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01. April 2010

Von Liebesfreud und Liebesleid

Lieder vom Mittelmeer intonierten Margit Beukman und Tillmann Reinbeck im Schlössle.

  1. Von Sehnsucht, Freude und Leid: Tillmann Reinbeck und Margit Beukman bei ihrem Konzert im Schlössle Foto:  Ursula König

LAUIFENBURG. Liebesfreud – Liebesleid: Die Macht, die unsere Herzen zum Flammen bringt, kann auch zu grenzenlosem Schmerz führen. Ein Programm mit Liedern aus dem Mittelmeerraum hatten unter dem Titel "Mediterraneo" die niederländische Sopranistin Margit Beukman und der Stuttgarter Gitarrist Tillmann Reinbeck für einen musikalisch genussvollen Abend im Laufenburger Schlössle zusammengestellt. Nur wenige Zuhörer fanden den Weg zu einem Konzert, in dem die Liebe in all ihren Facetten zum Thema gewählt wurde. Von Mauro Giuliani bis Manuel de Falla reichte die Auswahl der Komponisten. Aus dem mediterranen Rahmen fielen einzig die beiden Gitarrensolos von Heitor Villa-Lobos, einem brasilianischen Komponisten und Dirigenten, der bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts sehr produktiv war.

Eine Gitarre mit kleinerem Korpus, wie sie der damaligen Zeit entsprach, wählte Tillmann Reinbeck zur Begleitung des ersten Liedes, einer Arie von Giuliani. Dieser, informierte der Gitarrist, war in seiner Zeit nicht nur einer der wichtigsten Komponisten und Gitarristen, sondern darüber hinaus auch maßgeblich am Gitarrenbau und der Weiterentwicklung des Instruments beteiligt, das bis dahin doppelchörig gespielt wurde, was bedeutete, das die Saiten jeweils als Paar aufgezogen waren. Auch Margit Beukman gelang mit der Arie ein überzeugender Einstieg in ein anspruchsvolles Programm.

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Melancholie und tiefe Trauer prägen das Liebeslied, zu dem die Gitarre als ideale Ergänzung wie geschaffen scheint. Die Sehnsucht nach dem Geliebten wird darin besungen und die bodenlose Qual des Leidens. Die Sopranistin begeisterte mit einem vollen und warmen Klangregister, das sie hervorragend zu gestalten versteht. Dynamisch packend, klanglich ausgefeilt und absolut mitreißend präsentierte sich der Gitarrist mit seinem ersten Solo, "Asturias" von Isaac Albeniez. Ein Schmerz, für den es keinen Trost gibt, wird in den Tonadillas von Enrique Granados besungen. "Auch kalt und tot wird der ,Majo‘ stets der Meine sein", schwört die Geliebten über den Tod hinaus die Treue.

Der zweite Teil des Abends war den kunstvoll vertonten Volksliedern gewidmet. In der Begleitung sehr gut findet sich die Stimmung der Chansons von Maurice Ravel wieder, merkte Reinbeck an. Das spanische Lied handelt von den Ängsten, wenn der Ehemann in den Krieg zieht. "Ich rufe meinen Liebsten, keiner antwortet": Dieser Schmerz wird in seinem italienischen Lied vertont. Eine besondere Rolle innerhalb der Volkslieder spielen die Stücke der Sefarden, der spanischen Juden mit ihrer oftmals vom Spanischen abweichen Wortwahl. Wehmütig und mit bildhafter Sprache wird großen Gefühlen Ausdruck verliehen: "Die Nachtigallen singen in den blühenden Bäumen. Und darunter setzen sich die, die an der Liebe leiden." Mit einem Vogel lässt sich auch die Stimme von Margit Beukman vergleichen: ein Vogel, der mühelos in die Höhe fliegt, schwebend und sehr biegsam. Tillmann Reinbeck begeisterte insbesondere mit hinreißenden Gitarrensolos, voller Virtuosität und bis in die feinsten Details nuanciert.

Autor: Ursula König