Ehrung für einen, der Brücken baut

Martina David-Wenk

Von Martina David-Wenk

Mo, 07. Mai 2018

Lörrach

Hebeldank ging am Sonntag an Museumsleiter Markus Moehring.

LÖRRACH. Am Hebelsonntag verlieh der Hebelbund Markus Moehring, dem Leiter des Dreiländermuseums, den Hebeldank. Insbesondere die Pflege der mit über 1000 Objekten größten Sammlung zu Johann Peter Hebel würdigt der Hebelbund damit. Auch gelänge es dem Leiter des einzigen Dreiländermuseums in Europa, Hebel in so gut wie alle Sonderausstellungen aufzunehmen und so für die Verbreitung seines Werks zu sorgen, so das Lob.

Es ist der Vormittag des Einerseits –Andererseits. Schon in der Predigt des Festgottesdienstes ist diese abwägende Differenzierung das große Thema. Einerseits ist Johann Peter Hebel Sinnbild fürs erbaulich Betuliche, darauf weist Oberbürgermeister Jörg Lutz hin, andererseits kann gerade der Aufklärer und Menschenfreund Johann Peter Hebel uns heute Wichtiges sagen. Einerseits gehört dieser Vormittag dem Geehrten, andererseits hält Franz Littmann, Hebeldank-Träger 2013, seinen Festvortrag nicht über die pädagogische und menschenfreundliche Arbeit eines identitätsstiftenden Museums im 21. Jahrhundert, sondern über die Schweizreise Hebels im Jahre 1805.

Einerseits wird Markus Moehring später von sich als einem Urlörracher Gewächs sprechen. Doch gibt und gab es für Moehring andererseits auch ein Leben außerhalb seiner Stadt. Der schwäbische Präsident des Hebelbunds Volker Habermaier berichtet von einer Arbeit über das alte Athen von Markus Moehring, die Habermaier an der Uni in Stuttgart begegnet war, lange bevor er mehr als die Grenzlage mit Lörrach verband.

Als grüße die Vergangenheit, so wirkt der Hebelsaal am Tage der Veranstaltung, die "Schatzkästlein" genannt wird. Menschen in Tracht sitzen zwischen den Honoratioren. Der Besuch aus Basel betont die Einheit der Region, selbstverständlich wird Dialekt gesprochen. Als Brückenbauer wird Moehring geehrt. Er schlägt den großen Bogen vom ehrenamtlich begründeten Museum am Burghof zum weit über Lörrach hinaus strahlenden, grenzüberschreitend ausgerichteten Haus. Er widme sich seinen Wurzeln, wie Habermaier feststellte, und sei zugleich offen über die Grenzen hinaus. Dies sei kein Widerspruch, will der Präsident den "Grenzziehungsfetischisten" ins Stammbuch schreiben.

Moehring selbst sieht sich in der Fortsetzung seiner Vorgänger, die ebenfalls ausgezeichnet wurden. Die arbeiteten ehrenamtlich, er ist der erste hauptamtliche Leiter. Und doch, so sagt er selbst, ohne Engagement, das über die Tätigkeit hinaus geht, wäre die Arbeit nicht zu machen. So nahe gerade die neue Ausstellung. Über das Depot sei noch immer nicht abschließend entschieden, da tue der Bericht über das, was gelungen ist, gut. Er hätte Karriere machen können an großen Museen, so Habermaier, er blieb in Lörrach, hier fand er genügend Anregungen. Für Habermaier wird Moehrings Arbeit vom Aufklärer Hebel geleitet. So verwurzelt Hebel ist, so weltläufig sei er im Denken und Schreiben.

Franz Littmanns Ausführungen zu Hebels Reise in die Schweiz zeigten den Dichter als den Menschen zutiefst zugewandt. Dem protestantischen Geistlichen ist jede Abgrenzung fern. So lobt er die Schweiz als ein Paradies des zukünftigen Zusammenlebens der Völker. Nicht Abgrenzung suchte er, sondern Konsens.