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13. Februar 2012

Großes Geklapper zur Begrüßung

In einem Gehege in Kandern werden seit vielen Jahren Störche betreut, die in der Natur keine Chance hätten.

  1. Den Störchen in Kandern ist es keineswegs zu kalt. Foto: Maja Tolsdorf

  2. Gleich mehrere Nester befinden sich auf dem Kirchturm. Foto: Maja Tolsdorf

KANDERN. Es ist eisig kalt an diesem Nachmittag im Januar. Dem Federvieh hinter dem Zaun scheint das nichts auszumachen. Aufgeregt schnattern eine Gans und Wildenten in unterschiedlichen Tonlagen durcheinander. Gerade parken zwei Autos am Storchengehege in Holzen bei Kandern und drei Männer kommen am Hag zusammen. Einer von ihnen ist Martin Lang, der sich täglich um die Fütterung der Tiere im Gehege kümmert.

Auch die Störche im Gehege gehen nun unruhig umher und klappern mit den Schnäbeln. Die Tiere versuchen die Aufmerksamkeit ihres Futtermeisters zu erhaschen, doch zunächst vergeblich, denn die Besucher warten darauf, die bestellten Küken ausgehändigt zu bekommen. Küken? "Auch in den umliegenden Orten wie Eimeldingen oder Efringen haben sich wieder Störche niedergelassen, die wollen auch gefüttert werden", sagt Lang. Störche seien Fleischfresser und ernährten sich hauptsächlich von Würmern, Insekten und kleineren Häuschenschnecken. Im Gehege füttert Lang im Winter zwei Mal, im Frühling und Sommer einmal täglich noch Küken zu. Diese sind tiefgefroren und werden von der Tierparkversorgung in Langenargen angeliefert. "Die Störche brauchen das Gefieder zur Gewöllbildung und Reinigung des Verdauungstrakts", erklärt Lang.

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Von den fliegenden Kameraden der Bodenstörche hinter dem Zaun ist noch nichts zu sehen, die Nester rings um das Gehege sind leer. Es ist kein Zufall, dass die Störche ins Markgräflerland zurückgekehrt sind, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Arbeit. "Das Storchengehege hat sich bewährt und wir haben unser Ziel erreicht", erklärt Lang. Bis 1976 gab es in Holzen noch ein brütendes Storchenpaar auf dem Kirchturm. Doch als dieser renoviert wurde, seien die Störche weggeblieben und auch nicht zurückgekehrt. Die Frage nach dem Verbleib der Vögel habe damals nicht nur die Bevölkerung, sondern auch den Ortschaftsrat beschäftigt, wie in der Infobroschüre über das Storchengehege nachzulesen ist.

Nach einem Ausflug nach Altreu bei Solothurn (Schweiz), wo bereits seit 1948 ein Storchenansiedelungsversuch lief, beschloss man auch in Holzen einen solchen zu starten. Im Sommer 1979 begann der Ortschaftsrat mit dem Bau des Geheges. Im November siedelte man sechs Storchenpaare von Altreu nach Holzen um. "Im Frühjahr haben wir dann ein Paar freigelassen, das sich sofort wieder auf dem Kirchturm angesiedelt hat", erklärt Lang. Inzwischen sind es 22 Störche, die in Holzen auch überwintern und auf die tägliche Futterration warten.

"Aus Spaß an den Tieren", sagt Lang und zuckt verständnislos mit den Schultern auf die Frage, warum er sich ehrenamtlich um die Vögel kümmert. 23 Jahre haben sich Margrit und Ewald Lang um die Versorgung der Störche und das Gehege gekümmert. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 2002 hat Martin Lang diese Aufgabe übernommen. Über die Tiere, die ihm am Herzen liegen, hat er sich einen reichen Erfahrungsschatz angeeignet. Zudem ist er auch für die Bevölkerung im ganzen Landkreis ein wichtiger Ansprechpartner zum Thema Störche, was wiederum seinen Wissens- und Erfahrungsschatz bereichert.

Erst kürzlich habe ihn eine Anruferin aus Maulburg gefragt, was um diese Jahreszeit ein Storch im Ort mache. Warum und woher die Vögel gekommen wisse er auch nicht, doch Dank der Frau wisse er nun, dass sie nicht nur in Holzen überwintern. "Es ist auch nicht die Kälte, die sie wegziehen lässt, sondern das geringere Nahrungsangebot im Winter". Die meisten Vögel seien von Anfang Mai bis Ende Juli in Holzen. Dann versammelten sie sich für rund drei Wochen im Wiesental, bevor es auf den großen Flug ins Winterquartier gehen.

Wo sie genau überwintern, weiß Lang nicht. "In Spanien und in Südfrankreich sind schon einige gesichtet worden". Die Vogelwarten beobachten die Zugbewegungen der Störche, die man aufgrund ihrer Beringung den jeweiligen Herkunftsländern zuordnen kann. Beringt werden die Jungstörche von Waldshut bis Freiburg von Gottfried Nauwerck aus Bad Säckingen.

Dann endlich holt Martin Lang den Eimer aus dem Schuppen und das Schnattern und Schnäbelklappern hinter dem Zaun hebt wieder an. Nur Sekunden später hört man dann das Flügelschlagen von Störchen, die zu einer sanften Landung ansetzen. Weitere kommen aus allen Himmelsrichtungen angesegelt, lassen sich auf Nestern und Dächern nieder. Die Störche hinter dem Zaun können nicht mehr fliegen, sind verletzt oder alt und hätten laut Lang in der Natur keine Überlebenschance mehr. Dennoch herrscht großes Hallo beim Besuch der fliegenden Kameraden.

In wenigen Minuten ist die Aufregung dann vorbei und es kehrt Ruhe ein. Mit sanftem Flügelschlag erheben sich die Störche in die Luft, manche lassen sich in den umliegenden Nestern nieder, um den langen Schnabel zum Mittagsschläfchen unters aufgeplusterte Gefieder zu schieben. Wieder andere haben sich auf dem Kirchturm niedergelassen – genauso wie vor 40 Jahren.

Das Storchengehege befindet sich am Storchenweg in Kandern und kann immer besucht werden. Fütterungszeiten sind im Winter täglich um 16 Uhr, im Sommer um 17 Uhr.

Autor: unsere Mitarbeiterin Maja Tolsdorf