Die kleinste Brauerei im Landkreis

Naturprodukt mit Nuancen

Heidemarie Wussler

Von Heidemarie Wussler

Di, 26. Mai 2009 um 14:53 Uhr

Lörrach

Die kleinste Brauerei im Kreis Lörrach feiert ihr 10-jähriges Bestehen. Andreas Mülhaupt machte aus seinem Hobby einen Beruf und braut seither Bier in Brombach.

LÖRRACH-BROMBACH.Angefangen hat alles 1999, als Andreas Mülhaupt aus Interesse an der Bierbrauerei anfing zu experimentieren. Das Ergebnis war gut und das Bier wurde an Freunde und auch Kunden verkauft. Das lief so gut, dass der Hobbybrauer sich entscheiden musste – Selbstständigkeit oder nicht.

Waren es zu Beginn 50 Liter in der Woche, wuchs der Bierausstoß in den Jahren 2003 und 2004 auf 500 Liter Bier. Da auf dem Haus ein Gewerbe angemeldet war – Vater Mülhaupt betrieb eine Uhrenwerkstatt – musste dieses erhalten bleiben und so fiel die Entscheidung schließlich Richtung Selbstständigkeit. Seither braut Mülhaupt Woche für Woche 500 Liter Bier, helles und dunkles. Dazu kommt Saisonbier, momentan Maibock, ein etwas stärkeres Bier, dann Weihnachts- und Fasnachtsbier. Zum 10-Jährigen gibt es auch ein Jubiläumsbier. Andreas Mülhaupt zeigt eine Besonderheit, die er in seinem kleinen Brauhaus aufhebt: Eine vom Zoll versiegelte Flasche vom 6. November 1999, das erste Bier, das er gebraut hat.

Schon immer wurde das Bier in Bügelflaschen abgefüllt. Das sei ein traditioneller Sicherheitsverschluss, erklärt der Brauer. Die Etiketten sind ebenfalls selbst gestaltet. Die Flaschen werden in 9er-Holzkisten abgegeben. Diese fertigt Mülhaupt selbst an, sie sind unter den Kunden wohl sehr begehrt, der Rücklauf ist schleppend. Obwohl 10 Euro Pfand pro Kiste zu bezahlen sind. "1300 Kisten habe ich in den letzten fünf Jahren hergestellt" erzählt Mülhaupt. Abgefüllt wird auch in Zweiliterflaschen, der Kunde kann seine eigene Flasche füllen lassen.

Das Reinheitsgebot gilt natürlich auch für die kleine Brauerei. Der Wirtschaftskontrolldienst prüft dies. Hefe, Wasser, Hopfen und Malz werden verwendet. Zu Beginn pflanzte Mülhaupt sogar eigenen Hopfen an, mittlerweile bezieht er ihn aus Bayern, das Malz aus einer Malzfabrik. Das Brombacher Wasser ist so gut, dass es nicht aufbereitet werden muss.

Das Brauen ist eine langwierige Arbeit. "Beim Bier muss alles stimmen, es braucht Zeit" weiß Mülhaupt. Die Hauptgärung dauert sieben bis acht Tage, dann kommt das Bier in sechs geschlossene Drucktanks zur Nachgärung. Nach drei bis vier Wochen kann das Bier abgefüllt werden. Mülhaupt hat dazu eine kleine Abfüllanlage angeschafft. Sauberkeit ist oberstes Gebot, sei es beim Putzen der Sudkessel oder Flaschen. In der Flaschenwaschanlage werden die Flaschen bei 80 Grad in einer Natronlauge gewaschen, nachgespült und neutralisiert. Mittels einer Wärmetauschanlage wird das warme Wasser wieder verwendet, das ist ökologisch und ökonomisch.

Das Bier ist unfiltriert und nicht pasteurisiert. "Es ist ein Naturprodukt mit Nuancen, im Gegensatz zu Industrieprodukten kann sich das eine kleine Brauerei leisten" meint Mülhaupt, "es muss einfach gut schmecken". Wichtig sei auch der Kundenkontakt. "Wenn etwas nicht in Ordnung ist, stehe ich gerade" weiß der Bierbrauer. Wichtig ist ihm, dass es Spaß macht und der Verdienst stimmt. Und das passt im Moment gut, vergrößern will er den Betrieb aber nicht. Wer die Arbeit des Bierbrauers hautnah erleben will, kann sich zu einer Führung anmelden.

Öffnungszeiten: Freitag 14.30 bis 18.30 Uhr, Samstag 9 bis 13 Uhr.