Mit den Aufgaben gewachsen

Sabine Ehrentreich

Von Sabine Ehrentreich

Fr, 21. Juli 2017

Lörrach

In 50 Jahren hat die Kaltenbach-Stiftung immer mehr Zweige integriert / Der Zuschuss der Stadt wird neu verhandelt.

LÖRRACH. Am Wochenende feierte die Kaltenbach-Stiftung, dass es sie seit einem halben Jahrhundert gibt – ungefähr. 1965 wurde eine Förderstiftung gegründet, acht Jahre später mit dem Südbau und dem Spiel- und Werkplatz der Grundstein für das Zentrum für Spielen und Gestalten gelegt. Seither wächst die Stiftung mit ihren Aufgaben, 103 Mitarbeitende hat sie heute. Die Stadt hat weite Felder der Jugend- und Ferienarbeit an den freien Träger übertragen und bezuschusst das. Zuletzt zahlte sie jährlich 200 000 Euro.

Der finanzielle Rahmen für die kommenden Jahre wird im Herbst vom Gemeinderat neu entschieden. Es wird in den Beratungen nach den Ferien um eine Aufstockung gehen, da etwa Gehaltserhöhungen aufgefangen werden müssen. Joachim Spross, Leiter des städtischen Fachbereichs Jugend/Schule/Sport, befürwortet das. Jugendpflege und Ferienangebote in Lörrach seien so gut aufgestellt, weil es die freien Träger gebe – neben der Kaltenbach-Stiftung vor allem den SAK. Im Land sei man da qualitativ sicher mit an der Spitze, sagt Spross. Dafür müssten die notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Während Teile der Stiftungsarbeit im Auftrag der Stadt Lörrach und anderer Kommunen geleistet werden, kommen die Mittel für eigene Aktivitäten aus Stiftungserträgen, die in Zeiten niedriger Zinsen nur schwer zu erwirtschaften sind. Vermehrt werde auch um Spenden geworben, sagen die beiden Geschäftsführer Bernd Schandera und Iris Teulière. Gegründet wurde die Stiftung, deren Zweck die Persönlichkeitsbildung ist, von Dieter Kaltenbach, der die Lörracher Maschinenfabrik gleichen Namens zu weltweitem Erfolg führte. Seine Frau Christine begleitet die Familienstiftung bis heute. Ihr Mann fand, dass das Kreative zu kurz komme, erinnert sich Christine Kaltenbach. Kopf und Hand – das gehöre zusammen. So war und ist der Kreativbereich ein Kern der Aktivitäten.

War das Zentrum zunächst für den Nachwuchs da, kamen ab 1978 über die Kooperation mit der Volkshochschule Erwachsene hinzu. Der neue Mittelbau wurde zum Werkstatthaus für die Kreativangebote der VHS und ist es bis heute. 1986 folgte der Nordbau. Derweil kamen immer neue Aufgaben dazu. 1992 zog eine erste Hortgruppe in den Mittelbau ein. Wie es dazu kam, ist charakteristisch für die Haltung des Teams an der Inzlinger Straße: Es kamen mehr und mehr Kinder aufs Gelände, bei denen mittags niemand zu Hause war. Es war klar, dass man sich um sie kümmern müsse, erinnert sich Frieder Kaltenbach, der die Arbeit hier seit Jahrzehnten maßgeblich mitgestaltet. Auch Ferienbetreuung, die mit den veränderten Familienstrukturen immer wichtiger wurde, gehört längst dazu.

Mit der Bebauung von Stetten-Süd kam die Stadtteilarbeit dazu. Jugendliche Spätaussiedler fanden hier eine Heimat und Angebote, nach einigen Jahren hatten sich die Probleme rund um diese Gruppe weitgehend ausgewachsen. Die Jugendarbeit wuchs derweil über das Zentrum hinaus. Heute ist die Stiftung in der Jugend- und Schulsozialarbeit in den Lörracher Ortsteilen und Tumringen tätig, in Weil, Rheinfelden, Steinen, Kandern. Mobile Jugendarbeit gehört genauso zum Profil wie Hilfe für junge Menschen mit erhöhtem Betreuungsbedarf. Immer wieder hat die Stiftung auf gesellschaftliche Veränderungen und Anforderungen reagiert, so auch mit der Kindertagesstätte "Am Bächle", die es seit 2013 gibt.

Viele in Lörrach verbinden mit dem Zentrum für Spielen und Gestalten Erinnerungen – an die Feste und Jazzfrühstück-Veranstaltungen, an Besuche der Kerzenküche, Volkshochschulkurse, daran, dass sie ihre Kinder hier im Ferienprogramm gut aufgehoben wussten und an vieles mehr. In einem halben Jahrhundert wuchs die Stiftung zum mittelständischen Unternehmen.

Unter den Mitarbeitenden herrsche eine "wunderbare Stimmung", sagt Christine Kaltenbach. Das sorgt für Stabilität im Team und überträgt sich auf alles, was hier geschieht. "Einen Glücksfall für die Stadt" nannte Oberbürgermeister Jörg Lutz die Stiftung beim Fest am Wochenende. Viele, die über die Stadt hinaus von den Angeboten profitieren, werden das auch so sehen.