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19. September 2017

27 Hektar des Stadtwalds werden als Waldrefugien sich selbst überlassen

Im Stadtwald soll es mehr „Waldrefugien“ geben, also Flächen, an denen der Wald nicht bewirtschaftet und im Wesentlichen den natürlichen Abläufen überlassen wird. Acht Flächen mit insgesamt 27 Hektar in Lörrach und Brombach sind dafür ausgewählt worden, das sind rund 2,5 Prozent des Stadtwaldes. Der Ausschuss für Umwelt und Technik gab dafür am Donnerstag einhellig grünes Licht.

  1. Der Weg des Stadtwalds führt direkt zu Waldrefugien und indirekt zu einem Neubaugebiet. Foto: Maja Tolsdorf

LÖRRACH. Im Stadtwald soll es mehr "Waldrefugien" geben, also Flächen, an denen der Wald nicht bewirtschaftet und im Wesentlichen den natürlichen Abläufen überlassen wird. Acht Flächen mit insgesamt 27 Hektar in Lörrach und Brombach sind dafür ausgewählt worden, das sind rund 2,5 Prozent des Stadtwaldes. Der Ausschuss für Umwelt und Technik gab dafür am Donnerstag einhellig grünes Licht.

Durch die Neuerung reduzieren sich auch die Einnahmen durch die Waldbewirtschaftung minimal. Dafür gewinnt die Stadt Ökopunkte, die sie als Ausgleich für die geplanten Neubaugebiete dringend braucht. Forstbezirksdirektor Bernhard Schirmer, der im Ausschuss den Hintergrund für das neue Alt- und Totholzkonzept im Lörracher Stadtwald erläuterte, nannte die Ökopunkte einen "Kollateralnutzen". Mehr als eine Million Ökopunkte bringen die Waldrefugien – das, so erklärte Britta Staub-Abt als Leiterin des städtischen Fachbereichs Umwelt, reiche gerade mal für ein Neubaugebiet.

Das Alt- und Totholzkonzept schützt Spechte und Fledermäuse, Käfer, Moose, Pilze und andere Tiere und Pflanzen, indem des deren Lebensräume in Ruhe lässt. Holz darf in den Refugien nicht mehr eingeschlagen werden, damit Brut- und Ruhestätten unbehelligt bleiben. Das Konzept setze das Natur- und Artenschutzrecht in Baden-Württemberg um und schaffe damit, so Schirmer, Rechtssicherheit. Für die Bürgerinnen und Bürger bleiben die Flächen zugänglich.

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Geschützt wird in drei Stufen. Es geht zum einen um Einzelbäume, die etwa als Horst- oder Großhöhlenbäume besondere Lebensräume sind. Sie bleiben bis zum natürlichen Zerfall ungenutzt. Gleiches gilt für Gruppen von in der Regel 10 bis 15 Bäumen, die aus dem jährlichen Holzeinschlag herausgenommen werden und die Vernetzung von Biotopen befördern. In der dritten Stufe geht es um Flächen von mehr als einem Hektar, die wie ein Bannwald in Ruhe gelassen werden. Acht solcher Stücke sollen in Lörrach ausgewiesen und dokumentiert werden. Diese Waldrefugien werden in kaum oder gar nicht genutzten Wäldern ausgewiesen, in Lörrach etwa in einem Teil des Schädelbergs. Das Ziel, so Schirmer, sei die Schaffung flächenhafter Habitatstrukturen.

Stimmt der Gemeinderat Ende September zu, werden die acht Flächen bei der Forsteinrichtung ausgewiesen. Das Gremium hatte schon im März einen Zielekatalog für den Wald beschlossen, der unter anderem "ökokontofähige Maßnahmen" und die Integration von Alt- und Totholzbeständen enthielt. Im Ausschuss kam darum viel Zustimmung. Hubert Bernnat (SPD) fand sogar, es wäre gut, mehr als 2,5 Prozent des Gemeindewaldes als Refugium auszuweisen. Schirmer verwies auf den Bannwald in Hauingen, der nach dem Sturm "Lothar" ausgewiesen wurde und der die Schonquote im Stadtwald erhöht. Claudia Salach (Grüne) verwies darauf, dass das Ausweisen geschützter Flächen dem Artensterben entgegenwirke und der Wald auch das Wasser filtere. Welche Einschränkungen mit den Schutzflächen einhergingen, wollten Bernhard Escher (CDU) und Matthias Lindemer wissen. Die forstliche Nutzung sei tabu, so Schirmer – das Betreten künftig vielleicht etwas riskanter, aber weiterhin erlaubt.

Gerd Wernthaler (Grüne) schlug der Verwaltung vor, im Frühjahr wieder einmal zu einer Waldbegehung einzuladen.

Autor: Sabine Ehrentreich