Esel, Wälder und Neuschwanstein

Manuel Fritsch

Von Manuel Fritsch

Do, 23. März 2017

Lörrach

Auf der Regio-Messe stellen sich Städte und Bauernhöfe den Besuchern vor / Aktivitäten mit Tieren liegen im Trend.

LÖRRACH. Heidi Behringer wollte schon immer Kutscherin sein. Ihre Planwagen haben allerdings eine Besonderheit. In ihnen finden Rollstuhlfahrer Platz, ihre Tiere sind Begleiter für Kinder mit und ohne Behinderung. Wer auf der Regio Messe Halle 9 betritt, der trifft als erstes auf Heidi Behringer. Ihr Stand steht am Eingang des Bereichs Tourismus. Dort haben wir uns angesehen, wie sich die Region den Besuchern präsentiert.

Der Behringer-Hof, den Heidi mit ihrem Mann Joachim betreibt, stellt auf der Regio Messe seit einigen Jahren zusammen mit der Stadt Murg aus. Bei Kaffee und Kuchen werden die lohnenswertesten Wandertouren im Hotzenwald angepriesen. Schöner als der Schwarzwald sei es hier, weil weniger bewaldet, dafür mit tollem Alpenblick. Für Fußfaule bieten die Murgtal-Fahrten der Behringers die Möglichkeit, sich Fondue-essend durch den Hotzenwald kutschieren zu lassen. Die Begeisterung, mit der Behringer von ihren pädagogischen und Integrativen Angeboten spricht, sind ansteckend. Am liebsten möchte man selbst die Pferde anspannen und mit den Behringers gemeinsam den Räuber Hotzenplotz jagen.

Hochzeit auf dem Floß
Stattdessen aber ziehen wir einen Stand weiter und stehen plötzlich mitten im Allgäu, vor uns das Schloss Neuschwanstein, neben uns die Flößer der bayerischen Gemeinde Lechbruck. "Die Messe ist für uns mal ein Versuch", erklärt Dieter Eider dem verdutzten Besucher. Eider ist mit seiner Frau Mathilde auf der Regio Messe. In Lederhosen und Dirndl werben sie für einen Besuch im Allgäu. Zwar gehöre das Dreiländereck nicht zum klassischen Einzugsgebiet der Gemeinde südwestlich von München. Aber warum sollten die Menschen aus dem Ländle nicht einmal auf die andere Seite des Schwarzwaldes kommen? Immerhin habe Lechbruck das weltweit einzige Floß, das auch als Standesamt zugelassen ist. Wer also auf hölzernen Planken heiraten will, dem bleibt der Gang nach Bayern nicht erspart.

Ob sich ihr Besuch auf der Lörracher Messe gelohnt hat, werden die Eiders erst in einem dreiviertel Jahr merken, wenn die Touristenzahlen ausgewertet sind. Eider ist zuversichtlich. Bislang laufe die Messe gut, sagt er.

Allround Angebot im Schwarzwald
Die perfekte Symbiose von Schwarzwald-Romantik und Fun-Tourismus verspricht Haberjockels Hof in Titisee-Neustadt. Ferien auf dem Bauernhof, Frühstück fast im Kuhstall und Übernachtung im "Wiesenfässle" auf der einen, Kuhfladenrodeln, Axtwerfen und Quad-touren auf der anderen Seite. Familien- oder Teambuilding, ganz nach gusto. Familien-Gründung ist hier auch anders noch möglich. Zwei Paare haben den Hof auf der Messe kennengelernt und wollen nun ihre Hochzeit hier feiern.

Nebenan steht Uwe Braun aus Steinen an seinem Stand, neben einem gesattelten Holzgestell. Er hat Eselwanderungen im Angebot. Daneben Lama- und Schafstouren. Die Idee ist einfach: Zwei Wanderer gehen mit zwei Eseln auf Tour. Alternativ kann man eine ganze Herde von Schafen und Lamas mitnehmen und mit ihnen losziehen. Die Tiere sollen beruhigen, bei Braun ist das gelungen. Entspannter als er ist wohl kaum jemand auf der Messe. Und natürlich: Die Lamas spucken nicht, die Esel bocken nicht.

Stadt-Tourismus statt Wald
Natürlich gibt es in der Region mehr als Tiere, Bauernhöfe und Erlebnistourismus. Die Stadt Zell präsentiert sich ganz mondän. Sie strebe "kulturelle und sportliche Vielfalt" an, ihre Museen zeugen von der hohen Lebensqualität. Riehen dagegen ist sich seiner Attraktivität so sicher, dass es sich auf einem großen blauen, aber leeren Teppich präsentiert. Wer braucht schon groß Werbung zu machen, wenn er die Fondation Beyerler hat?

Einen sucht man vergeblich zwischen Murg, Zell und Riehen: die Stadt Lörrach. Nach langem Suchen finden wir sie schließlich hinter Pelletöfen und Dachverkleidungen. Warum sie nicht brav bei den Touristenangeboten steht? Das weiß an dem Stand auch niemand. Wenn man sie aber einmal gefunden hat, präsentiert sich die Stadt so modern wie kaum eine: wandern und radeln im Südschwarzwald und am Rhein, das Stimmen-Festival und der neue Stadtplan für Menschen mit Behinderung – Lörrach hat, was die anderen auch haben. Nur muss der Tourist sie auf der Messe suchen.