Humor mit Tiefgang

So war der Poetry-Slam "Frohe Reimnachten" im Lörracher Burghof

Sandra Raith

Von Sandra Raith

Mi, 26. Dezember 2018 um 21:13 Uhr

Lörrach

Eine Weihnachtstradition hat sich im Burghof Lörrach etabliert: "Frohe Reimnachten". Der Poetry-Slam war früh ausverkauft. Im Publikum ist die Jugend längst nicht mehr unter sich.

Liebhaber des gesprochenen Wortes, der Poesie und des Geschichtenerzählens finden sich in jedem Alter, dies spiegelt sich im Publikum wider. "Wir kommen seit vier Jahren mit der ganzen Familie hierher", erklärt eine Zuschauerin "dieser Abend läutet unsere Weihnacht ein und ist etwas, an dem wir alle Spaß haben, von den Großeltern bis zu den Enkeln." Durch den Abend führen Daniel Wagner und Niklas Ehrentreich, alias Nik Salsflausen, beide verwurzelt in der Szene als Slammer und als Moderatoren.

Da es am Ende einen Gewinner oder eine Gewinnerin geben soll, treten die Slammer direkt gegeneinander an, das Publikum bestimmt mit der Applauslautstärke, wer ins Finale einzieht. Schon das unglaubliche Preisgeld von einer Flasche Wein und einer gemalten Karte aus dem Publikum zeigt, dass es nicht wirklich um das Gewinnen geht, sondern der Wettstreit eher ein Showelement ist.

Pointiert geschrieben und vorgetragen

Gregor Stäheli aus Zürich, gerade 28 Jahre alt, tritt zuerst an, die Reihenfolge ist gerechterweise gelost. Er amüsierte mit einem Text über seine Parallelen zu Peter Pan, der nicht erwachsen werden will. "Liebe ist keine Gewinnspielfrage auf RTL … Liebe ist eher wie Twister. Mit Skischuhen. Im Dunkeln, während gleichzeitig die Arme mit Kabelbinder hinter dem Rücken zusammengebunden sind … Pause … Das ganze unter Wasser."

Alex Simm aus Ravensburg begeistert mit einem ironischen Text mit dem Titel "Willkommen bei meinen Lieblingsfeinden", zu denen falsch angewendete Redewendungen gehören (Binden sie mir doch keinen Elefanten auf…) und die in Menschen gipfeln, die immer in allem das Gute sehen und nicht zugeben wollen, dass manche Dinge ausschließlich "Scheiße sind", wie er wörtlich feststellte. Das Ganze natürlich pointiert geschrieben und vorgetragen.

Tiergedicht mit th-Schwäche

Simeon Buss aus Bremen wollte Kinderbuchautor werden, seit 2013 bereist er die Poetry-Bühnen der Republik und schreibt laut eigener Aussage heute "Kindergeschichten für Erwachsene". So startet er mit einer Hommage an Michael Endes "Momo" und trägt seinen Text mit wunderbarer Intonation vor. Er moduliert seine Aussagen mit leiser und lauter Stimme, hat die Geduld zur Langsamkeit an den richtigen Stellen, überhaupt kann man ihn sich gut als Lagerfeuer-Erzähler vorstellen. Er moniert, dass asozial sein nur einer gerechteren Welt gefährlich ist und reklamiert "Die Welt braucht viel mehr Momos".

Meike Harms verschmilzt die th-Schwäche Ihres Vaters, der es immer wie ein F ausspricht zu einem entzückenden Tiergedicht, das sich um den Sinn des Lebens, Glück und den "Fink positive" dreht, eine herrliche Geschichte. Andrea Maria Fahrenkampf aus Saarbrücken schenkt ihren Text "Ich bin klein" allen Menschen unter 1,60 Meter, Spaß haben daran alle Anwesenden.

Marvin Suckut aus Überlingen schließt die Runde passenderweise mit einem Weihnachtstext ab, der am 23.12. zum Zeitpunkt T minus 5 spielt, also um 23.55 Uhr. Simeon Buss, Marvin Suckut und Alex Simm, der später als Gewinner gekürt wird, ziehen ins Finale ein. Mit Vergnügen bekommt das Publikum eine zweite Runde von Texten mit Humor und Tiefgang zu hören.



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