Rechtliche Betreuer am Besten frühzeitig festlegen

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Di, 13. November 2012

Lörrach

Infoveranstaltung des Amtsgerichts zur rechtlichen Betreuung findet großes Interesse / Die Betreuer werden selbst betreut.

LÖRRACH. "Wir haben zurzeit 170 Ehrenamtliche, die sich in der rechtlichen Betreuung engagieren, und wir könnten fast nochmals so viele gebrauchen", sagte Andreas Haug vom Katholischen Verein für soziale Dienste (SKM. Aus diesem Grund rührte das Amtsgericht Lörrach am Samstag die Werbetrommel für das Ehrenamt in der rechtlichen Betreuung mit einer zweistündigen Veranstaltung, zu der annähernd 100 Besucher kamen.

Die rechtliche Betreuung trat nach einer Gesetzesreform vor 20 Jahren an die Stelle der früheren Vormundschaft. Wenn ein erwachsener Mensch wegen einer psychischen Krankheit oder einer anderen Behinderung seine Geschäfte nicht selbst erledigen kann, unterstützt ihn ein rechtlicher Betreuer dabei – in Zusammenarbeit mit dem Betreuten und nach dessen mutmaßlichem Willen. Diesen herausfinden, ist nicht immer leicht, gestand Amtsgerichtsdirektor Wolfram Lorenz im Gespräch mit Moderator Matthias Zeller. Das kann im Gespräch mit Freunden oder der Familie des Betreuten gelingen, ansonsten muss ein psychiatrischer Sachverständiger zu Rate gezogen werden.

"Der Betreuer muss auch abwägen, wo der Betreute selbst handeln kann und wo er als Betreuer eingreifen muss", stellte Lorenz fest. Hilfreich ist es, wenn Menschen vorab eine Vorsorgevollmacht etwa an ihre Kinder erteilen. Die Betreuer werden bei ihrer Aufgabe aber nicht alleine gelassen, es gibt ein Einführungsseminar und regelmäßige Betreuertreffen, so Andreas Haug. "Wenn man Menschlichkeit und einen gesunden Menschenverstand mitbringt, kommt man schon ganz schön weit", sagte Lorenz.

Schwerwiegende Rechtsgeschäfte kann aber auch der Betreuer nicht alleine für den Betreuten abschließen, erklärte Diplom-Rechtspflegerin Anja Glünkin, die beim Amtsgericht für Betreuung zuständig ist. Grundstücksverkäufe zum Beispiel müssen von ihr genehmigt werden, und in solchen Fällen geht sie auch selbst zu dem Betreuten hin. Das Rechtsgeschäft bleibt bis zu ihrer Genehmigung "schwebend unwirksam". Geht es gar um schwerwiegende medizinische Entscheidungen, ist der Richter dafür zuständig.

Die Betreuungsbehörde beim Landratsamt ermittel zusammen mit Sachverständigen, wo Betreuung notwendig ist. Die meisten Anregungen dazu kommen aus Krankenhäusern oder Pflegeheimen, berichtete Waltraud Hermann. "Wir haben in jüngster Vergangenheit 84 Anfragen von der Betreuungsbehörde nach ehrenamtlichen Betreuern erhalten und konnte nur 16 vermitteln", berichtete Haug. Findet sich kein ehrenamtlicher Betreuer, wird ein Berufsbetreuer bestellt, der das Land Baden-Württemberg Geld kostet, wie Justizminister Rainer Stickelberger anmerkte. Häufig sind es Familienangehörige, die die rechtliche Betreuung übernehmen, zurzeit ist das in 55 Prozent der Fälle so.

Info und Kontakt: SKM: Tel.: 07622 / 671717-0, http://www.skm-loerrach.de

Betreungsbehörde: Tel.: 07621 / 410-5170