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10. November 2017

Hebels unvergleichlicher Ton

Biblische Geschichten sind im Luther-Jahr neu herausgegeben worden / Lesung in Buchhandlung Kastl.

  1. Thomas Weiß las aus Hebels neu herausgegebenen biblischen Geschichten vor. Foto: David-Wenk

LÖRRACH. Ort und Zeit waren geeignet: Das Luther-Jahr ist noch nicht vorbei, auf den Reformator hat sich Johann Peter Hebel im Vorwort seiner biblischen Geschichten auch 300 Jahre später berufen. Thomas Weiß hat diese nun gemeinsam mit Karl-Josef Kuschel, emeritierter Professor der katholischen Theologie in Tübingen neu herausgegeben.

Kuschel las daraus in der Buchhandlung Kastl gegenüber der evangelischen Stadtkirche und unweit Hebels ehemaliger Wirkungsstätte. Ein Dutzend Hebelfreunde interessierten sich für die literarischen Nacherzählungen der Bibel des ersten Prälaten der badischen Landeskirche. 1823 ist das Buch zum ersten Male erschienen, die letzte Ausgabe des Manesse Verlags ist schon seit langem vergriffen.

Kanderner Kirche auf dem Cover

Beim Verlag Klöpfer und Meyer in Tübingen ist nun die Neuausgabe herausgekommen mit August Mackes Bild der evangelischen Kirche in Kandern auf dem Umschlag. Thomas Weiß, Pfarrer in Baden-Baden, erzählt, er habe um dieses Cover beim Verlag kämpfen müssen, doch das Bild sei ihm wichtig. Seine erste Pfarrerstelle war in Kandern, nachdem er in Lörrach als Vikar tätig gewesen war.

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Die biblischen Geschichten des Alten und Neuen Testaments erhalten diesen unvergleichlichen Hebelton, diese dem Menschen zugewandte Sprache, die lehrend und belehrend, aber nie schulmeisternd ist, die trotz der Schwere ihres Inhalts stets federleicht und sinnenfroh daherkommt. Die Erschaffung der Erde ist beispielhaft für Johann Peter Hebels Umgang mit dem biblischen Stoff.

Der zweite Satz aus dem Buch Genesis lautet im Original "die Erde war wüst und leer", und bei Johann Peter Hebel war "die Erde nicht alsbald so schön wie sie jetzt ist, eingerichtet zur Wohnstatt der Menschen". Bei Johann Peter Hebel haben die Geschichten immer den unmittelbaren Bezug zu den Menschen, die sie zu seiner Zeit gehört haben.

Hebel zog sich vielleicht Unbill zu

Die Geschichte um die Errettung des Moses durch die Tochter des Pharao wird um einen kleinen Zusatz erweitert: Gott rührte das Herz der Königstochter, und so erbarmte sie sich des Kindes. Er hat durch die ungläubige Prinzessin gewirkt und Moses gerettet. Hebel hat diesen Umstand herausgestellt und sich somit vielleicht auch den Unbill frömmelnder Kirchenoberen zugezogen. Obwohl die biblischen Geschichten auf Geheiß der badischen Regierung entstanden sind, wurden sie, allerdings lange nach Hebels Tod, wieder von den Schulen entfernt.

Thomas Weiß las einige der Geschichten vor, zitierte seinen Mitherausgeber Karl-Josef Kuschel und berichtete von seinem Alltag als Lehrer in einer Grundschule, wie heute Hebels biblische Geschichten wirken. Ein nachdenklicher Abend voller leiser Wehmut und unerschütterlichem Gottvertrauen.

Johann Peter Hebel: Biblische Geschichten, herausgegeben von Thomas Weiß und Karl Josef Kuschel, Verlag Klöpfer und Meyer 24 Euro.

Autor: Martina David-Wenk