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14. März 2011
Schäuble erklärt die Finanzkrise
Der Bundesfinanzminister referiert in Bachheim.
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LÖFFINGEN-BACHHEIM. Es war eine Geste der besonderen Verbundenheit zum ländlichen Raum: Zwei Wochen vor der Landtagswahl sprach Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in der Bachheimer Drei-Schluchten-Halle zu "Deutschlands Herausforderungen nach der Krise". Um dieses besondere Augenmerk auf das Land zum Ausdruck zu bringen, war Bachheim ohne Zweifel gut gewählt.
Augenfällig wurde die Wertschätzung durch die Besetzung des Podiums: Dort saßen der Bundesfinanzminister, der Landtagsabgeordnete Klaus Schüle, der Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes Micha Bächle und Bachheims CDU-Ortsvorsteher Berthold Meister an einem Tisch – die Verflechtung war gut inszeniert. Dass ganz einfach der örtliche Musikverein die musikalische Gestaltung übernahm, war ein weiteres Mosaiksteinchen im Bild der ländlichen Verbundenheit.
Während des Abends gab es eine klare Rollenverteilung: Klaus Schüle trat als engagierter Wahlkämpfer auf und ging in seinem Grußwort knapp auf zentrale Themen des Landtagswahlkampfes ein. Der Finanzminister selbst ließ die Wahlkampfthemen in seinem Referat bis auf wenige Ausnahmen außen vor und präsentierte sich vielmehr in staatsmännischen Gelassenheit. Erst in einem kürzeren zweiten Teil ging Schäuble auf die Wahl ein. Diese Zweiteilung fiel sauber und redlich aus. Es gehe ihm, so Schäuble, darum, den Bürgern "Dinge zu erklären". In einfacher Sprache und mit einfachen Beispielen aus dem Privatleben erklärte er Ursachen, Entwicklungslinien und Lösungen der Finanzkrise. Vor allem aber warb er für den Euro und die EU als Solidargemeinschaft, von der Deutschland selbst wesentlich profitiere.
"Die SPD-geführten
Bundesländer stehen so da wie der VfB Stuttgart
in der Bundesliga"
Wolfgang Schäuble
Überraschend war vielleicht, wie viel Wert Schäuble darauf legte festzustellen, dass das Schlagwort der Globalisierung auch als Ausrede missbraucht werden könne. Es gelte, auch einmal im Alleingang zu handeln, statt zu warten, bis sich auch die "letzte Insel der Karibik" zu Regelungen des Finanzmarktes entschließe. Der Spannungsbogen zwischen einer Freiheit, die den Menschen beflügelt, und einer Freiheit, die durch Rahmenbedingungen davor geschützt werden muss, sich selbst aufzuheben, war der rote Faden der Darlegungen. Der Finanzminister bewies dabei großes Geschick, komplexe Sachverhalte eingängig zu erläutern. Wie viel Humor er dabei an den Tag legte, überraschte selbst die Christdemokraten vor Ort. Aber natürlich gab Wolfgang Schäuble auch ein Heimspiel: Als Gastredner die Einheimischen darauf hinweisen zu können, dass es "Badener" und nicht "Badenser" heiße, bereitete ihm sichtlich Vergnügen. Mit viel Humor stieg er dann auch in Wahlkampfthemen ein: "Die SPD-geführten Bundesländer stehen so da wie der VfB Stuttgart in der Bundesliga." Sein Hauptaugenmerk legte er auf die Bemühung um Haushaltsstabilität. Die Studiengebühren versuchte er aus einer Gerechtigkeitsperspektive heraus zu rechtfertigen. Schließlich betonte er noch den Stellenwert der Familie: "Es ist falsch zu sagen, dass nur noch der Staat verantwortlich sei." Die anschließende Diskussion war bewusst kurz gehalten. Hier gab Schäuble auch ein klares Statement zum Rücktritt von Karl Theodor zu Guttenberg: Der CSU-Politiker sei keineswegs Opfer, sondern habe eben Fehler gemacht. Am Ende stand der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Löffingen. Bürgermeister Norbert Brugger musste hier in einem Punkt dem Finanzminister widersprechen, allerdings nicht als Sozialdemokrat, sondern als ehemaliger Banker: Er verwahrte sich gegen die Einschätzung, Banken hätten vielfach falsch beraten. Die rund 250 Zuhörer verabschiedeten Schäuble mit begeistertem Applaus. Aber wann wird man in Bachheim auch schon einmal von der Bundeskanzlerin gegrüßt, mit der Schäuble noch vor der Halle telefonierte? Auch wenn die heißen Wahlkampfthemen außen vor blieben, die Geste der Verbundenheit wurde als solche gelesen – und zählte für die Zuhörer.
Autor: Karla Scherer