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27. Juli 2016

Schulsystem muss einfacher werden

Über den "Streitfall Schule" diskutieren CDU-Politiker mit Pädagogen, Eltern und Bürgern / Ein Vergleich mit Sachsen.

  1. Die Bundestagsabgeordneten Michael Kretschmer (links) und Armin Schuster (zweiter von rechts) mit den Gemeinderatsmitgliedern Xaver Glattacker und Petra Höfler. Foto: Katharina Bartsch

LÖRRACH. Schulen und ihre Zukunft sind im Moment ein ganz aktuelles Thema in Lörrach. Mit der Schulentwicklungsplanung soll die Schullandschaft in Lörrach neu geordnet werden. Darüber wird im Herbst der Gemeinderat entscheiden. Michael Kretschmer, der für Bildung zuständige stellvertretende Fraktionsvorsitzende von CDU/CSU im Deutschen Bundestag, hat im Lasser mit Bürgern auf Einladung der CDU Lörrach über den "Streitfall Schule" diskutiert.

Neben seiner Tätigkeit im Bundestag ist Kretschmer auch Generalsekretär der Sachsen-CDU. 1990 hatte man sich dort am Schulsystem von Baden-Württemberg orientiert. "Mittlerweile wurde das sächsische Schulsystem zum neunten Mal in Folge zum besten Schulsystem Deutschlands gewählt", erzählte Kreisverbandsvorsitzender Schuster. Die Schulleistungen in Baden-Württemberg hingegen würden eklatante Mängel aufweisen. Daher stelle sich die Frage, ob wir nicht von Sachsen lernen können.

In Baden-Württemberg bekommen die Gymnasien immer mehr Zulauf, wie auch in Lörrach zu spüren ist. Die Neumattschule als Werkrealschule hingegen bekommt immer weniger Schüler. "Es wäre falsch, die Kinder vom Gymnasium abzuhalten, aber als Alternative sollte man die Realschulen stärken", sagte Kretschmer. Jobs seien nach einer Ausbildung oft stabiler als nach dem Studium. Bei Gemeinschaftsschulen ist der CDU-Politiker jedoch skeptisch. "Man sollte nicht alle in eine Klasse stecken, aber jeder sollte den für sich besten Schulabschluss erreichen", sagt Kretschmer.

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In Sachsen gibt es neben dem Gymnasium die Oberschule, die sich in Real- und Hauptschule unterteilt. In Baden-Württemberg hingegen ist die Schullandschaft mit Gymnasium, Realschule, Werkrealschule und Gemeinschaftsschule fast schon unübersichtlich. "Ich würde mir wünschen, dass dieses System etwas vereinfacht wird", sagte Schuster. Sonja Mohren, Schulleiterin der Theodor-Heuss-Realschule in Lörrach, prognostizierte, dass sich Gemeinschaftsschulen und Realschulen einander annähern werden. Sie bemängelte – wie auch Eltern und Schüler – die Lehrerversorgung. "Unser Bedarf für das neue Schuljahr ist zwar gedeckt, aber wir bangen jedes Mal am Schuljahresbeginn, ob nicht noch Lehrer abgezogen werden, weil sie anderswo fehlen." An der Neumattschule sind am Nachmittag vier Betreuer für 77 Kinder zuständig, berichtete eine Erzieherin. Deutschland komme im europaweiten Vergleich mit extrem wenig Beamten aus, sagte Schuster. Kretschmer bat darum, geduldig zu sein: "Geben sie den beiden Koalitionspartnern Zeit bei der Bildungspolitik." Jeder größere Eingriff in das System würde es zunächst verlangsamen. Eine Vereinfachung sei aber erstrebenswert.

Autor: Katharina Bartsch