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02. August 2016

Talente aus der Region zeigen, was Klassik sein kann

Natalia Dauer (Cello), die Geigerin Aloisia Dauer, Pianistin Julia Pleninger und Gitarrist Adrian Brenneisen im Schlössle.

  1. Geballte Spielfreude: Die Cellistin Natalia Dauer, die Geigerin Aloisia Dauer und der Gitarrist Adrian Brenneisen beim Konzertabend der Jungen Klassik im Laufenburger Schlössle Foto: Roswitha Frey

LAUFENBURG. So viel geballtes Talent ist selten zu erleben wie am Sonntagabend beim Festival Junge Klassik im Laufenburger Schlössle. Mehr als zweieinhalb Stunden boten vier aufstrebende junge Musikerinnen und Musiker aus der Region aufregende, farbenreiche und spannende Kammermusik aus Klassik, Romantik und dem 20. Jahrhundert.

Das Publikum mit Bürgermeister Ulrich Krieger an der Spitze war begeistert davon, mit welchem hochklassigen Niveau, mitreißendem Elan, unverbrauchter Frische und glänzender Spieltechnik sich Festival-Initiatorin Natalia Dauer (Cello), ihre Schwester, die Geigerin Aloisia Dauer, die Pianistin Julia Pleninger und der Gitarrist Adrian Brenneisen in wechselnden Besetzungen vorstellten.

Den Anfang machte Julia Pleninger solistisch am Flügel. Die 18-Jährige aus Waldshut, die das Musikgymnasium Weimar besucht, ließ in Beethovens 32 Variationen durch differenziertes und präzises Spiel aufhorchen und hob ein Intermezzo von Brahms lyrisch und fein abschattiert aus den Tasten. Kraftvoll und rhythmisch akzentuiert, mit markantem, ja perkussivem Anschlag, meisterte sie Prokofjews dritte Klaviersonate.

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Aufmerksam und kräftig-brillant im Zugriff begleitete die Jungpianistin dann die Cellistin Natalia Dauer in Zoltán Kodalys Cellosonate. Sehr gefühl- und ausdrucksvoll, mit expressivem beweglichem Strich, dunklem, sattem Timbre, warmen Farben und strömendem Klang gestaltete Natalia Dauer diese zweisätzige Sonate. Klanglich intensiv lotete sie sowohl das Melancholische wie auch die Vitalität dieser Musik aus und legte sich voller Vehemenz in den tänzerischen zweiten Satz, ließ ihn leise-verhalten verklingen. Ebenfalls begleitet von Julia Pleninger, brillierte Natalia Dauer auch in zwei Sätzen aus dem Cellokonzert von Darius Milhaud. Griff- und bogentechnisch sicher, klangfarblich reizvoll und sprühend vor rhythmischem Esprit spielte die junge Cellostudentin dieses Werk des Franzosen.

Als besonders apart erwies sich die Klangkombination Cello und Gitarre. Zusammen mit dem feinsinnig und klangsensibel spielenden Gitarristen Adrian Brenneisen führte Natalia Dauer einige Stücke von spanischen und südamerikanischen Komponisten auf. In der Aria aus den Bachianas Brasileiras von Heitor Villa-Lobos und in dem Wiegenlied Nana von Manuel de Falla ließ die Cellistin ihr Instrument weich und sanft singen, zeigte im sanglichen Klang und im geschmeidigen Bogenstrich, wie nahe die Cellostimme der menschlichen Stimme sein kann. Im harmonischen Zusammenspiel mit dem Gitarristen entfaltete sie innige Klangpoesie. Auch in einer Danza Espagnola von Granados begeisterten die beiden jungen Künstler durch geschmeidiges Spiel und schönes Kolorit. Klassischen Klangcharme hatte ein reizendes Divertimento von Romberg, das zeitlich ins Schlössle-Ambiente passte.

Einen besonderen Hörgenuss auf den Saiten boten die Geigerin Aloisia Dauer und ihr Gitarren-Partner in der Sonate Nr. 1 für Violine und Gitarre von Paganini. Es war ein Erlebnis, wie virtuos und agil in der Bogenführung Aloisia Dauer ihre Violinstimme im Duo mit dem sehr ausgefeilt spielenden Gitarristen einsetzte.

Auch in zwei Solowerken nahm der 17-jährige Laufenburger Adrian Brenneisen mit filigranen Gitarrenkünsten und präzisem Gespür für Rhythmus, Farbnuancen und Stimmungen für sich ein. Subtil und zart horchte er Toru Takemitsus Impression "Londonderry Air" mit den imitierten Glockenschlägen von Big Ben und dem leichten jazzig-swingenden Touch aus. Also ein anregender und vielseitiger Konzertabend, der mit einer gemeinsamen Zugabe aller vier Musiker, dem Libertango von Piazzolla, ausklang.

Autor: Roswitha Frey