Hebelschule macht’s bald ganztags

Winfried Dietsche

Von Winfried Dietsche

Mi, 13. April 2016

Laufenburg

In Rhina startet die Stadt Laufenburg in ein neues Grundschulzeitalter / Viel Lob im Gemeinderat für engagierte Vorbereitung.

LAUFENBURG. Als größte Grundschule in Laufenburg steigt die Hebelschule Rhina in den Ganztagsbetrieb ein. Mit Beginn des Schuljahres 2017/18 soll – nach dem Prinzip der Freiwilligkeit – der Ganztagsunterricht mit je sieben Zeitstunden an drei Tagen starten. Auf der Basis dieser Prämissen stimmte der Gemeinderat dem Projekt am Montagabend einmütig zu. "Damit haben Sie viel Rückenwind", freute sich Bürgermeister Ulrich Krieger mit und für Rektor Josef Droll-Lehner und Konrektorin Stefanie Brand.

Die Ausgangslage

Mit der Ganztagsgrundschule geht die Waldstadt nunmehr den zweiten Teil des im Februar 2014 initiierten Ganztagsbetreuungskonzepts für Kinder zwischen einem und zehn Jahren an. Teil eins, der Jungen und Mädchen bis sechs betrifft, ist laut Verwaltung "aktuell bereits in der Umsetzungsphase". Das Projekt an der Hebelschule komplettiert die Planung. In enger Zusammenarbeit mit Schulrätin Judith Maier und der Stadt ist unter der Regie von Droll-Lehner und Brand schon viel Vorarbeit geleistet worden. Im Sinn aller am Ratstisch lobte der Freie Wähler Paul Eichmann das "ganz tolle Engagement" an der Schule. Maier versuchte Zweifel – etwa von CDU-Stadtrat Frank Dittmar –, das Vorhaben könnte wie im vorigen Jahr die Gemeinschaftsschule mit Murg am Ende wegen eines neuerlichen bildungspolitischen Kurswechsels im Land gekippt werden, zu zerstreuen: So wie das Projekt Ganztagsgrundschule bis jetzt gelaufen ist, sei es "auf jeden Fall genehmigungsfähig", sagte sie. Stadtoberhaupt Krieger sieht Differenzen in den Stuttgarter Koalitionsverhandlungen "eher im Sekundarbereich".

Das Konzept

Schulrätin Maier, die früher Schulleiterin in Dogern war, erläuterte die Vorgaben des Schulgesetzes für die Ganztagsgrundschule. Ziele seien eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf (etwa für Alleinerziehende), mehr Bildungsgerechtigkeit (per erweiterte Lernzeiten) und eine Intensivierung "des sozialen und interkulturellen Lernens". Ratsam sei die Wahlform, also keine für alle Kinder der Schule verbindliche, sondern eine freiwillige (dann aber fürs ganze Schuljahr geltende) Form – wobei Robert Terbeck (SPD) dazu riet, mittel- bis langfristig die Schulen in Laufenburg nach ihren Formen zu separieren und die Hebelschule dann zur reinen Ganztagsgrundschule zu machen. Eine Gruppe – sie kann jahrgangs- und klassenübergreifend sein – zählt mindestens 25 Kinder, ab 29 gibt es zwei und ab 54 vier Gruppen. Als Zeitmodelle gibt es drei Tage à sieben oder acht sowie vier Tage à sieben oder acht Zeitstunden – bei einem rhythmisierten Schulalltag mit Lernen und Entspannung im Wechsel bei Auflösung des 45-Minuten-Takts und Wegfall von Hausaufgaben. Für Laufenburg erscheint die Variante der drei Tage mit sieben Zeitstunden als sinnvollste Lösung – jeweils von 8.30 bis 15.30 Uhr (außer freitags), wie Brand erklärte. Die Stadt organisiert das Angebot einer Mittagsverpflegung gegen Gebühr. Nach der bisherigen Interessensabfrage könnte die Hebelschule mit zwei Ganztagsklassen starten. Eine Arbeitsgruppe entwickelt derzeit ein pädagogisches Konzept. In die Betreuung am Nachmittag werden "außerschulische Kooperationspartner" (Vereine, Musikschule, Einzelpersonen) eingebunden.

Nennenswerte bauliche Veränderungen an der Schule in Rhina sind nicht erforderlich. Luttingen als Filialstandort der Hebelschule, versicherten Krieger und Droll-Lehner auf eine Frage von Ortsvorsteher Bernhard Gerteis (Freie Wähler), stehe nicht in Frage.

Die Personalfrage

"Das heißt: Wir brauchen mehr Lehrer. Kriegen wir die auch?", fragte darob die Freie Wählerin Gabriele Schäuble. Zwei Gruppen mit drei Tagen à sieben Zeitstunden bedeuteten zwölf Lehrerstunden (also ein halbes Deputat) mehr, rechnete Schulrätin Maier vor – und versprach: "Wir sind bemüht, die Schulen gut auszustatten." Das sei aber immer auch eine Frage des jeweiligen Standortinteresses von Lehrern, fügte Maier an: "Hinpeitschen können wir niemanden." Bürgermeister Krieger äußerte die Erwartung, "dass bei einer Genehmigung auch die Lehrer zur Verfügung gestellt werden". Nach dem Konzept für die Ganztagsgrundschule können zusätzlich zugewiesene Lehrerstunden auch in Entgelt umgewandelt werden, um so die Kooperationspartner zu finanzieren.