Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

10. November 2014

"Ein Lehrstück in Rassismus"

Macherin der Ausstellung "Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen" referierte.

  1. Birgit Mair Foto: Sabine Ehrentreich

LÖRRACH (seh). Noch bis zum 28. November läuft erst in der Mathilde-Planck-Schule und dann im Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung die Ausstellung "Die Opfer der NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen". Birgit Mair, die für die Ausstellung verantwortlich zeichnet, besuchte zum Eröffnung Lörrach, berichtete, wie es zu dem Projekt kam und welche Erfahrungen sie an den Stationen der wandernden Ausstellung so macht. An vielen Orten in ganz Deutschland war sie schon, doch nirgends findet sie so wenig Beachtung wie in Baden-Württemberg. Und die wenigsten Besucher überhaupt kamen nach Mairs Bilanz in Heilbronn – obwohl die Täter des NSU hier die Polizistin Michèle Kiesewetter ermordeten und ihren Kollegen lebensgefährlich verletzten.

Seit 20 Jahren beschäftige sie sich mit dem Thema Rechtsextremismus, berichtete die ausgebildete Sozialwirtin. Für das Ausstellungsprojekt mit den Angehörigen der NSU-Opfer in Kontakt zu treten, sei nicht leicht gewesen, doch es gelang. Ein wesentliches Anliegen der Ausstellung ist es, den Opfern einen Namen und ein Gesicht zu geben – und daran zu erinnern, wie sehr die Angehörigen zusätzlich darunter litten, dass die Ermordeten selbst und ihr Umfeld unter Verdacht gestellt wurden.

Werbung


Birgit Mair ließ die Chronik der schrecklichen Mordserie Revue passieren, der zwischen dem Jahr 2000 und 2007 zehn Menschen mit türkischen und griechischen Wurzeln aus rassistischen Motiven zum Opfer fielen. Auch der Anschlag in der Kölner Keupstraße ging auf das Konto des Nationalsozialistischen Untergrunds. Das letzte Mordopfer war Michèle Kiesewetter. Jahrelang wurde vermutet, die Täter seien im Migranten-Milieu zu verorten; jahrelang ignorierte die Polizei, so Mair, alle Hinweise auf Täter aus dem rechten Milieu. Das ungeheure Versagen deutscher Behörden ist aus der Berichterstattung unter anderem aus verschiedenen Ausschüssen einer breiten Öffentlichkeit inzwischen bekannt, es wurde aus dem Vortrag der Ausstellungsmacherin noch einmal deutlich. "Endlos viele Ungereimtheiten" rankten sich um die Mordserie, die Mair "ein Lehrstück in Rassismus" nennt. Die wenigen Besucher der Lörracher Veranstaltung interessierte unter anderem, ob sie der Ansicht sei, es habe sich inzwischen etwas zum Besseren geändert. Die Sensibilität gegen über Neonazis sei gewachsen, so Mair, auch innerhalb der Polizei sei das Problembewusstsein gewachsen. Ansonsten gelte, was die Angehörige eines Opfers sagte: "Wichtig ist es, dass man nicht aufhört zu fragen".

In Lörrach wurden Schüler zu Coaches ausgebildet, sie führen andere Schüler durch die Ausstellung. Sie ist Teil der Aktionswochen gegen Rechtsextremismus, die noch bis zum 28. November dauern.

Die Ausstellung ist bis zum 28. November erst in der Mathilde-Planck-Schule und danach im Staatlichen Seminar zu sehen. Anmeldung und Info: wanderausstellung @nack-online.de; Näheres zu den Aktionswochen unter http://www.agr-loerrach.de

Autor: seh