Die Girls löten, bohren und feilen

Jonas Hirt

Von Jonas Hirt

Fr, 20. Juli 2018

Lörrach

Ein Kurs des Phaenovum Schülerforschungszentrums soll Realschülerinnen für Technik und Naturwissenschaft begeistern.

LÖRRACH. Das Phaenovum Schülerforschungszentrum will Realschülerinnen für technische und handwerkliche Berufe begeistern. Acht Mädchen der Realschule Grenzach-Wyhlen haben seit Februar das gemacht, was eher Jungs machen: Löcher gebohrt, einen Roboter programmiert und mit dem Lötkolben hantiert. Am späten Mittwochnachmittag präsentierten sie die Ergebnisse in der Neumattschule. Der Kurs "Girls & Technik" fand in Kooperation mit der Agentur für Arbeit und dem Ingenieursbüro Livetec statt.

Sie flucht. Sie ärgert sich. Sie lacht dennoch. "Es hält nicht mehr", ruft Leonie Kolbig durch den Raum im Keller der Neumattschule. Es sieht aus wie in einem Männerrefugium. Schraubendreher und Zangen liegen auf Tischen. Überall stehen, wie in Werkstätten, umgedrehte Hocker. Männer werkeln hier aber nicht. Fünf Mädchen der Realschule Grenzach-Wyhlen bauen einen kleinen Lüfter. "Es läuft gerade nicht so gut", sagt Kolbig. Sie geht in die achte Klasse. Technik als Schulfach hat sie nicht gewählt, sondern MuM – Mensch und Umwelt.

Der Kurs soll laut Helga Martin Mädchen ansprechen, die nicht Technik gewählt haben. "Das handwerkliche Arbeiten soll ihnen Spaß machen ", sagt die Phaenovum-Geschäftsführerin. In der Realschule wählen die Kinder in der sechsten und in der siebten Klasse zwischen Technik, Französisch, MuM oder AES (Alltagskultur/Ernährung/Soziales). Vielleicht, sagt Martin, gehe eine in die technische, handwerkliche oder naturwissenschaftliche Richtung.

Vanessa Schneider kann es sich vorstellen. Sie hat Technik gewählt. "Weil es ein wenig mehr Spaß als Kochen macht", sagt sie. "Ich bin für Chemie", schlägt ihr Lana Lentzy für die Zukunft vor. "Nein danke", entgegnet Schneider. Lentzy sagt, dass sie sich fast für Technik entschieden hätte. "Eine Freundin hat mich umgestimmt." Jetzt hat auch sie MuM. Wie groß ist das Interesse an Technik? "Das hat unser Schulleiter gerade auch gefragt", erzählt Leonie Kolbig. Wie groß wird kurze Zeit später deutlich: Synchron lassen die Drei Schraubendreher und Zangen fliegen, greifen unter den Tisch zu ihren Sportbeuteln und breiten jeweils eine CD auf einer Platte aus. Sie dreht sich. Daneben liegen zwei kleine Ampullen. Sie riechen markant. Der Duft von Lavendel und Zitrone zieht in die Nase.

Helga Martin bezeichnet es als ein breites Angebot. Für die Herstellung haben die Mädchen gebohrt, gelötet und gefeilt. Seit Februar haben sich die Mädchen jeden dritten Mittwoch im Monat nach der Schule getroffen. Begonnen haben acht. Eine hat aufgehört. Beim letzten Termin hatten zwei keine Zeit. Alle besuchen die Realschule Grenzach-Wyhlen. "Mit acht sind wir gut dabei", sagt Schulleiter Christoph Bigler. Rund 30 Mädchen wären maximal in Frage gekommen. Das Phaenovum hat den Kurs auch der Realschule in Rheinfelden angeboten. Dort hat sich keiner gemeldet. Martin vermutet, dass es an der dortigen Kooperation mit der Gewerbeakademie Schopfheim liegt. Mädchen würden dort an technische Berufe herangeführt.

Mit dem Projekt sind die Verantwortlichen zufrieden: "Ab nächstes Jahr wird es für alle Realschulen angeboten", sagt Mandy Reiss, Teamleiterin der Berufsberatung bei der Arbeitsagentur. Es sei ein Ziel, mehr Mädchen in die sogenannten MINT-Berufe zu bringen – Mathematik, Ingenieur, Naturwissenschaft und Technik. "Unsere Entwickler sind hauptsächlich männlich", sagt Rainer Schwald, Gesellschafter von Livetec.

Schwald teilt den Mädchen mit, dass das Unternehmen Praktikantinnen suche. Diese präsentieren zum Abschluss ihre Arbeiten. Der Lüfter ist trotz einiger Flüche noch fertig geworden. Sie könnten sich auch vorstellen, nochmals am Kurs teilzunehmen oder die Kursleiterinnen zu unterstützen. Eines, das würde Lana Lentzy aber nicht machen – sich bei der Fächerwahl anders entscheiden: "Ich mag Kochen halt lieber."