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03. März 2011

Der "Dällerschlägg" war irgendwie immer da

Heute, "Schmutziger Dunschtig", liegen sie wieder in der Sahne.

  1. Lörracher Zundel (hier vor dem Zweiten Weltkrieg) ermittelten beim „Dällerschlägg“ den Zundelkönig. Foto: Archiv Narrengilde

LÖRRACH. Eigentlich wäre heute am "Schmutzige Dunschdig" der große Auftritt der Zundel der Narrenzunft Lörrach. Bis vor ein paar Jahren ermittelten sie nämlich am frühen Abend zum Auftakt der Straßenfasnacht in der Kreisstadt den Zundelkönig. Die Disziplin, in der das geschah, ist der "Dällerschlägg", den es schon vor dem Zweiten Weltkrieg gegeben hat. In den vergangenen Jahren ist jedoch die Zahl der Zundel immer mehr geschrumpft. So gab es im vorigen Jahr erstmals keinen Zundelkönig. Aber in der Narrengilde Lörrach wollte man diese Tradition weiterpflegen. So nahmen Vertreter der Cliquen den Platz der Zundel ein und kürten natürlich keinen Zundelkönig, sondern den "Dällerschlägger". Dieses Spektakel wird auch heute Abend auf dem Stettener Kirchplatz Höhepunkt des "Obestraichs", mit dem die Straßenfasnacht offiziell eröffnet wird.

Wer den "Dällerschlägg" erfunden hat, darüber hat Gilden-Archivar Klaus Breitenfeld keine Aufzeichnungen. Den Zundel und den Lörracher Narrenruf "Friss’n weg, d’r Schnägg" hat Lörrach Adolf Glattacker, der "Engeli-Moler", zu verdanken. Ob ihm auch der "Dällerschlägg" zuzuschreiben ist? Es wäre ihm zuzutrauen, meint Breitenfeld.

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1939 wurde der Zundel, der vom Zundelheiner Johann Peter Hebels inspiriert ist, für einmal in den Mittelpunkt der Fasnacht gerückt, indem es einen Zundeltag gab. Damals war Egon Leible der Zundelkönig. Er wurde ernannt.

Spätere Zundelkönige wurden beim "Dällerschlägg" ermittelt. Dabei tanzen die Zundel (heute die Cliquenvertreter) um den großen Holzteller mit den vielen Sahnehäufchen. In einem von ihnen ist ein geschnitztes "Schnäggli" versteckt. Die Tänzer verschwinden mit dem Gesicht in der Sahne und müssen sich auf den Grund vorarbeiten – ohne Zuhilfenahme der Hände oder anderer Hilfsmittel. Entsprechend sehen sie aus, wenn sie nach absolviertem Sahnetauchen wieder aufschauen – wie nach einer Tortenschlacht. Wer das "Schnäggli" findet, wird zum "Dällerschlägger 2011" ausgerufen.

Historisch, versichert Klaus Breitenfeld, ist immer noch das Rezept die Sahne. Im Schlagrahm darf das Kirschwasser nicht fehlen. Seit gut 25 Jahren richtet Dominik Hengherr den "Däller" her. Er hat diese Aufgabe von Fritz Binoth übernommen. Allerdings fand der "Dällerschlägg" nicht immer am "Schmutzige Dunschdig" statt. Sogar sonntags vor dem Umzug wurde schon der Zundelkönig erschleckt. Seit mindestens drei Jahrzehnten hat der "Dällerschlägg" seinen festen Platz am "Schmutzige", seit einigen Jahren auch den Austragungsort vor der Fridolinkirche.

Autor: Nikolaus Trenz