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21. März 2017

Illustre Zeitreise durch Zappas Werk

Tribute-Band Grandsheiks begeistert im Burghof Lörrach.

  1. Daniel Guggenheim Foto: Mink

Frank Zappa, einer der provozierendsten und genialsten Musiker der Rock- und Jazz-Geschichte, ist seit 23 Jahren tot. Aber seine Musik hat das Zeitlose großer Kunst und ist lebendig, packend und faszinierend wie eh und je. Das bewies am die Tribute-Band Grandsheiks im Burghof Lörrach auf eindrückliche Weise.

"Sheik Yerbouti" heißt eines der erfolgreichsten Alben von Frank Zappa. Genauso nannte sich auch die Band, bevor sie nach einer Umbesetzung zu Grandsheiks wurde: sechs Musiker, die mit Leidenschaft, Spaß und dem Können, das für Zappas Musik Voraussetzung ist, seine Musik am Leben erhalten. Nach der Eröffnung mit "Let’s Move To Cleveland" kamen dann auch gleich zwei Songs aus Zappas Sheik-Yerbouti-Album, "Dancing Fool" und "Broken Hearts Are For Assholes", dem Album mit dem er die Oberflächlichkeit und zur Schau getragene Coolness der Diskowelt auf die Schippe nahm. Mitreißend, voller Druck und mit jeder Menge Energie spielte die Band Zappas Stücke. Der aus Offenburg stammende Sänger Maximilian Hilbrand und die Musiker imitierten gekonnt Zappas zynischen Humor und seine Rotzigkeit, und sie agierten mit umwerfendem musikalischen Können. Ohne das ließe sich Zappas Musik auch gar nicht bewältigen, mit ihrer Vielschichtigkeit, ihren permanenten Tempowechseln und ihren überraschenden Wendungen. All das setzte die Band mit verblüffender Virtuosität überzeugend in Szene.

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Der aus Zürich stammende und vom Jazz kommende Daniel Guggenheim scheint der musikalische Leiter der Gruppe zu sein, der nicht nur Keyboards spielt, sondern auch Tenor- und Sopransaxophon und mehrfach mit expressiven Saxophonsoli begeisterte, die lyrisch begannen und einem ekstatischen Höhepunkt zustrebten. Mit Jörg Heuser und Thomas Schmittinger hatte die Band zwei faszinierende Gitarristen, die sich mit Lead- und Rhythmus-Funktion abwechselten und die beide für irrwitzige, der Musik Zappas alle Ehre machende Soli sorgten. Andi Mertens spielte eine sechssaitige Bassgitarre, die mehr als nur Rhythmus-Instrument war, und am Schlagzeug groovte Christian Majdecki lässig zwischen Rock und Jazz und erhielt für ein tolles Solo viel Applaus.

Bekanntlich waren Frank Zappa Stilgrenzen gleichgültig, und so mischen sich in seiner Musik klassische Kompositionsmuster mit Rock und Jazz, und zwischendurch kann auch mal ein Marschrhythmus ertönen. Jeden Moment kann bei dieser Musik das absolut Unerwartete passieren, was die Grandsheiks mit Perfektion inszenierten. Die Band bot eine illustre Reise durch Zappas Werk, frühe Stücke wie "Brown Shoes Don’t Make It" standen neben späteren wie "The Torture Never Stops", schrägen wie "Why Does It Hurt When I Pee" oder dem philosophierenden Hund Fido aus "Stink-Foot", der als sprechende Hundepuppe mit Maximilian Hilbrand einen Live-Auftritt hatte.

Zweieinhalb Stunden spielte die Band ohne Pause und mit voller Kraft, und das Publikum im Burghof-Foyer, vor allem eingefleischte Zappa-Fans, war restlos begeistert. Noch zwei Zugaben gewährte die Band, "Mr. Green Genes" und "My Guitar Wants To Kill Your Mama", als Abschluss einer Zeitreise, die bewies, dass Zappas Musik, von Könnern gespielt, nie alt wird.

Autor: Thomas Loisl Mink