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04. August 2017

Ermordet auf Schloss Hartheim

Das Schicksal des Lörrachers Oskar Brantner in der NS-Zeit war bislang völlig unbekannt .

  1. Das Schloss Hartheim in Oberösterreich Foto: Herbert Albrecht

LÖRRACH (BZ). Im Rahmen der Recherchen von Herbert Albrecht (77) aus Buchen im Odenwald über seinen Onkel Hermann Albrecht stieß er auf das Schicksal eines Lörrachers: Oskar Johann Brantner, der in der Zeit des Nationalsozialismus dasselbe Schicksal erlitten hatte wie sein Onkel. Herbert Albrecht, der ursprünglich aus Tiengen am Hochrhein stammt, wandte sich an Lokalhistoriker Hansjörg Noe, um seine Recherche zu unterstützen. Die Ergebnisse beschreiben ansatzweise Oskar Brantners Schicksal.

Brantner wurde am 14. April 1913 in Lörrach geboren. Seine Geburtsurkunde liegt im Standesamt Lörrach-Brombach. Die Eltern waren Johann Brantner und Frieda Maier, sie wohnten in der Teichstraße. Das weitere Leben des Oskar Brantner ist unbekannt. Die Recherchen ergaben, dass Brantner in Steyr, Österreich, gemeldet war. Dort hatte er am 27. September 1936 seine Braut Hedwig Hanetzeder geheiratet. Die junge Familie bekam ein Kind, das auf den Namen Sonja Maria in der Steyr Kirche St. Michael 1937 getauft wurde. Nach Österreich ist Oskar Brantner nach 1933 auf der Flucht vor dem nationalsozialistischen Regime emigriert. Er war Maschinenschlosser und arbeitete offensichtlich in den Automobil-Werken Steyr-Puch. Die Steyr-Werke fusionierten 1934 mit Daimler und firmierten unter Steyr-Daimler-Puch AG. Nach dem Anschluss Österreichs 1938 wurden die Werke zu einem Rüstungsbetrieb umgeformt. Albrecht vermutet, Oskar Brantner habe seiner Herkunft und seiner Arbeit nach der Arbeiterbewegung nahe gestanden und möglicherweise an Sabotage-Aktionen oder politischen Agitationen teilgenommen. Deswegen hätten ihn die Nationalsozialisten observiert.

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Über die Gestapo der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz wurde Oskar Brantner am 7. Juni 1940 ins Konzentrationslager Dachau eingeliefert. Dachau gilt als Konzentrationslager für politische Häftlinge. Auch das spricht für die Verhaftungsgründe des Oskar Brantner. Danach wurde er am 10. März 1941 in das KZ Mauthausen-Gusen I überstellt. Mauthausen-Gusen I liegt östlich von Linz und wurde als Verstärkung des KZ Mauthausen 1939 gebaut. Es wurde nach dem Grundsatz "Vernichtung durch Arbeit" betrieben. Der Name Oskar Brantner ist im virtuellen "Raum der Namen" verzeichnet, einem Gedenkbuch für die Toten des KZ Mauthausen und seiner Außenlager.

Oskar Brantner, Häftlingsnummer 11016, wurde wie der Onkel Herbert Albrechts, Häftlingsnummer 11006, am 21. August 1941 im Schloss Hartheim bei Alkhoven, ebenfalls Oberösterreich, durch Kohlenmonoxyd ermordet. Schloss Hartheim, eines der schönsten Renaissance-Schlösser von Oberösterreich, war ab 1900 eine Behinderten-Einrichtung. Ab 1940 wurde die Einrichtung zu einer Euthanasie-Anstalt umgerüstet. Von 1940 bis Dezember 1944 wurden dort rund 30 000 Menschen ermordet, davon etwa 7000 ausgehungerte und kranke Gefangene der Konzentrationslager Mauthausen, Gusen und Dachau.

Auch das Stadtarchiv Lörrach ist an dem unbekannten Schicksal Oskar Brantners interessiert. Wer etwas über ihn weiß, wird gebeten, sich an Hansjörg Noe oder an das Stadtarchiv zu wenden.

Autor: bz