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08. Oktober 2009

Grundeinkommen – nur eine Frage der Philosophie

Götz Werner sprach zum Auftakt des Studium Generale

LÖRRACH. Wer Kostenmodelle erwartet hatte, der wurde ein wenig enttäuscht: Am Dienstagabend referierte Professor Götz Werner, Chef der Drogerie-Kette "dm" und Anthroposoph, im Auditorium der DHBW Lörrach unter dem Titel "Freiheit, Gleichheit, Grundeinkommen". Dabei ging es dem Selfmade-Milliardär und Vorzeigeunternehmer nicht um Zahlen, sondern um Menschenbilder und Arbeitsauffassungen, um Verantwortung und Wertschätzung.

Brechend voll war der Saal bei dieser ersten Veranstaltung im Studium Generale. Alle wollten es hören: Wie kommt ein Großunternehmer und Chef von 32 000 Mitarbeitern auf die Idee, jedem Menschen monatlich ein Einkommen zur Verfügung zu stellen, das ihn bescheiden, aber in Würde leben lässt und ihn vom Zwang zur Arbeit entbindet? Bald machte Werner mit Witz und Anschaulichkeit klar, dass es hier eher um Philosophie ging denn um Betriebswirtschaft. Er schoss gegen Karriere-Systeme, die intelligente Menschen zu dummen Entscheidungen treiben. Leben könne man nicht von Geld, sondern letzten Endes nur von den Leistungen anderer in einer Nicht-Selbstversorger-Gesellschaft, stellt Werner klar. Werner will mit seinen Ideen das Menschenbild einer ganzen Gesellschaft umkrempeln. Einkommen und Arbeit sollten durch ein Grundeinkommen entkoppelt werden, denn wer arbeite, der entwickle sich, wer für sein Einkommen schufte, der wolle nur überleben. Auch die Vorstellung, dass Arbeit gesichert werden müsse, sei paradox, immerhin versucht der Mensch doch seit jeher, Arbeit einzusparen. Wer hier von Erhalt spreche, der meine das Einkommen. Ergo wird mancherorts unter viel Schweiß Arbeit verrichtet, nur um der Rechtfertigung der Auszahlung eines Einkommens Willen. "Sollen sie doch bei Opel weiter Autos bauen und wieder auseinander bauen und wieder zusammenbauen" bringt Götz Werner dieses Argument auf den Punkt.

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Und dann, endlich, eine Zahl: 30 Milliarden Mehrkosten erwartet der Referent für sein Modell. Diese jedoch seien ja schon bezahlt, wirft er locker in den Raum. Jedes Konsumgut im Supermarkt sei schließlich in Produktion und Einkauf schon finanziert, Folgekosten entstünden erst, wenn niemand das Geld hat, das Produkt zu kaufen.

Es kommen kaum Zweifel auf, dass Werner noch stundenlang weiter parlieren, weiterhin an passenden Stellen Unmengen von Zitaten von Shaw und Einstein, Rousseau, Goethe oder Schiller einstreuen könnte. Doch nun kam das Publikum zu Zug. Ob denn die Migration nach Deutschland nicht außer Kontrolle geriete bei einem so attraktiven Mindest-Lebensunterhalt? Werner kontert, dass das kein Problem des Grundeinkommens sei. Ob es denn schon Pilotversuche zum Grundeinkommen gebe? Ja, die gebe es, in Namibia zu Beispiel. Und dann die Glaubensfrage: Könnten die Menschen mit ihrer neuen Freiheit überhaupt umgehen? Die gleiche Frage, erzählt er, habe sich für viele auch gestellt, als er in seiner Drogeriemarktkette auf ein alternatives Modell umgestellt habe. Er sei nicht enttäuscht worden.

Autor: Niklas Ehrentreich