Beim Kochen tauen alle rasch auf

Barbara Ruda

Von Barbara Ruda

Sa, 17. Juni 2017

Lörrach

Besatzung des Küchencontainers von "Kitchen on the run" zieht positive Zwischenbilanz / Lörrach bekommt wohl einen Ableger.

LÖRRACH. Seit drei Wochen steht der Küchencontainer von "Kitchen on the run" auf dem Rathausplatz und gibt vier Mal pro Woche Geflüchteten und Beheimateten bei Kochabenden Raum für Begegnungen. Man hat sich an den Anblick gewöhnt, und das Team mit Ina Peppersack, Agnes Disselkamp und Daniel Schoon fühlt sich in Lörrach bereits heimisch. Nach gut der Hälfte der Zeit hier zogen die Drei Zwischenbilanz.

"Was wir gar nicht erwartet hatten, dass wir hier so schnell so vielen Leuten begegnet sind, die uns treu sind, uns immer wieder besuchen und denen man auch beim Einkaufen begegnet. Das kennen wir aus Berlin nicht", erzählt Ina Peppersack. Lächelnd fügt sie hinzu: "Viele sind uns schon ans Herz gewachsen." Auch Geflüchtete kamen mehrmals und kennen sich in der Küche schon aus. "So ist mehr Begegnung möglich und zudem eine von besserer Qualität", beschreibt Agnes Disselkamp ihre Erfahrung.

Lörrach erlebt das Tellerrand-Team als Stadt der kurzen Wege – Ina Peppersack wurde ein Fan davon, auch weil sie schon von den Verkäufern in den Läden persönlich begrüßt wird. Andererseits erleben sie die Lerchenstadt durch die Lage im Dreiländereck als Ort, der einschränkt. Als man etwa mit einem iranischen Ehepaar zum Einkaufen über den Tüllinger fuhr und sich der Blick auf Basel bot, erzählten die Geflüchteten, dass sie gerne mal dorthin fahren würden, aber nicht dürfen. "Da wird einem wieder einmal die Absurdität der Grenze bewusst", kommentiert Ina Peppersack.

Rücksichtnahme auf den Ramadan

Überrascht zeigt sich die Containercrew davon, wie gut das Projekt während des Ramadans funktioniere. Drei der vier Kochabende pro Woche beginnen später, um nach Sonnenuntergang gemeinsam fastenbrechen zu können. Die Nachfrage sei dann genauso hoch. "Das macht überhaupt keinen Unterschied", stellt Daniel Schoon fest. Auf ihrer Tour sei das etwas Besonderes, scheinbar auch für Flüchtlinge. So stand vergangene Woche vor dem gemeinsamen Mahl ein Syrer auf und bedankte sich bei den Menschen an der gedeckten Tafel dafür, dass sie alle gewartet hatten, bis man gemeinsam essen konnte: "Ich finde das sehr respektvoll."

Das Essen ist eigentlich nur Mittel zum Zweck, es dient als Eisbrecher und Raum zum Kennenlernen. In Lörrach haben die Drei viele neue Rezepte kennengelernt: syrisch, afghanisch, iranisch, gambisch, nigerianisch, georgisch, deutsch und badisch wurde gekocht. Schön sei zu sehen, wie sehr Menschen während so eines Abends auftauen, offen sind und sogar lachend die Rolle des Spülers übernehmen. Spannend finden sie auch, dass "Lörrach kocht über den Tellerrand" bei den Beheimateten zum Selbstläufer wird. Ein bisschen mehr könnten sich allerdings mit Rezept als Gastgeber bewerben. Bei den Geflüchteten müsse man dagegen selbst aktiv werden, sie in den Gemeinschafts- und Anschlussunterkünften besuchen und auf die Veranstaltung hinweisen.

Projekt wird wahrscheinlich in der Stadt fortgesetzt

Beim zweiten Netzwerktreffen am Montag kristallisierte sich heraus, dass es in Lörrach wohl einen Satelliten von "Kochen über den Tellerrand" geben wird. Genau das will die Berliner Integrationsbewegung erreichen. Was es dazu braucht? Ina Peppersack zählt auf: "Ein Team, ein Begegnungsformat, die Vorteile eines großen Netzwerks und eine Corporate Identity." Erstes bilden Lörracher, alles andere übernimmt "Kochen über den Tellerrand" mit einem in Berlin ansässigen hauptamtlichen Betreuer für die Ableger. Noch bevor der Container nach Wismar weiterzieht, soll es ein drittes Netzwerktreffen geben.

Am Sonntag, 25. Juni, wenn der Ramadan vorbei ist, wird zum Zuckerfest auf den Rathausplatz eingeladen. Von 15 Uhr an ist der Container auf. Das Format ist dann aber anders. Gekocht wird nicht, dafür bringt jeder etwas mit – gerne etwas Süßes. Am 2. Juli wird von 13 Uhr an am selben Ort Abschied gefeiert. Das Team wünscht sich, dass dann nochmal alle kommen, die mitgekocht haben. "Wir stellen Liegen in die Sonne, Essen und Trinken kann man mitbringen, genauso wie alles, was das Picknickherz begehrt."

Anmeldung für Kochabende unter http://www.kitchenontherun.org