Mit allen Sinnen säen

Sarah Nagel

Von Sarah Nagel

Fr, 17. April 2009

Lörrach

Die schönsten Gärten sollen sich nicht mehr hinter Zäunen verstecken / Aktion "Offene Gartentür".

Im Garten von Günter Rosskopf geht es international zu: Japanischer Spitzahorn, Französische Aprikose und Serbische Kiefer wachsen zum Beispiel nebeneinander in den Himmel. Am letzten Mai-Wochenende will der Hobbygärtner Rosskopf die Früchte dieser gelungenen Integration bei der Aktion "Offene Gartentür" mit allen Interessierten teilen – wenn seine Pfingstrosen am schönsten blühen. Die ersten Pforten anderer Gärten öffnen bereits am kommenden Wochenende.

LÖRRACH. Am Froschteich in Günter Rosskopfs Garten steht ein Bild von Klimt, "Das Blut der Fische". Das letzte Blattgold bröckelt gerade vom Rahmen in den Teich – in seinen Garten investiert Günter Rosskopf gerne. Vor allem Zeit. Seit er sich 2001 von der Arbeit in seinem Restaurant "Kranz" in Lörrach zurückgezogen hat, verbringt der 69-Jährige jede freie Minute in seinem Garten. Er nimmt Nachhilfeunterricht im Baumschneiden beim Baumbeauftragten des Landkreises, sät, gießt und zupft. Schon als Kind wollte Rosskopf Gärtner werden – oder Koch. "Im Garten und in der Küche kann und muss ich mit all meinen Sinnen arbeiten. Darum mag ich beides so gerne", sagt Rosskopf. Da der Garten bis zur Rente warten musste, bekommt er jetzt um so mehr Aufmerksamkeit.

Beim Gartenbesuch gibt’s auch Tipps

Die Pfingstrosen haben sich – neben den Hortensien – zu seinen Lieblingen entwickelt, und weil sie Ende Mai am schönsten blühen, soll da auch die Gartenpforte offen stehen. Im vergangenen Jahr haben etwa 100 Besucher Günter Rosskopfs Blüten bestaunt: "Ich mache meinen Garten ja nicht für mich alleine", erklärt Rosskopf. Es sei spannend, sich mit anderen Gärtnern zu unterhalten, Setzlinge auszutauschen oder sich gegenseitig Tipps zu geben. Das schönste an der Aktion "offene Gartentür" sei es aber, die anderen Gärten zu sehen. Wie den schlichten Garten mit dem vielen Bambus in Adelhausen. "Es muss ja nicht überkultiviert sein", sagt Rosskopf. Am meisten beeindruckt hat ihn der Irisgarten von Fritz Lehmann, dem Initiator der Aktion. "Sein Garten sucht seinesgleichen", schwärmt Rosskopf, der selber von Lehmann überzeugt wurde, seine Pforten zu öffnen. Jetzt suchen die beiden weitere Gartenbesitzer, die sich der Aktion anschließen.

Bedenken, die Besucher würden zarte Setzlinge zertrampeln, wischt Günter Rosskopf mit einer Handbewegung fort: "Die Menschen wollen nur etwas Schönes sehen". Wie die üppige Vielfalt in seinem Garten. Da wächst neben der internationalen Pflanzenpracht ein ganzer Obstsalat: Aprikosen, Pfirsiche, Äpfel und Kirschen zum Beispiel.

In den Kirschbäumen hängen zum Schutz vor kirschenfressenden Amseln Silberstreifen. Die Amseln sind davon allerdings herzlich unbeeindruckt, mampfen munter weiter und danken’s mit Gezwitscher. Überhaupt scheinen sich nicht nur menschliche Besucher, sondern auch die Tiere wohl zu fühlen in Rosskopfs Garten: Der Igel, die Katze "Hexe" und natürlich Kröten und Frösche. In diesem Jahr haben sie neben Klimts Kunst erstmals in einem Strang gelaicht, der aussieht wie eine glibberige Kette. Rosskopf ist schon gespannt, was dabei rauskommt.

Erster Termin der "Offenen Gartentür 2009" bei Katharina Kaltenbach, Rheinweg 9, in Neuenburg-Zienken, am 18. und 19. April, 10 bis 18 Uhr; http://www.grenzenlos-gruen.de

Anmeldungen und weitere Informationen bei Fritz Lehmann 0173-3422537, http://www.irisparadies.de