2. Das brennende Windrad. Foto: Christoph Breithaupt

  3. Das brennende Windrad. Foto: Christoph Breithaupt

  4. Das brennende Windrad. Foto: Christoph Breithaupt

  5. Das brennende Windrad. Foto: Ulrike Derndinger

  6. Das brennende Windrad. Foto: Klaus Fischer

  7. Das brennende Windrad. Foto: Heidi Foessel

  8. Das brennende Windrad. Foto: Christoph Breithaupt

Ein Feuer hat eine der drei Windräder auf dem Areal Schlossbühl/Kempfenbühl oberhalb des Langenhard vollständig zerstört. Der Schaden beläuft sich nach ersten Erkenntnissen auf ein bis zwei Millionen Euro, hat Arno Markowsky, Geschäftsführer der Freiburger Ökostromgruppe bekannt gegeben.

Um 12.38 Uhr war der Alarm bei der Leitstelle eingegangen. Die Rauchsäule war weithin bis ins Rheintal zu sehen. Um seine Männer nicht in Lebensgefahr zu bringen, musste Stadtbrandmeister Thomas Happersberger auf Löscharbeiten verzichten.

Vermutlich war der Brand im Generatorhaus ausgebrochen. Die Brandursache ist noch unbekannt. Die Betreiber hatten unverzüglich Sachverständige vor Ort befordert (Fotos). Als Happersberger am Brandort eintraf, standen die Kanzel 90 Meter über dem Boden und der senkrecht nach oben stehende Rotor in Flammen. Bei einem Rotordurchmesser von 77 Metern entschied sich Happersberger, die mitten im Wald stehende Windkraftanlage weiträumig abzusperren.

Werbung


500 Meter vom Brandort entfernt wurde der vom Langenhard kommende Waldweg mit einer weiß-roten Banderole abgesichert. Happersberger forderte zusätzliche Kräfte der Bereitschaftspolizei und der Polizei an, um auch im weiten Umkreis die Waldwege auf der Kuppe zwischen Lahr und Seelbach zu sichern und eventuelle Zaungäste davor abzuhalten, sich in Lebensgefahr zu begeben.

"Lieber ein brennendes Windrad als ein explodierendes Kernkraftwerk" Thomas Happersberger
Knapp eine Stunde, nachdem der Brand gemeldet worden war, knickte um 13.21 Uhr das erste Rotorblatt brennend ab. Knapp zehn Minuten später krachte es mit großem Getöse zu Boden und wirbelte eine schwarze Rauchwolke hoch. Gesundheitsgefahren durch giftige Stoffe wollte Happersberger ausschließen. Die Rotoren bestehen aus Glasfaserverbundstoffen, der Turm selbst aus Stahl.

"Wir können da nur zuschauen", sagte er. "Ich schick’ da keinen Mann hin. Das Risiko ist unkalkulierbar. Wenn da was runter kommt, besteht in 100 Meter Umkreis Lebensgefahr durch umherfliegende Splitter." Der Kommandant wollte nicht ausschließen, dass es in unmittelbarer Nähe des Windrads zu einem Waldbrand gekommen sein könnte. "Den löschen wir, wenn alles abgefackelt ist."

Gegen 15.30 Uhr hatte die Polizei die Reste des Windrades von einem Hubschrauber aus kontrolliert und nach Markowskys Angaben nur noch rauchende Teile festgestellt. Dennoch, so der Geschäftsführer, könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Brand noch einmal ausbricht und einer der verbliebenen Rotoren zu Boden stürzt. Kommandant Happersberger will die Anlage nach dem Abkühlen von Statikern untersuchen lassen, um sicherzustellen, dass bei eventuellen Witterungsumschlägen oder Starkwind keine unmittelbare Gefahr mehr ausgeht.

Seile, die von der Kanzel aus im Wind baumelten, hatten sich nach Markowskys Vermutungen aus einem Sack gelöst. Sie dienen den Monteuren dazu, bei Wartungsarbeiten Material abzuseilen.

"Lieber ein brennendes Windrad, als ein explodierendes Kernkraftwerk", kommentierte der Stadtbrandmeister das Debakel trocken. Petra Zentgraf von der Ökostromgruppe, die die Windkraftanlage auf dem Langenhard betreibt, erklärte gegenüber der Badischen Zeitung, dass die Anlagen regelmäßig gewartet werden. Sabotage wollte sie ausschließen.

Nach Informationen der BZ wurden in Seelbach Landwirte zusammengetrommelt, um Wasser vom Litschentalbach in ihre Tanks zu füllen und mit dem Traktor zur Brandstelle zu transportieren. Möglicherweise sollten mit dem Wasser eventuelle Brandherde im Wald gelöscht werden, wenn vom Windrad nur noch das Stahlgerüst steht. Bis zum Abend war nicht bekannt, ob diese Sicherheitsvorkehrung tatsächlich nötig war.

Die Windräder waren 2005 aufgebaut worden. Damals wurde betont, dass derselbe Anlagentyp von verschiedenen Herstellern weltweit über 800 Mal errichtet worden war. Ökostrom-Prokuristin Zentgraf ist ein einziger ähnlicher Vorfall bekannt. In Norddeutschland soll ein Windrad in Brand geraten sein. Vorausgegangen waren dem Bau kontroverse Diskussionen über den Standort.

Wegen der Größe der zur Verfügung stehenden Fläche war der nur als durchschnittlich geeignet eingestuft worden. Wirtschaftlich war er, weil in unmittelbarer Nähe drei Anlagen erstellt wurden. Deren Kapazität wurde mit 6,1 Millionen Kilowattstunden beziffert – eine Menge, die ausreicht, um 2100 Haushalte mit Strom zu versorgen.

Mehr zum Thema:

Autor: Manfred Dürbeck