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15. April 2012 20:44 Uhr

Regenbogen-Koalition

Stickelberger beim Christopher Street Day

Schwule, Lesben und Transgender haben in Lörrach beim Christopher Street Day für ihre Rechte demonstriert – und dabei Unterstützung von politischen Promis wie Justizminister Rainer Stickelberger bekommen.

  1. Brigitte Lötsch, Rainer Stickelberger und Gudrun Heute-Bluhm stehen Rede und Antwort Foto: Barbara Ruda

Zum dritten Mal feierten am Samstag Schwule, Lesben und Transgender beim Christopher Street Day selbstbewusst und stolz ihren Lebensstil und zeigten Menschenrechtsverletzungen, Intoleranz und Homophobie die rote Karte. Einige Infostände von Vereinen und Parteien und eine Bühne bildeten auf dem Senser Platz das CSD-Dorf, wo prominente Redner wie die Vizepräsidentin des Landtags Brigitte Lösch und Justizminister Rainer Stickelberger sprachen. Am Nachmittag zog von dort aus eine Miniparade durch die Innenstadt. Das Motto hieß "Bunt, na und – andersartig aber gleichberechtigt".

Die dritte Ausgabe war naturgemäß viel kleiner als die vor zwei Jahren, als die Lörracher Rainbow Stars den zentralen CSD für Baden-Württemberg nach Lörrach geholt hatten. Seitdem hat es im Land einen Regierungswechsel gegeben – das wurde in den Ansprachen und der Podiumsdiskussion auf dem Senser Platz deutlich. Baden-Württemberg wird seit vergangenem Jahr nicht mehr von dem "homophoben Ministerpräsidenten Stephan Mappus, der allen CDU-Mitgliedern verboten hatte, an CSDs teilzunehmen" regiert, wie der scheidende Sprecher der Rainbow Stars, Jonny Schuler, zu Beginn der Veranstaltung am Samstag sagte. Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm nahm dies als Steilvorlage, um in ihrem Grußwort klarzustellen, dass sich Oberbürgermeister von Ministerpräsidenten nichts verbieten lassen. Es sei ihr immer ein Anliegen gewesen, dass in Lörrach Menschen mit ihren verschiedenen Lebensentwürfen Platz haben. Deshalb habe sie gerne die Schirmherrschaft für diesen Christopher Street Day übernommen und gleich im Januar 2012, als das endlich möglich war, auch schnell durchgesetzt, dass in ihrer Stadt Verpartnerungen von schwulen und lesbischen Paaren in Rathaus und Standesamt möglich sind. Die Oberbürgermeisterin dankte den Rainbow Stars für die Initiative zu einem Brückenschlag zur Stadt und dafür, dass sie zu einem bunten toleranten Bild Lörrachs beitragen.

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Laut Brigitte Lösch, der Vizepräsidentin des Stuttgarter Landtags, will die grün-rote Landesregierung gemäß ihrem Credo "Gleiche Pflichten – gleiche Rechte" nun endlich die Diskriminierung der Lebenspartnerschaften im gesamten Landesrecht abschaffen und sie in vollem Umfang mit der rechtlich Ehe gleichstellen.

Auf dem Weg zu voller Anerkennung

Justizminister Rainer Stickelberger sieht diesbezüglich vor allem bei Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst noch erheblichen Nachholbedarf. Im Schulunterricht sollen nach dem Willen der Landesregierung die verschiedenen sexuellen Orientierungen bald thematisiert und wertneutral behandelt werden. Man sei also auf dem Weg zur vollen Anerkennung und Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare, aber von gleicher Würde und gleicher Akzeptanz noch ein gutes Stück entfernt, fasste Brigitte Lösch zusammen. So könne man diesen Christopher Street Day in Lörrach als "Richtfest für das Häusle der Gleichberechtigung" feiern.

Die Grünen-Politikerin trug später bei der Parade die Regenbogenfahne und beteiligte sich auch am lautstarken Trillerpfeifenkonzert, mit dem viele Teilnehmer auf sich und ihre auf Fahnen und Shirts vor sich hergetragenen Parolen aufmerksam machten. Große Wagen und wummernde Technobässe gab es dieses Mal nicht. Ein paar Leute standen pünktlich um 14 Uhr zum Start des bunten Zugs am Rande der Strecke und erwarteten ihn, viele andere blieben spontan stehen und schauten zu. Die Reaktionen waren unterschiedlich: Man sah interessierte und gleichgültige, zurückhaltende und leicht amüsierte Gesichter. Auf dem Senser Platz führte Moderatorin Sandra Wöhe, Buchautorin aus Zürich, durch ein buntes Programm.

Autor: Barbara Ruda