Dramatiker erzählen

Jürgen Reuß

Von Jürgen Reuß

Di, 29. April 2014

Literatur

"Vintulato, mein Hund und die Farbe Blau" von Philipp Löhle.

Dramatiker für Kinder erzählen zu lassen, wie dass der Münchner Verlag mixtvision vor zweieinhalb Jahren in einer Kinderbuch-Reihe initiierte, klingt auf Anhieb nach einer prima Idee. Haben Dramatiker doch den Ruf, verständlicher zu schreiben, da ein Theaterpublikum eh zu wenig Zeit hat, um ellenlange Satzgebilde zu entflechten. Und der Start war wirklich viel versprechend. Die Schweizerin Marianne Freidig, ehemalige Hausautorin am Staatsschauspiel Stuttgart, machte mit der bezaubernden Wunderkräftefantasie "Brombeeren für Mr. Mister" den Auftakt. Jan Neuman, Ex-Hausautor am Nationaltheater Mannheim, legte mit "Tim und die Antwort auf nichts" eine schnörkellose, lakonische Geschichte über Klugheit, Freundschaft und Tod nach, und die ehemalige Freiburger Philosophiestudentin und Ex-Hausautorin am Kaiserslauterner Pfalztheater, Almut Baumgarten, rundete das Paket mit "Mucksmenschenstill", einer offenen, poetischen Studie über einen sehr einsamen Geburtstag ab. Dazu wurden die Bücher von je anderen Illustratorinnen (Annika Leese, Andrea Steffen, Alexandra Junge) ganz eigen und sehr gelungen in Szene gesetzt. Die Cover gaben einen ganzflächigen Eindruck vom Illustrationsstil und jedem Buch seine eigene Grundfarbe.

Nach einem Jahr Pause ist nun der vierte Band der Reihe erschienen. Diesmal setzt der Verlag auf einen eher gediegenen farbigen Leineneinband, der zu schlichter grauer Pappoptik beschnitten ist. Auch hübsch, aber der Inhalt zeigt diesmal das Risiko so eines Unternehmens. Es ist nicht schlecht, was Philipp Löhle, der schon Hausautor am Berliner Maxim Gorki in Mannheim und Mainz war, mit seiner Geschichte über einen imaginären Freund namens Vintulato fabriziert hat. Aber er tappt in eine Falle, in die Kinderliteratur gar nicht so selten tappt: Es liest sich wie ein ausgestreckter pädagogischer Zeigefinger. Der droht zwar nicht den Kindern – dafür sind wir ja schon zu aufgeklärt – aber dafür mindestens ebenso penetrant den Eltern, auf dass die sich am Ende schreckensbleich fragen: Muss sich mein Kind bei mir wirklich so einen abgehalfterten Karlsson vom Dach zurechtfantasieren, um ein bisschen Pipi Langstumpf sein zu dürfen? Egal, man kann sich ja die Bilder angucken. Die sind schön. Und der nächste Band wird sicher wieder besser.

– Philip Löhle: Vintulato, mein Hund und die Farbe Blau. Illustrationen: Liliane Oser. Verlag mixtvision, München 2014. 64 Seiten, 17,90 Euro. Ab 8.