Auf Wertschätzung ausgerichtet

Horst A. Böss

Von Horst A. Böss

Sa, 21. September 2013

Lenzkirch

Lenzkircher Gemeinderat spricht sich für eine Gemeinschaftsschule aus / Erweiterung kostet über drei Millionen Euro.

LENZKIRCH. Die Gemeinde Lenzkirch stellt einen Antrag auf Einrichtung einer Gemeinschaftsschule ab dem Schuljahr 2014/15. Dies beschloss der Gemeinderat in seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause am Donnerstag einstimmig.

Vorangegangen war nochmals eine ausführliche und engagiert vorgetragene Information über das Projekt durch Rektor Roland Willmann. Mit diesem Beschluss ist auch schon eine Vorentscheidung über eine Schulerweiterung – Investitionssumme rund drei bis 3,6 Millionen Euro mit einem 50-prozentigen Regelzuschuss nach den Schulbauförderrichtlinien sowie aus dem Ausgleichsstock – gefallen.

Der Antrag zur Einrichtung eine Gemeinschaftsschule an der Sommerberg-Schule in Lenzkirch soll in der kommenden Woche gestellt werden, und bis spätestens zum 1. Oktober dem Schulamt vorliegen. Für den 11. Oktober ist dann die Visitation vorgesehen. Bereits im Mai des vergangenen Jahres hat der Gemeinderat die Verwaltung beauftragt, gemeinsam mit der Schulleitung die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule ab dem Schuljahr 2013/2014 zu prüfen, einen entsprechenden Antrag vorzubereiten. In einem folgenden Gespräch mit Vertretern des Kultusministeriums und der Schulverwaltung empfohlen, die Antragstellung gründlich vorzubereiten, erste Schritte einzuleiten und den Antrag erst für das Schuljahr 2013/14 zu stellen.

300 Schüler bedeuten 300 Interessen

In der Zwischenzeit hat sich eine Elterninitiative für die Gemeinschaftsschule gegründet; eine Arbeitsgruppe hat den Antrag vorbereitet; es gab einige weitere Informationsveranstaltungen und zuletzt einen Zwischenbericht zum Sachstand in der öffentlichen Sitzung des Gemeinderates am 8. August (die Badische Zeitung berichtet hierüber am 13. August).

Rektor Willmann stellte nun den Antrag in der jüngsten Sitzung vor. Die Sommerberg- Schule besuchen rund 300 Schülerinnen und Schüler. "Das bedeutet 300 verschiedene Interessen, Erfahrungen und Fähigkeiten. Wir sehen den Umgang mit dieser Unterschiedlichkeit und Vielfalt sowohl als Chance, als auch Bereicherung und erheben sie zum Grundprinzip, damit Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Begabungen gemeinsam und voneinander lernen sollen", so Willmann. Dies gelinge nur mit einer veränderten Lehr- und Lernkultur. "Wir wollen, dass alle Kinder und Jugendliche die Möglichkeit haben, ihre Talente unter bestmöglichen Bedingungen zu entwickeln", so der Schulleiter. Daher habe man sich mit Lehrern, Eltern, Kommunalpolitikern, Schülern, Betrieben und anderen Institutionen auf den Weg zur Gemeinschaftsschule gemacht. Es soll eine Schule werden, die auf Erfolg und Wertschätzung ausgerichtet ist und nicht eine, die auf Scheitern durch Sitzenbleiben, Verweis an eine andere Schule oder verfehlte Schulabschlüsse abhebt. Schon heute würden diese Grundsätze in vielfältiger Weise gelebt und erfahrbar gemacht. Wie das schon umgesetzt wird und die Wege, die noch begangen werden müssen, stellte der Rektor dem Gemeinderat ausführlich vor.

Von Anfang an sollen unterschiedliche Begabungen, Lernvoraussetzungen und verschiedene Herkunft in der Organisation und Gestaltung von Lernprozessen unterstützt werden. In der Sekundarstufe I wird seit Beginn des Schuljahres 2012/13 in den Klassen 5 und 6 individuell gearbeitet. Schrittweise wurden die Schülerinnen und Schüler zunächst mithilfe von Wochenplänen an neue Lernformen herangeführt. Nach der Ansicht Willmann sei die "Gemeinschaftsschule die einzige Schulart, die nach Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung ein schlüssiges pädagogisches Konzept vorweist, um der Unterschiedlichkeit aller Kinder und Jugendlichen gerecht zu werden". Er forderte dazu die volle Unterstützung der Gemeinderäte ein, die ihm dann auch gewährt wurde.