Der Pädagoge, der zur Regionalgeschichte fand

Sabine Ehrentreich

Von Sabine Ehrentreich

Do, 05. Januar 2017

Lörrach

Hansjörg Noe wird am Freitag 75 Jahre alt / Geschichte verorten.

LÖRRACH. Hansjörg Noe, der am Dreikönigstag seinen 75. Geburtstag begeht, wird über Lörrach hinaus heute vor allem mit seinem Engagement für die Regionalgeschichte in Verbindung gebracht. Viele haben ihn in den vergangenen Jahren im Dreiländermuseum erlebt, wenn er Gruppen durch Ausstellungen führte; viele kennen und schätzen seinen Band mit Lörracher Zeitzeugenberichten und die Bücher, die die NS-Zeit in Steinen und Maulburg darstellen. Hansjörg Noe hält Vorträge und schreibt Beiträge für Publikationen – und immer ist sein Thema die Zeit des Nationalsozialismus. Warum? Sein Vater starb als Soldat, als der 1942 geborene Hansjörg noch ganz klein war. Als er in Lörrach Schüler am Hans-Thoma-Gymnasium war, endete der Geschichtsunterricht bei der Reichsgründung 1871. Viele Lehrer waren noch "mit dem Dritten Reich verwoben", formuliert Noe. "Mich beunruhigt zutiefst die rechte Gesinnung", sagt er – bis heute.

Hansjörg Noe ist gefesselt von Geschichte, aber kein studierter Historiker. Seine berufliche Karriere ist mit der Pädagogik verbunden. Zur Welt kam er im Rheinland in der Heimat des Vaters. 1944 floh die Mutter mit den Söhnen in Richtung ihrer Heimatstadt Freiburg und landete in Muggenbrunn, wo Hansjörg Noe auch heute einen Wohnsitz hat, neben der Adresse in Brombach. 1953 folgt der Umzug nach Lörrach, damit der Junge Abitur machen konnte. Für Hansjörg Noe schloss sich eine Ausbildung zum Volksschullehrer an, wie das damals noch hieß. Bad Säckingen und die Lörracher Albert-Schweitzer-Schule waren erste Dienststellen. Als "herausragendes Ereignis" hat Noe die Gründung der PH Lörrach in Erinnerung. Er wurde Ausbildungslehrer und Lehrbeauftragter – mit 26 Jahren und zusätzlich zum Lehrer-Deputat. Es drängte sich sonst niemand danach, erinnert er sich. Noe unterrichtete Theologie und Geschichte und war damit bei dem Thema, das ihn bis heute fesselt. Von Anfang an fand er die Ansatzpunkte vor der Haustür. "Geschichte muss verortet werden", ist Noe überzeugt.

Ab 1979 machte er mit dem Verlag Waldemar Lutz für den Unterricht die "Kennzeichen"-Bücher, zu den acht Bänden unter Noes Regie gehörte der Lörracher Band. Zu dieser Zeit war er bereits Leiter der Neumattschule. Als für die Anfänge des Lehrerseminars Räume in einer Schule gesucht wurden, meldete er sich. 1982 wurde er Leiter des Seminars, seine Lehrtätigkeit an den Hochschulen Lörrach und Freiburg lief weiter. 1989 wurde Noe Regierungsschulrat, 1992 Leiter des Schulamts. Das blieb er bis 2005.

Ein "Workaholic" sei er nicht, versichert Hansjörg Noe, der außerdem künstlerisch arbeitet und demnächst auch wieder ausstellt. Was er tue, müsse Sinn ergeben für ihn und andere, das motiviere ihn. Diesen Sinn fand er im Ruhestand in der vertieften Beschäftigung mit der Regionalgeschichte. Im Museum musste er aus gesundheitlichen Gründen zurückstecken. Aber fertig ist er mit diesem Thema noch lange nicht.