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17. Juli 2015 10:05 Uhr

"Stimmen"-Festival

Bob Dylan bei tropischen Temperaturen

Wenn Bob Dylan nach Lörrach kommt, ist der Marktplatz proppenvoll – und die Stimmung ausgelassen bis melancholisch. Nur einigen schien die Hitze zu schaffen zu machen.

  1. Der Auftritt von Irma verkürzte die Wartezeit auf den Altmeister der Folk- und Rockmusik. Foto: Barbara Ruda

  2. Warten auf „His Bobness“ Foto: Barbara Ruda

  3. Fotografieren verboten: Darauf wies auch noch einmal Burghof-Chef Markus Muffler hin. Foto: Barbara Ruda

  4. Die kamerunische Sängerin Irma Foto: Barbara Ruda

Schon lange vor dem Konzert füllte sich der Lörracher Marktplatz am Donnerstagabend, junge Gesichter sah man ebenso wie jene, die Dylans Musik wohl schon seit Jahrzehnten hören und auf deren T-Shirt ein "Bob Dylan"-Schriftzug prangte. Doch mussten sich die Fans noch gedulden, wobei die kamerunische Sängerin Irma, Dylans Supportact, das Publikum mit ihrer gefühlvollen Stimme, aber auch HipHop-Beats mitriss. "Das geht ins Ohr", kommentierte eine Zuschauerin denn auch den Auftritt.

Und auch danach war Geduld gefragt. Wo blieb "His Bobness"? Immer wieder ertönte ein Pfiff aus dem Publikum, die Gesichter wandten sich zur Bühne – aber Bob Dylan ließ auf sich warten. Kurz bevor die Ungeduld unerträglich zu werden schien, setzten die ersten Töne von "Things have changed" ein. Applaus brandete auf. Bob Dylan war endlich auf der Bühne – natürlich mit Strohhut. Er sparte sich Worte ans Publikum wie meist bei seinem Konzerten. Der Meister, der Poet, ließ seine Musik sprechen.

Je dunkler es wurde, desto passender erschien die Atmosphäre. Die ein oder andere Zigarette glühte auf, dazu Dylans rauchige Stimme. Smartphones im Blickfeld störten nicht. Burghof-Chef Markus Muffler hatte vor dem Konzert auch deutlich gemacht, was Bob Dylan von Fotografien während der Konzerte hält: nichts. Deshalb war es auch den Medien untersagt zu fotografieren.

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Viele verfolgten das Konzert aus sicherer Entfernung

Während sich einige auf Zehenspitzen stellen mussten, um den 74-jährigen Musiker am Klavier sehen zu können, hob ein junger Mann eine ältere Frau vor sich nach oben, damit auch sie einen Blick erhaschen konnte. Aus den Fenstern der angrenzenden Häuser ließ ein Paar seine Füße baumeln, andere in der Menge umarmten sich oder schunkelten einfach nur, nicht nur sobald Dylan zur Mundharmonika griff.

Wenn die Zuschauer sich nicht gerade Luft zuwedelten, sei es mit Fächern oder ihren Eintrittskarten. Denn die Hitze und Schwüle machten offenbar einigen zu schaffen. Kurz hintereinander kippten zwei Frauen um, die Sanitäter waren nach einigen Minuten zur Stelle.

Einige Zuschauer stürzten sich erst gar nicht ins Getümmel, sondern setzen sich weiter entfernt auf dem Boden und lauschten dem Konzert. Auch wenn Bob Dylan viele seiner bekannten Songs aussparte, tat er dem Lörracher Publikum dann doch einen Gefallen und spielte "All Along The Watchtower". Und für jene, die dann immer noch nicht genug hatten, gab es noch Musik vom Straßenmusiker Joachim Neumann, der an diesem Donnerstag sein 119. Dylan-Konzert gesehen hat. Dylan selbst hat mit dem ausverkauften Konzert in Lörrach seine derzeitige Tournee abgeschlossen – wobei seine Tour ja nie wirklich endet.

Autor: sge