Wahlkreis Lörrach – Müllheim

Was wollen Sie gegen den Mangel an Fachkräften tun?

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

So, 01. September 2013 um 16:51 Uhr

Kreis Lörrach

Der regionale Arbeitsmarkt ist durch den Sog der Schweiz besonders dynamisch. Die Badische Zeitung wollte von den Bundestagskandidaten im Wahlkreis Lörrach – Müllheim wissen, was sie vorschlagen, um die Situation zu entspannen.

Armin Schuster (CDU): "Emotional anziehend"

"Die Arbeitskräftenachfrage der Schweiz ist für mich nicht ein Problem, sondern ein unschätzbarer Standortvorteil, wenn es uns gelingt, Zuzugsregion zu bleiben. Dafür müssen wir die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erhalten, unsere Infrastruktur weiter ausbauen und als attraktive Region deutschlandweit bekannter werden. Um die besten Köpfe für unsere Industrieunternehmen zu bekommen, gilt es mit einer hohen emotionalen Anziehungskraft der Region zu werben. Wir sind ländlich geprägt und gleichzeitig Metropolregion, das müssen wir herausstellen. Der Freiburger Wirtschaftsverband WVIB nennt sein Unternehmernetzwerk nicht ohne Grund "Schwarzwald AG" und das neue Portal zur Fachkräftegewinnung der Wirtschaftsregion Südwest ist ein vielversprechender Schritt in diese Richtung."

Thomas Mengel (SPD): "Reserven voll nutzen"

"Es gilt, die Reserven in unserem Land voll zu nutzen. Unser Bildungssystem muss sicherstellen, dass jeder Schüler einen Schulabschluss erhält und somit einen Ausbildungsplatz abschließen kann. Kinderbetreuung muss so ausgestaltet sein, dass sie Eltern die frühzeitige Rückkehr in den Beruf ermöglicht, wenn das gewünscht wird. Auch über den Berufsabschluss hinaus muss Weiterqualifizierung möglich sein und gefördert werden. Arbeit über den Rentenzeitpunkt hinaus muss möglich sein, wenn das gewünscht wird. Darüber hinaus gilt es, Zuwanderung zu erleichtern und zu fördern. Dazu muss unsere Region die hervorragenden Arbeitschancen und die Lebensqualität in dem Land zwischen Freiburg und Basel besser vermarkten."

Ina Rosenthal (Grüne): "Gute Lebensqualität"

"Um den Fachkräftemangel etwas entgegenzusetzen, müssen wir die Zahl der Schulabbrecher reduzieren, alle Jugendlichen zu einem beruflichen Abschluss führen und ein Hochschulsystem ohne soziale Schranken schaffen. Es braucht Weiterbildungen, damit Arbeitslose und Beschäftigte nicht von den Entwicklungen der Arbeitswelt abgehängt werden. Frauen, Ältere, Migranten und Menschen mit Behinderungen können besser in den Arbeitsmarkt integriert werden. Außerdem sollten wir im Ausland erworbene Qualifikationen nutzen. Hier vor Ort können wir durch gute Lebens- und Arbeitsplatzqualität punkten. Mitarbeiter werden auch durch ein gutes Betriebsklima und Aufstiegschancen an den Betrieb gebunden. Dort sehe ich viele Unternehmen in der Region schon auf einem guten Weg."

Tilo Levante (FDP): "Erfahrungsschatz nutzen"

"Wir haben in Deutschland und Europa ein großes Potential an Fachkräften, das wir besser nutzen müssen. Dazu drei Beispiele: Wir müssen den Erfahrungsschatz von älteren Arbeitskräften nutzen. Dazu müssen Berufsbilder eingerichtet werden, die auf die körperliche Leistungsfähigkeit angepasst sind. Der Senior Expert Service zeigt, wie gefragt das Fachwissen deutscher Senioren im Ausland gefragt ist. Aus meinen Fachbereich weiß ich, dass es in Europa gut ausgebildete Fachkräfte gibt, die wir integrieren können. Dazu müssen die bestehenden Programme (zum Beispiel IHK-Fachkräfteprojekt, Goethe-Institut) ausgebaut werden. Für besonders wichtig halte ich es, in die Aus- und Fortbildung zu investieren. Dazu müssen wir dringend den Lehrermangel an Berufsschulen beseitigen."

Thomas Grein (Linke): "Keine Leiharbeit"

" Dass deutsches Pflegepersonal massenhaft in der Schweiz arbeitet, ist nicht die Schuld der Schweizer, sondern die Folge jahrelangen Lohndumpings und Sozialabbaus in Deutschland. Die Linke fordert deshalb flächendeckende Mindestlöhne von nicht unter zehn Euro pro Stunde. Und die Aufstockung sozialversicherungspflichtiger Arbeitsverhältnisse anstatt Leiharbeit. Leiharbeit ist menschenverachtend. Mir ist der Fall einer Frau bekannt, die als Leiharbeiterin in der Pflege 8,50 Euro pro Stunde verdient. Sie weiß aber, dass ihr Verleiher 29 Euro kassiert. Das Recht auf Pflege ist keine Gnade aus Barmherzigkeit, sondern gutes Recht eines jeden, der ein Leben lang Steuern bezahlt und so zum Wohlstand dieses Landes beigetragen hat."