Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

16. Juli 2015

Sprachförderung bleibt Domäne der Bürgerstiftung

Beratung und Weiterbildung für zahlreiche Lörracher Kindereinrichtungen / Stiftung kann rund 60 000 Euro einsetzen.

  1. Die Leitung der Bürgerstiftung: Roswitha Wetzel, André Marker, Ute Lusche, Frank Hovenbitzer, Karsten Kleine Foto: Willi Adam

LÖRRACH. Der Stiftungsgedanke und dabei auch das Modell der Bürgerstiftungen hatte sich in Deutschland eben erst durchgesetzt, als die Zinsen auf Tiefststände fielen und somit auch die Erträge für Stiftungen. Davon bleibt auch die Bürgerstiftung Lörrach nicht ganz verschont. Doch weil das Stiftungsvermögen mit 1,3 Millionen Euro zwischenzeitlich recht erklecklich ist, weil ein Teil des Kapitals im alten Stettener Rathaus steckt und somit stabile Mieterlöse abwirft und weil die Bürgerstiftung dank Spenden und eigener Initiativen zusätzliche Einnahmen hat, bleibt unterm Strich doch ein ordentlicher Betrag für die gemeinnützigen Aufgaben. Dies berichteten Stiftungsrat und Vorstand der Bürgerstiftung bei ihrer Versammlung am Dienstagabend. Schwerpunkt der Stiftungsarbeit bleibt die Sprachförderung.

Die Vorsitzende der Bürgerstiftung, Ute Lusche, berichtete von einer Erbschaft über 200 000 Euro. Dieses Geld fließt dem Stiftungskapital zu und bleibt somit erhalten. Ute Lusche bezeichnete dies als eine besonders nachhaltige Form des finanziellen Engagements für einen gemeinnützigen Zweck. Das Stiftungskapital hat mittlerweile den Wert von 1,3 Millionen Euro erreicht. Ein Grundstock davon ist das Rathaus in Stetten, das die Stadt Lörrach der Stiftung vor etwas mehr als einem Jahrzehnt in unrenoviertem Zustand geschenkt hatte. Teile der vorbildlich hergerichteten Immobilie sind vermietet und werfen einen Bruttoertrag von 15 000 Euro ab. Das ist mehr als die Kapitaleinkünfte, die Ute Lusche mit 11000 Euro bezifferte. 22 000 Euro erhält die Stiftung an Spenden, die nicht dem Kapital zufließen und somit vollständig ausgegeben werden können. Weitere knapp 10 000 Euro kommen aus den Tombola- und Gastronomieerlösen der Benefizgala.

Werbung


Einen Großteil der rund 60 000 Euro jährlicher Verfügungsmasse steckt die Bürgerstiftung in die Sprachförderung. Michaela Kern, die für diese Aufgaben bei der Stiftung angestellt ist, berichtete von Beratungs- und Bildungsarbeit in Zusammenarbeit mit 14 Lörracher Kinderbetreuungseinrichtungen. Die Bürgerstiftung unterstützt dabei die Einrichtungen und deren Mitarbeiter fachlich und mit Bereitstellung von Materialien wie zweisprachigen Bilderbüchern. Außerdem sucht die Bürgerstiftung mit muttersprachlichen Versionen des bewährten Programms "Starke Eltern – Starke Eltern" des Kinderschutzbundes den Zugang zu Migrationsfamilien.

Gudrun Schubert bedauert Abschottung von Muslimen

Das Kapital des Museumsfonds, exakt 457 000 Euro, ist Teil des Vermögens der Bürgerstiftung. Allerdings hat der Museumsfonds eigene Aufgaben. Restaurierungen im Zusammenhang mit den Ausstellungen zu Max Laeuger und zum Ersten Weltkrieg standen im Mittelpunkt, berichtete Museumsleiter Markus Moehring. Außerdem hat der Fonds das Museum beim Kauf eines Porträts unterstützt, das den Maler Friedrich Kaiser zeigt, gemalt von dessen Bruder Eduard.

Eine eigene Stiftung unter dem organisatorischen Dach der Bürgerstiftung ist die Schubert-Durand-Stiftung, die jüngst ihr zehnjähriges Bestehen feierte. Diese Stiftung kümmert sich um Bildungsarbeit für muslimische Frauen und Mädchen. Unterstützt wird zum Beispiel ein interkulturelles Frauentheater und die Sprachförderung von Mädchen. Gudrun Schubert machte am Beispiel einiger muslimischer Mädchen in höheren Schulen deutlich, dass kontinuierliche Sprachförderung den Notendurchschnitt spürbar anhebe. Kritisch setzte sich Gudrun Schubert mit der aktuellen Situation in muslimischen Kreisen auseinander. Vor Jahresfrist schon habe sie vor islamistischen Tendenzen gewarnt. "Leider haben sich diese Strömungen in beängstigender Weise verstärkt", sagte sie. Nach ihrer Einschätzung würden die meisten Muslime nur noch in ihren Kreisen verkehren und den Kontakt zu anderen Gruppen meiden. Ein Umstand, der beweise, wie wichtig die Arbeit der Stiftung sei, sagte der Stiftungsratsvorsitzende André Marker, der die Versammlung leitete.

Eingangs gedachte die Versammlung des verstorbenen Roland Wetzel. Er habe die Bürgerstiftung wesentlich vorangebracht, sagte Marker. Roswitha Wetzel wurde neu als Beisitzerin in den Vorstand gewählt.

Autor: Willi Adam