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02. Dezember 2008
Korsische Gesänge im Kerzenschein
Mit Jacky Micaelli und ihrem Ensemble begannen die "Stimmen im Advent" in der St. Bonifatiuskirche in Lörrach
Zu den Weihnachtstraditionen in Korsika gehört es, Holzscheite zu sammeln, damit durch die Gassen zu ziehen und den Holzstoß an Heiligabend vor der Dorfkirche zu entzünden – als Schutz vor Unglück und Krankheit. Auch werden in der Heiligen Nacht die Türen offen gelassen für die Vorfahren. Da passte es sehr schön, dass ein korsisches Gesangsensemble die Türen zu den "Stimmen im Advent" öffnete und die St. Bonifatiuskirche in Lörrach zum Auftakt der adventlichen Reihe stimmungsvoll von Kerzenschein erhellt war.
Die Stunden mit Musik und Lesung sollen Wege zur Einkehr, zur Besinnung, zur Ruhe in der vorweihnachtlichen Hektik bieten. Diese Atmosphäre schufen die Sängerin Jacky Micaelli und ihr Ensemble auf verzaubernde Weise mit den geistlichen und weltlichen Gesängen aus Korsika. Die Seele des korsischen Liedes, so heißt es, ist die "pulifunia", die Polyphonie. Auch Jacky Micaelli und ihre drei Mitsängerinnen und -sänger widmen sich dieser seit einiger Zeit wieder auflebenden Gesangstradition der alten korsischen Polyphonien. Ihr mehrstimmiger A-cappella-Gesang klang voller Kraft und Klarheit und erfüllte den Kirchenraum mit einem anschwellenden Klang so tragend und schwingend wie Glocken. Fast durchgängig hatten die auf korsischer Volksmusik, aber auch auf sakraler Musik beruhenden Gesänge einen meditativen Charakter.
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Die Nähe zu liturgischem Gesang war zu spüren, vor allem in den geistlichen Gesängen, dem Kyrie Eleison, Sanctus und Agnus Dei. Es war die große Intensität, Authentizität und ehrlich empfundene Gläubigkeit, mit der Jacky Micaelli und ihre drei Mitsängerinnen diese Gesänge vortrugen. Etwas Beschwörendes und eine tiefe Innigkeit und Wärme hatten auch die Lieder zur Verehrung Marias. Es war faszinierend zu hören, welches Volumen die Stimmen dieser vorzüglichen Sängerinnen und Sänger erreichen können. Vor allem ragte immer wieder Jacky Micaellis Stimme heraus, teils auch solistisch, volltönend und bewegend.
Die Konzeption und Dramaturgie von Marion Schmidt-Kumke sieht bei den "Stimmen im Advent" immer eine Verbindung von Klang und Wort vor. Zu den korsischen Stimmen wählte sie Texte aus "Der kleine Prinz" aus, jene poetisch-philosophische Geschichte vom Piloten, der in der Wüste notlandet und dort dem kleinen Prinzen begegnet, der von einem fremden Planeten kommt und auf der Erde gelandet ist.
Behutsam in der Art einer szenischen Lesung und einem lebendig anrührenden Vortragsstil teils wie im Dialog mit verteilten Rollen nahmen die Schauspielerinnen Stefanie Klimkait und Andrea Casabianchi die Zuhörer mit dem Zauber dieser Erzählung gefangen. Immer wieder hört man sie gern, die Szenen, in denen der kleine Prinz den Blumen oder dem Fuchs begegnet, der von ihm gezähmt werden will und ihn so vieles lehrt über Freundschaft, Vertrauen, Abschied und das Geheimnis, dass man nur mit dem Herzen gut sehen kann. Ein herzerwärmendes Märchen, das Türen, Seelen und Herzen öffnet so wie die korsischen Lieder. Und wenn zum Schluss die beiden Sprecherinnen zusammen mit den Sängerinnen im Altarraum versammelt stehen und der Gesang sich intensiv zu einer berauschenden Klangfülle steigert, dann bekommt man eine Ahnung vom wirklichen Weihnachtsgedanken, der etwas Friedlich-Versöhnendes hat.
Autor: Roswitha Frey
