Eine Lagerbratwurst muss außen verkohlt sein

neh

Von neh

Do, 13. Juni 2013

Lörrach

Zum 30-jährigen Bestehen des Pfadfinderstammes St. Josef Brombach: Erinnerungen und Einsichten von Niklas Ehrentreich über seine Halstuch-Biographie.

LÖRRACH-BROMBACH. Die Pfadfinder in Brombach – Stamm St. Josef der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) – besteht nun seit 30 Jahren. Dieser runde Geburtstag wird am Samstag, 15. Juni, an der katholischen Kirche St. Josef in Brombach gefeiert. Aus diesem Anlass erinnert sich BZ-Mitarbeiter Niklas Ehrentreich aus persönlicher Perspektive an seine eigene aktive Zeit bei den Brombacher Pfadis: an Kluft und Kinderprogramm, an Lager und Leiterzeit und wie ihn die Pfadfinder geprägt haben:

Es ist nicht so, dass es immer einfach gewesen wäre. Mit vierzehn Jahre tauschen nicht wenige Heranwachsende die Pfadfinderkluft und das Halstuch gegen Skaterhelm und Markenpullover. Dann ist es nicht so leicht zu erklären, warum man statt an die Adria in den Schwarzwald zum Zelten fährt – fast nur mit Jungs, zumindest bei mir damals. Einfach wäre es aber auch nicht gewesen, alles aufzugeben: Die Nachtwanderungen und die Holzarbeiten, den Lagerfeuerrauch und das im-Wald-verstecken vor den Leitern mit dem ach so blöden Nachmittagsprogramm – wir sind doch keine Kinder mehr.

Seit der Grundschule war ich schon bei den Brombacher Pfadfindern gewesen. Mit vierzehn, mit einem Jahr Quasi-Pause, in der erfolglos dem Traum von der Fußball-Laufbahn nachgejagt wurde, fuhr ich auf mein erstes richtig großes Lager: mehr als 1000 Menschen, Sprachwirrwarr, Abzeichen tauschen. Und wo bei vielen der große Knick in der Halstuch-Biographie erfolgt, ging es für mich erst richtig los. Fahrten nach Polen und Frankreich. Schnitzeljagden über 40 Kilometer mit den besten Freunden.

Das erste Lager als Jugendleiter, mit dem plötzlichen Perspektivwechsel und dem rauschhaften Gefühl, erwachsen zu sein, großer Bruder für eine ganze Horde von Kindern, auch wenn der Altersunterschied nur ein paar Jahre betrug. Wer bei den Pfadfindern ist und sich darauf einlässt, die Komfortzone zu verlassen, der versteht den Begriff "Erlebnispädagogik", heute eine Zusatzqualifikation für mich als angehenden Lehrer, vor hundert Jahren noch eine Methode, auf der die heute größte Jugendbewegung der Welt gegründet wurde.

Von der Kopfarbeit des Abiturs auf den Bau, um bei der 72-Stunden-Aktion eine Terrasse zu mauern, vom Leistungsdenken des Sportvereins dorthin, wo es keine Ersatzbank gibt.

Heute ist es nicht leicht zu erfassen, wie sehr mich fast 18 Jahre als Pfadfinder geprägt haben. Improvisationstalent, Genügsamkeit, Optimismus – ohne all das kommt kein Kind strahlend von einem Pfingstausflug mit drei Tagen Dauerregen zurück. Und möchte gleich wieder los. Nach dem Zivildienst habe ich Brombach verlassen, um zu studieren. Es wird schwerer, den Kontakt zu halten. Dafür habe ich genutzt, was von Anfang an Idee der Pfadfinderbewegung war: das internationale Netzwerk, mit dem es keine vergleichbare Organisation aufnehmen kann.

Bei mehrmonatigen Auslandsaufenthalten war ich regelmäßiger Gast der "Spider" in Norwegen und der "Boy Scouts of America". Vieles ist anders, und das ist spannend. Vieles ist vertraut, wie die Überzeugung, dass eine echte Lagerbratwurst außen verkohlt und innen roh zu sein hat.

Und genau darin liegt vielleicht der Schlüssel: Ergebnisse müssen nicht perfekt sein, ein Zelt ist eben manchmal so schief wie die abendliche Intonation von "Lady in Black". Aber selbst gemacht schmeckt eben immer noch am besten.