Integration

Lörrach: Ehrenamtliche geben Deutschkurse für Frauen

Sarah Beha

Von Sarah Beha

Fr, 02. Juni 2017

Lörrach

Zwischen den Zeilen steht Integration: Ehrenamtliche geben in Lörrach täglich Deutschkurse für Frauen.

LÖRRACH. "Die Wiese der Ehrenamtlichen scheint abgemäht zu sein." Das stellt Hanna Otter fest, die in Brombach und Stetten Deutschkurse von Ehrenamtlichen für Frauen initiiert hat. Jetzt ist sie auf der Suche nach neuen Mitstreiterinnen, um die Kurse auch im Bereich Innenstadt und Nordstadt anbieten zu können. Mit den täglichen Deutschkursen soll den Frauen vor allem die Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht werden.

Mit Unterricht in der Nordstadt wäre ein weiteres wichtiges Gebiet abgedeckt, denn die Kurse funktionieren nach dem Prinzip "nah und kurz", erklärt Hanna Otter. So können Frauen mit Kindern und solche, die aus anderen Gründen nicht an einem staatlich finanzierten Deutschkurs teilnehmen, die deutsche Sprache lernen.

Inticar ist eine dieser Frauen. Die 68 Jahre alte Syrerin könnte die offiziellen Deutschkurse, die täglich mehr als vier Stunden dauern, gesundheitlich nicht durchstehen. In ihrer Heimatstadt Aleppo hat sie selbst unterrichtet. "Arabisch für Waisenkinder", erklärt sie mit dem bisschen Deutsch, das sie schon gelernt hat, an einem dieser Morgen im Gemeindehaus St. Fridolin in Stetten. In zwei Räumen – vorne beim Eingang die Fortgeschrittenen und einen Raum weiter die Anfängerinnen – treffen sich die Frauen dort täglich, um für 60 bis 90 Minuten Deutsch zu sprechen und zu lernen.

Die Frauen wohnen in Stetten und viele von ihnen können, so wie Inticar, nicht einfach in die Innenstadt in die Integrationskurse. "Der andere Kurs geht viel zu schnell. Ich habe meistens nichts verstanden", erzählt eine Kursteilnehmerin aus dem Iran. Dazu kommen auch bei ihr gesundheitliche Probleme. Vier Stunden Unterricht machen ihre Beine nicht mit.

"Vor kurzem war ich mit meinem Sohn beim Arzt. Normalerweise muss er immer für mich sprechen, weil der Arzt meine Erklärungen nicht versteht. Letztes Mal aber hat mein Sohn nicht sprechen müssen. Der Arzt hat alles verstanden", erzählt die Iranerin freudig und dankt ihren Lehrerinnen. "Bei ihnen verstehe ich alles viel besser."

Ulrike Seeburg und Sandrine Gyurakovics nehmen das Kompliment gerne an. "Wir wiederholen natürlich auch sehr viel", erklärt Ulrike Seeburg. Sie ist eine der zwei Bundesfreiwilligen, die für die Schubert-Durand-Stiftung arbeiten und die sich für die Kurse engagiert. "Das ist toll für mich. So konnte ich die Organisation der Gruppe in Stetten in kompetente Hände geben", sagt Hanna Otter.

Begonnen hat Otter mit den Kursen vor zwei Jahren in Brombach, nachdem sie Kontakt zu zwei geflüchteten syrischen Familien hatte, in denen die Frauen kein Wort Deutsch sprechen konnten. Aus dem kleinen Vorhaben wurden tägliche von Ehrenamtlichen angebotene Deutschkurse, sogar mit unterschiedlichen Niveaus. "Die Frauen, die unterrichten, sind meist keine Lehrerinnen und bringen nicht immer Erfahrungen mit. Es funktioniert trotzdem."

Nicht alle Frauen, die zum Unterricht kommen, sind Flüchtlinge. Auch ein paar Migrantinnen, die teilweise schon seit Jahrzehnten in Deutschland leben, lernen hier zum ersten Mal richtig Deutsch. "Ich habe es bei der Arbeit nie gebraucht, weil ich in einem italienischen Restaurant gearbeitet habe", erzählt eine der Frauen, die in Stetten den Kurs für Fortgeschrittene besucht. Sie hat ihre einjährige Tochter dabei, die ruhig im Kinderwagen schläft, während Lehrerin Annette Windhausen den Frauen die Deklination von Adjektiven erklärt.

"Mit den Kursen helfen wir nicht nur den Frauen. Es ist auch für die Kinder wichtig. Sie müssen nicht immer für die Mama übersetzen", sagt Annette Windhausen. Darin sind sich die Lehrerinnen einig. Ohne die Mütter, so Otter, könne die Integration nicht gelingen. Deshalb sehe sie in der ehrenamtlichen Arbeit mittlerweile einen höheren Wert als das einfache Helfen: "Es ist schade, dass das von staatlicher Seite nicht erkannt wird."

Damit die ehrenamtlichen Deutschkurse noch mehr Frauen erreichen können, sucht Hanna Otter noch engagierte Mitstreiterinnen. "Sie müssten keine Vorkenntnisse haben und nur an einem Vormittag in der Woche für 60 bis 90 Minuten Zeit haben." Und wenn man es möchte, fügt sie hinzu, entstünden aus dem kleinen Engagement ganz tolle Freund- und Bekanntschaften.

Kontakt: Frauen, die unterrichten möchten, können sich bei Hanna Otter unter Telefon 07621/174 935 oder per E-Mail an die Adresse hanna.hund@web.de melden.