Beim Hochwasserschutz unter Zugzwang

Willi Adam

Von Willi Adam

Do, 05. Januar 2017

Lörrach

Der Klimawandel zwingt auf kommunaler Ebene zu großen Investitionen in Rückhaltebecken und Leitungen.

LÖRRACH (dam). Tut Lörrach zu viel oder zu wenig für den Klimaschutz? Und ist das, was getan wird, das Richtige? Diese Fragen kommen bei vielen Anlässen auf den Tisch. So stellen zum Beispiel die Freien Wähler die Sinnhaftigkeit von Wettbewerbsteilnahmen in Frage und meinen, mit weniger Bürokratie und einer Ermunterung für private Investitionen könne mehr erreicht werden. Die Grünen bedauern hingegen, dass die Stadt bei den Anstrengungen nachlässt, die eigenen Gebäude im großen Stil energetisch zu sanieren. Konsens ist allenthalben, dass die Klimaziele der Stadt (klimaneutral bis 2050) nur erreicht werden können, wenn auch die Bevölkerung mitzieht. Keinen Konsens hingegen gab es beim Wunsch der Klimafreunde, einen kleinen vierstelligen Zuschuss der Stadt zu erhalten. So schwer es also ist, bei den einzelnen Schritten auf einen Nenner zu kommen, so wenig ist das Thema an sich umstritten. Dass es das Klimaproblem gibt und dass sich auch Lörrach diesem Thema widmen muss, steht außer Frage. "Wir müssen das Thema annehmen", sagt auch Bürgermeister Michael Wilke. Es bringe nichts, nur zu sagen, es sollten sich doch die anderen anstrengen.

Ganz konkret wird die oft abstrakte Aufgabe Klimaschutz an den gestiegenen Anforderungen beim Hochwasserschutz. Die häufigen Starkregen als Folgen von klimatischen Veränderungen führen auch in Lörrach zu großen Schäden – und zunehmend auch zu großem Aufwand bei Hochwasserschutzmaßnahmen.

Im neuen Jahr steht der Hochwasserschutz in Hauingen im Mittelpunkt. In den vergangenen Jahren bereitete der Soormattbach immer wieder Probleme. Neben mehreren kleineren Maßnahmen – es wurde ein Rechen vor der Verdolung anders gestellt und im Oberlauf des Bachs gibt es Holzbohlen zum Auffangen von Schwemmmaterial – geht die Planung für ein Rückhaltebecken weiter. 500 000 Euro sind im Etat 2017 für ein Regenrückhaltebecken vorgesehen. Dessen Dimension sorgt freilich noch für Diskussionen.

An vielen Stellen der Stadt gibt es bereits größere Regenrückhaltebecken. Ein Beispiel ist die Anlage beim Schwarzgraben. Seit dem Bau dieses Rückhaltebeckens gab es in Haagen keine Überschwemmungen mehr. Nach einer Zusammenstellung der Stadtverwaltung ist bei einem stärkeren Hochwasser und einem gefüllten Becken die Ableitung des Wassers nicht gewährleistet. Der Eigenbetrieb Abwasser will deshalb prüfen, ob die Rohre unter der Markgrafen- und der Eisenbahnstraße vergrößert werden müssen.

Auch oberhalb des Wohngebiets Wallbrunnstraße und unterhalb des Salzerts gibt es ebenfalls ein großes Rückhaltebecken. Im vergangenen Sommer flossen bei einem Starkregen jedoch nicht alle Wasser massen aus dem Gebiet Vorengele in das Becken, weil Rohre und Gräben zu klein dimensioniert sind. Diese Zuleitungen müssen nun optimiert werden.

Eine komplizierte Angelegenheit ist die Bewältigung von Starkregenereignissen in Tüllingen. Weil es dort keinen Taleinschnitt gibt, kann kein Regenrückhaltebecken angelegt werden. Deshalb sucht eine Projektgruppe nach einer Lösung, die aus vielen kleineren Maßnahmen besteht. Zum Beispiel sollen Ableitungen so vernetzt werden, dass bestehende Rohrkapazitäten besser genutzt werden können.