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09. Dezember 2010
Nach Lörrach die Synagoge für Konstanz
Architekt Fritz Wilhelm plant das neue jüdische Gotteshaus am Bodensee / Vernunft und Klarheit.
LÖRRACH (ktz). Die Synagoge in Lörrach hat den Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden überzeugt. Dessen Vorsitzender Wolfgang Fuhl kommt aus Lörrach und hat in dieser Funktion wie im Gemeindevorstand sehr eng mit den Architekten Fritz Wilhelm und Frank Hovenbitzer (Wilhelm Hovenbitzer Partner) zusammengearbeitet. So kommt das Lörracher Büro nun zu einem Folgeauftrag: die neue Synagoge in Konstanz.
"Eine schwierige Aufgabe", sagt Fritz Wilhelm, der sich gleichwohl über diese Entwicklung freut; ebenso darüber, dass der Bau in Lörrach Beachtung findet. In der jüngsten Ausgabe des Deutschen Architektenblattes, das sich im Schwerpunkt "Gotteshäusern" – jüdischen, christlichen, islamischen, interreligiös nutzbaren Räumen der Stille – widmet, wird die Lörracher Synagoge betrachtet. Sie findet sich auch im Band "Gebauter Aufbruch – Neue Synagogen in Deutschland" (2010, Verlag Schnell+Steiner).
Lörrach und Konstanz hatten beziehungsweise haben die ähnlich schwierige Ausgangslage, ein nicht eben üppiges Grundstück zu bebauen. In der Münster-Stadt soll die Synagoge in der Sigismundstraße am Rande der Altstadt entstehen. Dem Architekten macht zu schaffen, dass ein "ziemlich kaputter Altbau" (Wilhelm) in Teilen gerettet werden muss. Die Teile hält der emeritierte Professor der Konstanzer Hochschule für Technik und Gestaltung nicht alle für erhaltenswert. Gleichwohl ist im Büro an der Bergstraße ein Entwurf entstanden, der einen sieben Meter schmalen Synagogenneubau in die Baulücke schiebt und diesen Altbau als Nebengebäude nutzt. Da wird das Lörracher Prinzip mit dem Synagogenbau und dem Nebengebäude wieder erkennbar. Und es gilt der Grundgedanke, den Wilhelm in dem erwähnten Buch neue Synagogen so formuliert: "Wir wollen keine jüdische Architektur erfinden, sondern eine eigene zeitgenössische Architektur mit jüdischen Bezügen generieren." Vernunft, Klarheit und Verständlichkeit nennt er als Kennzeichen. Das gilt auch für die Aufgabe am Bodensee.
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Wilhelm sagt auch, was er jedoch generell für moderne Sakralbauten meint: "Eine Synagoge sollte sich gut sichtbar in den öffentlichen Raum stellen, denn er ist Teil einer jahrhundertealten Kultur in Deutschland." In Konstanz würde das einen Neubau bedeuten, für den der Architekt die Hoffnung noch nicht ganz begraben hat. Nächste Woche soll er das Projekt im Gemeinderat der Grenzstadt vorstellen.
Weil die Vorgaben bisher Altbauverwendung und Baulückenschluss beinhalten, gibt es bisher auch nur dafür ein Modell. Entwürfe hat Wilhelm auch für einen Neubau gezeichnet, von dem er meint, dass er selbstbewusster dastünde und überdies deutlich billiger käme.
Spannend sei die Aufgabe in Konstanz allemal und die Lörracher Erfahrungen, das vertiefte sich Einarbeiten in kulturelle und religiöse Grundlagen sowie die Bedürfnisse eines jüdischen Gebets- und Gemeindehauses, waren mit diesem weiteren Synagogenbau keine einmalige Angelegenheit. Kommt hinzu, dass das Lörracher Büro auch schon für das Synagogenprojekt in Rottweil im Gespräch war. Aber da sei nichts konkret.
Autor: ktz
