So ernsthaft und doch entspannt kann Jazz klingen

Adrian Steineck

Von Adrian Steineck

Mi, 15. Februar 2017

Lörrach

Der Gitarrist Christoph Neuhaus bestritt mit seinem Quartett im Lörracher Jazztone ein durchweg erstklassiger Konzert.

Ein deutsch-französisches Zusammentreffen auf höchstem musikalischen Niveau erlebten die Besucher im Jazztone, wo sich am Freitag mit dem Gitarristen Christoph Neuhaus der Zweitplatzierte bei der Vergabe des baden-württembergischen Jazzpreises vom vergangenen Jahr die Ehre gab. Mochte der 28-Jährige bei der Preisverleihung dem Mannheimer Pianisten Volker Engelberth unterlegen sein, so war das, was Neuhaus mit seinen drei musikalischen Mitstreitern auf die Bühne des Jazztone brachte, doch durchweg erstklassig.

Schuld war das Cordon bleu: Als Grund für eine geringfügige Verspätung führte Christoph Neuhaus den Verzehr der üppigen Schnitzelvariante an und nahm mit dieser entwaffnend offenen Ansage, die sich wie ein Leitmotiv durch die weiteren Moderationen zog, das Publikum sofort für sich ein. Mit "Johnny Young", einer Komposition des Organisten Jean-Yves Jung, der damit auf seinen Spitznamen in den USA Bezug nahm, startete das Quartett furios. Der Saxophonist Alexander Bühl, der wie Christoph Neuhaus aus Stuttgart kommt und schon in anderen Formationen mit diesem zusammenspielte, bekam für sein virtuoses Solo den ersten Szenenapplaus.

Keyboarder Jean-Yves Jung und Schlagzeuger Jean-Marc Robin, die der Band des Jazzgitarristen Biréli Lagrène angehören, bildeten die französische Hälfte des Quartetts. Jean-Yves Jung ersetzte auf seiner Hammond-Orgel zugleich den fehlenden Kontra- oder Elektrobass auf ähnliche Weise, wie dies im Rockkontext Ray Manzarek bei den Doors getan hat. Die vier Musiker präsentierten sich als kompakte Einheit, die in Stücken wie "Coffee House" vor Spielfreude schier zu bersten schien. Schlagzeuger Jean-Marc Robin bearbeitete die Felle und Becken mal ganz sanft, dann wieder wild und so virtuos, dass es die Zuhörer im nicht ganz gefüllten, etwa 80 Besucher fassenden Jazztone zu Begeisterungsstürmen hinriss. Wie sich Robin bei Klassikern wie "My Ideal" nach der Version von Chet Baker regelrecht in Trance zu spielen schien, war eine Leistung, die dadurch noch bemerkenswerter wurde, dass er die hauseigene und damit fremde Schlagzeugbatterie verwendete.

Christoph Neuhaus, der den Guns n’ Roses-Gitarristen Slash zu seinen Vorbildern zählt und während seines Musikstudiums in einer Pink-Floyd-Coverband gespielt hat, präsentierte sich als unprätentiöser Könner, der mit seiner Gibson-Gitarre einem ganz eigenen Stil frönte. Das von ihm komponierte "Waltz for a Tree" oder einen Standard wie "Nobody Else But me" der Jazz-Sängerin Betty Bennett versah er mit gefühlvollen Soli, bei anderen Stücken ordnete er sich ganz dem Bandkontext unter. Immer wieder improvisierte er auch mit seinen Mitmusikern und gab sich ganz einem hypnotischen Groove hin, so dass die Besucher nicht wussten, wo die Improvisation endet und das nächste Stück beginnt. Dabei fanden die Musiker stets die Zeit, bei besonders gelungenen Passagen eines Kollegen ein Lächeln auszutauschen.

Nach gut zweieinhalb Stunden und der Zugabe "Groove Merchant" ging ein instrumentaler Abend zu Ende, der bewies, dass der moderne Jazz, der oft zu Unrecht als verkopft angesehen wird, ganz ernsthaft und doch entspannt daherkommen kann.