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11. April 2017

Konzert

Lahrer Schlachthof: Zweimal die Essenz des Rock

Zwei Rock-Trios – Trigon und die Thomas Hoppler Band – erweisen sich als Hochkaräter.

  1. Thomas Hoppler (Gitarre) und Peter Vetter (Bass) liefern staunenswerte Qualität ab. Foto: Wolfgang Künstle

LAHR. Es hätte ein flotter Dreier werden sollen an diesem Samstagabend im Lahrer Schlachthof mit Bodo Schaffrath als sanftem Gitarren-Landregen vor dem Klanggewitter, das mit den beiden folgenden Bands dann losbrechen würde. Da Ersterer aus gesundheitlichen Gründen passen musste, prasselte es also gleich mit voller Heftigkeit auf die Zuhörer nieder, die sich bei der ersten Band, Trigon aus Karlsruhe, leider wirklich an den Fingern von nur zwei Händen abzählen ließen.

Was die Gruppe nicht verdient hatte, denn mit Rainer und Stefan Lange an Gitarre und Bass, sowie Tihomir Lozanovski an den Drums standen drei Klangköche in der Rock-Wetterküche, die mit richtig Biss ans Werk gingen. Schon der erste Titel, "Pulsar" kündete mit sattem Donnern von dem, was dann eine gute Stunde lang den Raum und die Gehörgänge füllen sollte: saftige Trommelsalven aus allen Töpfen, fingerfertige Klang-Experimente auf der Gitarre, alles unterlegt mit cremigen Bassläufen – was brauchte man mehr zum Stampfen und Headbangen bei den knackigen Stücken oder bei Titeln wie "Zensation", um sich in andere Sphären emportragen zu lassen? Nix! War alles da und roch schon mal unverschämt gut nach Open-Air in Sommernächten. Weiteres großes Plus: die absolute klangliche Einheit, die von den Dreien ausging, Gitarre, Bass und Drums in Harmonie, ohne dass das eine oder andere im Vordergrund steht. Dazu die professionelle Handhabung der Instrumente, so dass das Ganze einfach wie locker aus dem Handgelenk geschüttelt daherkam.

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Der Heimvorteil, den die Thomas Hoppler Band (THB) für sich verbuchen konnte: dass man schon vier Hände brauchte, um das Publikum zu zählen, darunter erstaunlich viele sehr junge Fans, die sich ganz vorne an den Bühnenrand stellten. Im Gegensatz zu Trigon gibt es bei THB einen eindeutigen Frontmann, Thomas Hoppler, den man ohne Übertreibung als Drei-Sterne-Koch an der Gitarre bezeichnen kann. Was er den Zuhörern auf die Ohren gibt, gleicht (um zum Thema Gewitter zurückzukommen) den Blitzen: unberechenbar, rasend schnell, giftig. Da sausen die Finger in irrer Geschwindigkeit übers Griffbrett, gehen bis in Höhen, die zugleich wehtun und pure Bewunderung hervorrufen. Wah-Wah und andere Effekte beherrscht Hoppler natürlich im Schlaf. Damit das Publikum darob nicht völlig in Huldigung erstarrt, steigt Trommler Manuel Bräuner nach jedem Song von seinem Hocker und gibt am vorderen Mikro als Erzähler eine Prise Humor dazu: bereitet vor auf das, was kommt, würzt mit Kommentaren im breitesten Dialekt und stellt so sympathische Nähe her. "State Of Mind" heißt der Titel der aktuellen CD, der zugehörige Song passt genau in die Osterzeit: punktiert hüpfend groovt das Stück lässig und trotzdem knackig. "Gates Of Algier" ("e bissl ebs Arabisches") lässt das Publikum abtanzen wie die Derwische. Bei "April Spirit" darf zur Abwechslung mal das Trommeln im Fokus stehen. Untermalt von einem wohltuenden Bass-Teppich aus der Hand von Peter Vetter wird hier ganz verträumt eine Geschichte erzählt, ganz ohne Worte. Fazit des Abends: lauter Hochkaräter, die viel mehr Publikum verdient gehabt hätten.

Autor: Ulrike Le Bras