Steinalte Besitzverhältnisse

Christa Maier

Von Christa Maier

Mi, 21. Juni 2017

Löffingen

Grenzstein aus dem Jahr 1576 gibt viele Hinweise auf die Entwicklung Löffingens und der Ortsteile.

REISELFINGEN. Das Jahr 2018 wird in Reiselfingen geprägt sein von den Feierlichkeiten zum 800-jährigen Bestehen. Viele Ideen wurden angestoßen, einige werden inzwischen mit Tatkraft und Kreativität umgesetzt. Mit einer Rarität kann Reiselfingen aufwarten, die im Jubiläumsjahr wohl nicht unbeachtet bleiben wird: Auf der Gemarkungsgrenze zwischen Reiselfingen und Seppenhofen steht ein 441 Jahre alter Grenzstein, der älteste in Löffingen.

"Historische Grenzsteine können uns geschichtliche Daten liefern und auch über frühere Besitzverhältnisse informieren", sagt Heimatforscher Rudolf Gwinner, dem der Erhalt dieser Kleindenkmäler als wichtige Bestandteile der Kulturlandschaft ein großes Anliegen ist. Der Naturstein mit der Jahreszahl 1576 gibt nach Auskunft von Gwinner mehrere Daten preis: Zum einen weist er auf die Gemarkungsgrenze der beiden ehemaligen selbständigen Gemeinden Reiselfingen (erste urkundliche Erwähnung 1218) und Seppenhofen (1122) hin.

Plädoyer für eine Infotafel

Zum anderen zeigt der Stein die Gemarkungsgrenze zwischen der Stadt Löffingen und der selbständigen Gemeinde Reiselfingen auf – bedingt durch die Eingemeindung von Seppenhofen im Jahr 1970. Auch weist er auf die Landkreisgrenze zwischen den Amtsbezirken Bonndorf und Neustadt hin: "Von 1852 bis 1924 gehörte Reiselfingen zum Bezirksamt Bonndorf, ehe der Ort wieder dem Amtsbezirk Donaueschingen zugeschlagen wurde", erklärt Gwinner. Und nicht zuletzt wird die Grenze zwischen den Amtsbezirken Donaueschingen und Neustadt angezeigt, denn 1936 wechselte Reiselfingen vom Amtsbezirk Donaueschingen zum Amtsbezirk Neustadt (später Landkreis Neustadt und anschließend Landkreis Hochschwarzwald). Wegen dieser Besonderheiten könnte sich Gwinner im Zusammenhang mit der 800-Jahr-Feier auch die Aufstellung einer Infotafel vorstellen, die Aufschluss über die Historie des Grenzsteins gibt.

Und noch auf eine weitere Besonderheit weist Gwinner hin, die ebenfalls beim Dorfjubiläum Erwähnung finden könnte: Im Gewann Rosshag, an der Grenze zwischen Reiselfingen, Seppenhofen und Göschweiler, steht ein sogenannter "Dreimarker", der die drei Gemarkungen voneinander trennt. Der historische Grenzstein wurde inzwischen von Gestrüpp befreit, so dass er jetzt dem Blick aufmerksamer Passanten nicht mehr entgeht.

Der Stein scheidet zum einen die Gemarkungen Reiselfingen/Göschweiler und bildete von 1300 bis 1491 die Grenze zwischen den Fürstenbergern und der Herrschaft Lenzkirch des Hauses Blumegg. Zudem gibt er Aufschluss über die Gemarkungsgrenze Göschweiler/Seppenhofen sowie über die Eigentumsgrenze zwischen dem Kloster Friedenweiler und der Herrschaft Lenzkirch des Hauses Blumegg (1345-1491). "Die Steine haben heute immer noch Rechtsgültigkeit und sind unverzichtbare historische Kulturträger", findet Gwinner, der es bedauert, dass die Gemarkungssteine nicht mehr wie früher im Fünf-Jahres-Rhythmus kontrolliert werden. Durch Alterungsprozesse, durch Wind und Wetter sowie durch Beschädigungen und Verluste in Folge von Unkenntnis oder Gedankenlosigkeit bei Bauarbeiten seien diese einmaligen Kulturdenkmale immer gefährdet.

Gwinner selbst befreit die Steine immer wieder selbst von Moos und hebt die eingemeißelten Jahreszahlen und Buchstaben mit Farbe hervor. Er würde sich wünschen, dass die Stadt mit Blick auf die 1200-Jahr-Feier im übernächsten Jahr alle Grenzsteine sorgfältig pflegen würde. "Kulturhistorisch betrachtet wäre die Stadt moralisch dazu verpflichtet, und im Hinblick auf das Jubiläum wäre das ein sinnvoller Beitrag, der die Würde und den Stolz der Baarstadt Löffingen widerspiegelt."