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31. Juli 2017

So aufregend kann ein Klassik-Festival in Laufenburg sein

Eröffnungskonzert "Romatik pur" in der Reihe "Junge Klassik" begeisterte die Besucher / Beifall für das Ad-hoc-Ensemble im Schlössle-Saal.

  1. In den Zugaben nach dem Konzert „Romantik pur" im Laufenburger Schlössle schwelgten Adrian Brenneisen, Julia Pleninger, Florian Fries, Natalia Dauer und Aloisia Dauer (von links) in Tango- und Jazz-Klängen. Foto: Roswitha Frey

LAUFENBURG. So aufregend kann ein Klassik-Festival sein: Nach fast drei Stunden mündete das Konzert "Romantik pur" zum Auftakt der Laufenburger Kulturtage im vollbesetzten Schlössle-Saal in eine veritable Session. Da schwelgten die fünf jungen Musiker an Kontrabass, Saxophon, Geige, Cello und Klavier hingebungsvoll in Piazzollas Tango "Oblivion" und dem Jazzstandard "Stolen Moments".

Diese gemeinsamen Zugaben, in denen das Ad-hoc-Ensemble mit sprühender Spiellaune, rhythmischer Verve und geschmeidigem Klang zu Beifallsstürmen hinriss, war das i-Tüpfelchen auf diesem Eröffnungskonzert der Reihe "Junge Klassik". Dass der Saal mit mehr als 100 Zuhörern ausverkauft war, zeige die hohe Qualität dieser Konzerte, sagte eingangs Bürgermeister Ulrich Krieger, der begrüßte, dass bei diesem Sommer-Kulturprogramm der beiden Städte jungen Musikern ein Podium geboten wird.

Den Anfang machte die Pianistin Julia Pleninger mit Liszts Rigoletto-Paraphrase. Fingertechnisch blendend in den Bravourpassagen, perlend, glitzernd in den Effekten, virtuos im Zugriff meisterte die 19-Jährige dieses wirkungsvolle Paradestück und erwies sich als kultivierte "Tastenlöwin", die diese brillante Paraphrase mühelos im Griff hatte.

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Natalia Dauer konnte in Rachmaninows Cellosonate g-Moll ihren warmen, sonor strömenden Ton, ihre griff- und bogentechnische Wendigkeit und ihre hingebungsvolle Emotionalität wunderbar ausspielen. Mit ruhigem Bogen und weit ausschwingendem Ton gestaltete sie die Lento-Einleitung, steigerte sich mit expressivem Klang, emotionaler Intensität und ausholender Geste in den ersten Satz hinein. Auch die elegischen, wehmütigen Passagen spielte sie mit weichem, dunklem Cellotimbre. Im Andante entfaltete sie einen Cellogesang von geheimnisvoller Ausdruckstiefe und Kantabilität und kostete den melodischen Reichtum dieser Musik gefühlvoll aus. Die lyrischen Themen, die lichten und tiefdunklen Klangmomente, die virtuosen Elemente in dieser Sonate wusste Natalia Dauer großartig auszuschöpfen. Im Schluss-Allegro zeigte sich der Klangsinn und die Leidenschaftlichkeit dieser jungen Cellistin. Ihre Klavierpartnerin Julia Pleninger beeindruckte mit vollgriffigem, wogendem und markantem Spiel in dieser packenden Rachmaninow-Interpretation.

Zarte, leise Töne nach der Pause, als der Gitarrist Adrian Brenneisen aufs Podium kam. Eine Fantasia von Alonso Mudarra aus dem 16. Jahrhundert horchte er subtil, klar und präzise im Klang aus. Auch das Stück "Eterna Saudade" von Dilermando Reis klang unter den Händen dieses hervorragenden jungen Gitarristen höchst feinsinnig ausgehört, filigran in der Technik, mit sensiblem Klangempfinden gespielt.

Einen großen Auftritt hatte die Geigerin Aloisia Dauer, die im Duo mit Julia Pleninger die A-Dur-Sonate op. 100 von Johannes Brahms aufführte. Mit schlankem, anmutig aufschwingendem Ton und frischer Begeisterung ging Aloisia Dauer diesen Brahms an. Ihr Spiel hatte Feuer, vitalen Schwung und romantischen Überschwang in den Eck-Sätzen und lyrische Innigkeit und melodisch aufblühende Schönheit im Andante-Satz. Mit ihrem feinen Anschlag war die Pianistin eine aufmerksame Duo-Partnerin, und man hörte im Zusammenspiel deutlich, dass die Instrumente hier gleichberechtigt eingesetzt sind. In Brahms’ Scherzo aus der F.A.E.-Sonate agierten die beiden jungen Damen enorm kräftig und rhythmisch akzentuiert. Ihr Brahms klang rhythmisch durchpulst, hatte glühende Verve, schwärmerisch-romantische Geste, am Schluss richtige Wildheit und Temperament.

Für das Überraschungs- und Kontrastprogramm sorgte der Saxophonist Florian Fries, der – begleitet von Adrian Brenneisen abwechselnd an Gitarre und Kontrabass- dem Klassik-Abend einen Touch ins Jazzige gab. Als Erstes spielte Fries eine eigene Komposition "Das Leuchten des Hades", inspiriert von einem glühend roten Sonnenaufgang und der Sage um Orpheus, Eurydike und den Unterwelt-Boss Hades. Kräftig leuchtend klang Fries’ Saxophonstimme, die bis ins Geräuschhafte in höllische Abgründe führte. Kraftvoll und geschmeidig, mit viel Lust am Improvisieren, füllte Fries’ Saxophon im Jazzstandard "If I should lose you" den Raum, und sein Mitmusiker Brenneisen ließ sich mit feinem rhythmischem Gespür auf dieses teils notierte, teils improvisierte Spiel ein. Spätestens in Chick Coreas hitzig und mit expressivem Saxophonsound gespieltem "La Fiesta" machte sich Jazzclub-Atmosphäre im Saal breit. Und als sich in den Zugaben die drei jungen Klassik-Ladies zu den Jazzern gesellten und sich mit schwelgerischem Tango- und Jazz-Feeling einklinkten, kannte die Begeisterung keine Grenzen.

Autor: Roswitha Frey