Beseeltes Barockspiel vom Feinsten

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 18. Dezember 2017

Lörrach

Benefizkonzert in der Stettener Kirche St. Fridolin mit historischen Instrumenten unterstützt die BZ-Weihnachtsaktion Hilfe zum Helfen.

LÖRRACH-STETTEN. Festliche und besinnliche Barockmusik zum Advent erklang am Samstag in der gut besuchten Kirche St. Fridolin in Stetten. Organist Johannes Menke hat mit den Blockflötistinnen Susanne Klaile, Susanne Geist und Teresa Ortner für dieses Benefizkonzert zugunsten der BZ-Weihnachtsaktion Hilfe zum Helfen Raritäten aus dem späten 16. und 17. Jahrhundert ausgesucht.

Gespielt wurden diese Kostbarkeiten aus dem frühbarocken Repertoire auf zeittypischem Instrumentarium wie Nachbauten von Blockflöten aus der Zeit um 1500 bis 1750 sowie auf selten zu hörenden Blasinstrumenten wie Zink und Dulzian, was von speziellem Klangreiz war und ein authentisches Klangbild jener Zeit vermittelte. Die Stücke waren bestens dazu angetan, die Herzen der Menschen zu öffnen, wie es Pfarrer Michael Spath in seiner Begrüßung betont hatte.

Johannes Menke eröffnete an der Klais-Orgel das Programm mit Choralvariationen von Sweelinck über "Nun komm der Heiden Heiland", feinsinnig und klangschön in den Registerfarben gespielt mit klar herausgearbeitetem Cantus firmus. In einem "Madrigale" von Riccardo Rognoni setzte Teresa Ortner spieltechnisch stilkundig den Zink ein, ein im 16. Jahrhundert gern verwendetes Instrument, das trompetenartig hell, aber auch zart und sanft klingen kann. Der weiche, liebliche Klang des Zink wirkte einschmeichelnd, zumal so einfühlsam gespielt und dezent begleitet von Menke an der Orgel.

Eine weitere charaktervolle Klangfarbe kam mit dem Dulzian, einem Vorläufer des Fagotts, in dieses Konzert. In einer Sonata von Marco Uccellini sowie einer Sonata a 2 von Johann Michael Nicolai verband sich der von Teresa Ortner sehr agil gespielte Dulzian mit seinem kräftig-dunkleren, flexiblen und ausdrucksstarken Klang wunderbar mit den Blockflötenstimmen und der Orgel.

Die Musikerinnen und der an der Schola Cantorum Basiliensis unterrichtende Menke erwiesen sich als höchst kompetente Interpreten in Bezug auf die historische Aufführungspraxis und gefielen durch ein farbenreiches, virtuoses und inspiriertes Spiel mit geschmackvollen Verzierungen. In einer Chaconne von Henry Purcell, einem "Quartettino" von Scarlatti und einer "Petite Passacaille" von Marin Marais war das wohlklingende, rhythmisch belebte und kunstvolle Spiel der Blockflötistinnen im harmonischen Zusammenklang mit der weich grundierten Orgel zu bewundern. Schlank, klar und transparent waren die Blockflötenstimmen herauszuhören. Die Interpretinnen machten in den komplex verwobenen und schnellen Passagen staunen, was an virtuoser Klangentfaltung und "sprechendem Klang" auf der Blockflöte möglich ist.

Passend zur Adventszeit hatte das Ensemble eine Bearbeitung des Concerto grosso "fatto per la Notte di Natale" von Arcangelo Corelli auf dem Programm. In dieser Version des Weihnachtskonzerts entfalteten die Bläserinnen und der Organist einen berückenden Klangzauber, weichen Glanz und pastorale Stimmung, die eine beschauliche Klangidylle heraufbeschwor: Das war beseeltes Barockspiel vom Feinsten.

In dem Choralvorspiel zu "Nun komm der Heiden Heiland" von Johann Michael Bach mit dem klangmächtig gesteigerten Hymnus "Veni Redemptor" von Samuel Scheidt brachte Johannes Menke die Register der Klais-Orgel effektvoll und prächtig zur Wirkung. Das Benefizkonzert klang in adventlicher Atmosphäre mit dem Choral "Komm, du Heiland aller Welt" aus, in den die Zuhörer mit einstimmen konnten.

Ursachen für Not sind oft Krankheit und Obdachlosigkeit

Eingangs hatte der Leiter der BZ-Redaktion Lörrach, Willi Adam, den Ausführenden um Johannes Menke gedankt, die diese von Hanspeter Troendle initiierte schöne Tradition der Benefizkonzerte zugunsten der Hilfsaktion weiterführen. Es seien, so Adam, oft zwei Dinge, die Menschen in Not bringen: zum einen Krankheitsmomente, die zu schwierigen Situationen führten und Menschen aus der Bahn werfen, sowie Probleme durch fehlenden geeigneten Wohnraum und drohende Obdachlosigkeit. "Armut macht krank und umgekehrt", sagte Adam. Um Menschen im Kreis Lörrach in Notsituationen zu helfen, seien solche "sinnstiftenden Veranstaltungen" wie dieses Benefizkonzert wichtig, denn durch ihr Kommen zeigten die Besucher Gemeinschaftsgefühl, Nächstenliebe und Solidarität.