Leserbriefe

Ursula Kiefer

Von Ursula Kiefer (Wehr)

Do, 10. Januar 2019

Wehr

"SAUKEGELN" IN WEHR
Fleisch für die Sieger ist nicht mehr zeitgemäß
Zum BZ-Artikel "Kegler kämpfen ums Fleisch" vom Donnerstag, 3. Januar
Mit ganz großen Fragezeichen habe ich diesen Bericht in der Badischen Zeitung über das diesjährige Saukegeln gelesen mit der Überschrift: "Kegler kämpfen ums Fleisch". Wie ist es möglich, dass in der heutigen Zeit eine solche Art von "Preisen" öffentlich ausgeschrieben wird?

Wir alle wissen um die Zustände in der Massentierhaltung, wo Millionen von Ferkelchen ohne Betäubung die Hoden herausgeschnitten werden, wo hunderttausende Kühe jedes Jahr zwangsgeschwängert werden, um Milch zu geben, wo frisch geschlüpfte männliche Küken auf dem Laufband zum Schredder fahren, wo in den Hühnerställen die letzten Reserveantibiotika eingesetzt werden – und so weiter...

Das alles wissen wir doch. Vielleicht ist es nicht so bekannt, dass für die Produktion eines Kilo Fleisches 15 000 Liter Wasser (Quelle: WWF) benötigt werden. Daran musste ich denken, als ein paar Quellen auf dem Hotzenwald im vergangenen Sommer Probleme hatten. Daran musste ich auch denken, als ich gelesen habe, dass wir deutsche Gülle ins Ausland exportieren müssen, damit unser Trinkwasser nicht gefährdet wird.

Viele wissen vielleicht auch nicht, dass in den Regenwäldern jeden Tag eine Fläche so groß wie Köln abgeholzt wird, um Soja für die Tiermast anzubauen. Der deutsche Astronaut Alexander Gerst hat in den Sozialen Netzen sein Entsetzen darüber in einer "Nachricht an meine Enkelkinder" öffentlich gemacht.

Ja, das Drei-Königs-Kegeln oder "Saukegeln" mag eine Tradition sein und damals, vielleicht in den Vor- und Nachkriegsjahren, als dieses eingeführt wurde, war Fleisch sicher ein wunderbarer und wertvoller Preis für die Öflinger Dorfbewohner.

Aber heute, wo die Weltbevölkerung explodiert und die Chinesen beginnen, ganze Städte mit Schweinehochhäusern zu bauen, "sind wir dabei, die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder zu grillen" – wie der Kabarettist Hagen Rether in seinem aktuellen Programm ausruft. Gerne unterstütze ich den Kegelsportclub (KSC) Wehr-Öflingen beim Finden von alternativen, zeitgemäßen Preisen und würde mich freuen, das komplette Preisgeld des nächsten Drei-Königs-Kegeln spendieren zu dürfen.
Ursula Kiefer, Wehr