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11. Januar 2011 17:33 Uhr

Gedenken

Keine Stolpersteine für Lörrach

In Lörrach wird es wohl keine Stolpersteine geben. Die Israelitische Kultusgemeinde ist dagegen, die Stadt schließt sich dieser Auffassung an.

  1. Gedenkstein für die deportierten Lörracher Juden im Museumshof, geschaffen von Schülern der Realschule. Foto: S. Ehrentreich

Eigentlich war die Einweihung der Stele zum Gedenken an die im Oktober 1940 ins südfranzösische Konzentrationslager Gurs deportierten Lörracher Juden für den 27. Januar, den Holocaust-Gedenktag, geplant. Aus Termingründen wichtiger Teilnehmer muss umdisponiert werden. Der neue Termin soll im Frühjahr liegen.

Ungeachtet jüngster Vorschläge, auch in Lörrach Stolpersteine zu setzten, halten die Stadt und die jüdische Gemeinde die Art des hier gepflegten Gedenkens für angemessen.

In einem Leserbrief in der BZ hatte kürzlich Klaus Th.Guenter, ehemals Lehrer am HTG, angeregt, so genannte Stolpersteine vor den Häusern derer zu setzen, die in Gurs und durch Gurs gestorben sind. In mehr als 500 Gemeinden gibt es unterdessen die Stolpersteine, die der Kölner Bildhauer Gunter Demnig erfunden hat. Auch die Grünen im Gemeinderat hatten im September vorgeschlagen, durch Stolpersteine jener Bürger zu gedenken, die sich gegen die Nazidiktatur zur Wehr setzten und dies, wie die Lörracher Kommunisten Eugen Reinert, Joseph Hottinger und Rene Kron, mit dem Leben bezahlen mussten. Daneben hielten auch die Grünen, wie die anderen Ratsfraktionen, das in Lörrach gepflegte Gedenken für angemessen.

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Die Namen nicht mit Füßen treten

Wolfgang Fuhl, Oberratsvorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Baden und im Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Lörrach, wendet sich gegen Stolpersteine. Da werde auf den Namen und mithin symbolisch auf die Opfer getreten, viele gingen auch einfach achtlos darüber hinweg, so die Erfahrungen in Städten, in denen Stolpersteine gesetzt wurden. Hunde verrichteten bisweilen darauf ihre Notdurft, nennt Fuhl weitere Erfahrungen und manchmal würden diese Gedenksteine von Neonazis und anderen Antisemiten gezielt angespuckt. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Lörrach ist einstimmig dagegen.

Der Oberratsvorsitzende spricht sich im BZ-Gespräch für interaktive Projekte aus, in denen die Schoa eingeordnet wird. Er halte den Holocaust-Gedenktag für ausreichend und solche Projekte wie in Lörrach. Hier wurde 2005 im Hof des Museums am Burghof ein von Schülern der Theodor-Heuss-Realschule gestalteter Gedenkstein für die Opfer des Lagers Gurs aufgestellt, dessen Gegenstück in der zentralen badischen Gedenkstätte in Neckarzimmern steht.

Die Position wird im Lörracher Rathaus geteilt. Dagmar Fük-Baumann, stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Kultur und Medien, sagt, dass schon Fuhls Vorgänger im Amt des Oberratsvorsitzenden, Jakob Goldenberg, diese Haltung vertreten habe. Das habe sie nachdenklich gemacht und am Ende überzeugt. Zudem formuliert Fük-Baumann die offizielle Position dazu: "Die Stadt wird niemals ein Projekt gegen die Haltung der jüdischen Gemeinde realisieren."

Derzeit ist die Metallstele zum Gedenken an die 9140 nach Gurs deportierten Lörracher Juden in Arbeit. Sie wird in der Teichstraße aufgestellt. Zwischen Teichstraße und Marktplatz befanden sich einst wichtige jüdische Einrichtungen, auch die 1938 von Nationalsozialisten zerstörte Synagoge. Die Einweihung der Stele werde voraussichtlich im Frühjahr sein.

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Autor: Nikolaus Trenz