Die wunderbare Welt des gesprochenen Wortes

Sandra Raith

Von Sandra Raith

Di, 04. Dezember 2018

Lörrach

Hans Jürg Zingg, Vertreter der schweizerischen Spoken-Word-Bewegung, erzählte auf Einladung des Hebelbundes im Museum.

LÖRRACH. Geschichten zu erzählen ist sicherlich die urtümlichste Form, in der Menschen Erfahrungen und Traditionen weitergeben. In unserer kollektiven Vorstellung gibt es das Bild früherer Menschengruppen, die gespannt um das Lagerfeuer sitzen und dem Erzähler lauschen, und bis heute hat die Fantasie, mit der wir das Gehörte vor unserem geistigen Auge entstehen lassen, nichts an Faszination verloren. Das Erzählen ist eine Kunst, das Zuhören meist ein Vergnügen, die Schriftsprache und die daraus entstehende Literatur nur ein kleiner Teil des Weltenwissens.

Was hat all dies mit dem Hebelbund zu tun, mag man sich fragen. Bei seiner letzten Veranstaltung in diesem Jahr gab es eine literarische Begegnung mit dem Schweizer Hans Jürg Zingg, der aus seinem Werk vortrug. Zingg, Jahrgang 1944 und im Emmental lebend, ist Kabarettist, Autor und einer der wichtigsten Vertreter der schweizerischen Spoken-Word-Bewegung. Übersetzt bezeichnet Spoken Word nichts anderes als das gesprochene Wort, eben jenes Genre, bei dem ein lyrischer Text oder eine Erzählung zu Gehör gebracht wird. Die modernste Form ist heute der Poetry Slam, auch in diesem Bereich hat Zingg Bühnenerfahrung und mischt bei den schweizerischen Slam-Meisterschaften mit seinen Mundartstücken die Bühnen auf.

Die ganze Erfahrung des Vortragenden erlebte das Publikum im Dreiländermuseum, in dem der Hebelbund zu Gast ist. Zingg trägt Berner Mundart vor, allgemein nicht für ihre Verständlichkeit und den leichten Zugang bekannt. Wenn der Autor aber aus seinem Romanwerk liest, lässt seine modulationsreiche Stimme und klare Aussprache eine Welt entstehen, an der man teilhat und mit deren Protagonisten man mitfühlt. Auch aus seinem Gedichtband "my wörtersack", der 2014 erschienen ist, liest Zingg gar vergnügliche Gedichte vor, mal episch, mal Fragmente, immer unterhaltsam.

Der Leiter des Hebelbundes, Volker Habermaier, ordnete den Abend denn auch perfekt in die Veranstaltungsreihe ein. Mit Zingg habe man einen Gast, der sowohl der Mundart als auch dem Wort und der Sprache sehr verbunden ist, damit stehe er in bester hebelscher Tradition. Dass sowohl er als auch Hebel als Lehrer tätig gewesen sind, verstärkte die Parallelen nur weiter: "Dass Hans Jürg Zingg wie Hebel dem Lehrerdasein auch lustige, humorvolle, satirische Seiten abgewann, wird keinen Lehrer verwundern. So lässt sich dieser Beruf am souveränsten bewältigen ... Und dass wer lacht, immer auch ein besseres Bild vor Augen hat, auch das bringt Zingg und Hebel zusammen: pathetisch gesprochen, eine bessere Welt vor Augen hat." Habermaier gab noch einen Ausblick auf die Veranstaltungen des nächsten Jahres, erste Veranstaltungen, zum Beispiel mit Arnold Stadler, sind bereits geplant.