Klare Vorstellung von der Zukunft

Maja Tolsdorf

Von Maja Tolsdorf

Mo, 24. April 2017

Lörrach

Melanie Schwaldat, die mit 15 Jahren Abi machen wird, ist wird als "Talent im Land" gefördert.

LÖRRACH. Nachdem ihr Bruder Arthur Schwaldat bereits "Talent im Land" ist und vom Schülerstipendium der Robert-Bosch- und der Baden-Württemberg-Stiftung gefördert wird, hat sich ein Jahr später auch seine Schwester Melanie erfolgreich beworben. Sie wird seit September ebenfalls gefördert.

"Ich bin erstaunt und begeistert zugleich, dass ich auch aufgenommen wurde", sagt die 14-Jährige. Sie habe nicht so recht daran geglaubt, weil ihr Bruder bereits Stipendiat ist. Die Förderung begleitet die Geschwister nun auf dem Weg zum Abitur. Die Familie ist auf die Unterstützung angewiesen. Mutter Lidia Schwaldat erzieht die beiden seit dem Tod ihres Ehemannes 2007 allein. Sie unterstützt ihre Kinder, so gut sie kann, doch kann die Stadtteilmutter, die Migranten bei Behördengängen begleitet, aus gesundheitlichen Gründen nur 50 Prozent arbeiten.

"Sie steckt wirklich jeden Cent, den sie verdient, in unsere Zukunft, weil sie will, dass wir einmal alle Chancen haben", sagt Melanie. Die Schülerin besucht die Freie Evangelische Schule, die Schulgeld erhebt. Dafür wird der größte Teil des monatlichen Förderbetrags von 150 Euro verwendet. Für die Schülerin hat die Wahl der Schule auch gesundheitliche Gründe. Seit einer Schulterverletzung kann sie keine schweren Taschen mehr tragen. Die FES ist gleich bei ihr um die Ecke und hält Lernexemplare vor. Da können die eigenen Bücher zu Hause bleiben.

Derzeit besucht Melanie die elfte Klasse, sie wird mit 15 Jahren Abitur machen. Die Hochbegabte hat drei Klassen übersprungen. "Ich habe mich inzwischen daran gewöhnt, immer die Jüngste zu sein". Dennoch liegt der 14-Jährigen nicht jedes Fach gleich gut. Philosophie, Geschichte, Politik und Sprachen begeistern sie und fallen ihr leicht. In Mathematik leistet sie sich von ihrem Stipendium Nachhilfe, die zuvor ihre Mutter bezahlt hat. Bereits im Kindergarten sei aufgefallen, dass Melanie extrem schnell lerne, ein IQ-Test ergab einen Wert von 145. Weil sie bei der Einschulung schon lesen und schreiben konnte, begann der Unterricht für sie in der dritten Klasse.

Melanie schreibt gern und viel. Eine große Hilfe ist ihr der Computer, den sie nun finanzieren kann. Mit einer Seminararbeit über ein Jahr hofft sie, sofern die Note stimmt, sich die mündliche Abiturprüfung sparen zu können. Nach dem Abschluss will sie Digitale Medien in Karlsruhe studieren. Doch weil sie sich mit 15 Jahren noch zu jung dazu fühlt, wird sie zunächst eine dreijährige Ausbildung zur Mediengestalterin machen.

Info: "Talent im Land" unterstützt Schüler aus dem Land, die aufgrund sozialer Faktoren Hürden auf dem Weg zu Abitur oder Fachhochschulreife überwinden müssen. Gefördert wird finanziell, durch Seminare und Beratung. Nach dem Abi können sich die "Talente" für das Programm engagieren.